+
Der Waldfriedhof ist ein Naturfriedhof, der alle mit der Pflege Betrauten sehr fordert. Eigentümer und Stadt kümmern sich intensiv um ein gepflegtes Erscheinungsbild des etwa neun Hektar großen Areals.

Stadt und Bestatter Nehmen Stellung zur Kritik am Waldfriedhof

Nicht immer ist das Unkraut schuld

  • schließen

Der Pflegezustand des Freisinger Waldfriedhofs lasse zu wünschen übrig, ärgern sich derzeit einige Bürger: ungepflegte Wege, zerwühlte Rasenflächen und stinkende Abfallhaufen. Stadtgärtnerei-Chef Anton Eichenlaub und seine Mannschaft winken ab und mahnen zur Geduld: „Wir tun, was wir können, und sind laufend vor Ort.“ Und an manchem G’rücherl sind die Freisinger selbst schuld.

Freising – Rund neun Hektar groß ist das Areal des Freisinger Waldfriedhofs zwischen Wettersteinring und der B 301. Es umfasst etwa 5000 Grabstellen, zwei Kolumbarien für Urnenbeisetzungen, eine Aussegnungshalle und weitere Flächen für individuelle Bestattungsformen wie Fötengräber, muslimische Grabstellen und ein Gemeinschaftsurnenfeld. Stadtgärtnerei-Chef Anton Eichenlaub schildert: „Das alles wird ständig und umfassend gepflegt. Die Einteilung der Arbeitsgruppen wird dazu je nach Bedarf, aber auch Verfügbarkeit des Personals angesetzt. Da kann es, auch witterungsbedingt, schon mal zu kurzfristigen Verzögerungen bei den Arbeiten kommen, und die lassen sich auch nur schwer vermeiden.“

Ebenso hinterher sei man bei den Gehölz- und Baumpflegemaßnahmen: „Vor allem der Baumbestand wird regelmäßig durch Fachpersonal kontrolliert“, erklärt der Stadtgärtnerei-Chef. Dann werden die nötigen Pflegemaßnahmen festgelegt – und zeitnah durchgeführt. Auch in diesem Arbeitssektor setze man alles daran, den Arbeitskatalog so pünktlich wie möglich abzuarbeiten. Besonderes Augenmerk wird auf die Rasenflächen gelegt: „Wir mähen regelmäßig im Rhythmus von zwei bis drei Wochen“, schildert Eichenlaub. Was sicherlich derzeit Probleme bereite und die Rasenflächen teilweise wie Kraterlandschaften aussehen lasse, sind die vielen „Scherhaufen“, aufgeworfen von Maulwurf und Wühlmaus: „In einigen Abteilungen sind ganze Teilbereiche aufgewühlt.“ Da könne man nur hinterher arbeiten und Schadensbegrenzung betreiben, denn: „Beide Tierarten sind streng geschützt. Eine großflächige Bekämpfung ist einfach nicht möglich.“

Dem Unkraut zwischen den Platten wird mit speziellen Stahlbürsten-Aufsätzen zu Leibe gerückt.

Die Reinigung der asphaltierten Hauptwege – auch ein Kritikpunkt – werde turnusmäßig und im Bedarfsfall durchgeführt mit Kehrmaschinen des Bauhofs: „Eine eigene Maschine für den Friedhof gibt es nicht.“ Und so könne es schon mal vorkommen, erklärt Eichenlaub, dass es zwischen den einzelnen Reinigungsintervallen bis zur nächstmöglichen Reinigung kurzzeitig „zu überdurchschnittlichen Verunreinigungen kommt“: Die Kehrmaschine müsse von der Straßenreinigung abgezogen, und das wiederum in den Arbeitsablauf des Bauhofs eingetaktet werden. Dasselbe gilt für die Plattenwege, in deren Fugen schnell das Unkraut wuchert. „Die werden drei bis viermal jährlich mit speziellen Stahlbürstenaufsätzen gesäubert.“ Aber auch hier sei es nicht zu vermeiden, „dass zwischen den einzelnen Pflegeabschnitten kurzzeitig ein nicht optimal gepflegter Eindruck entsteht“.

Eine besonders harte Nuss haben Eichenlaub und seine Mannschaft zu knacken, wenn es um den Unterhalt der Kieswege geht. Denn die Unkrautbekämpfung dort darf seit Jahren nicht mehr mit chemischen Mitteln durchgeführt werden. Die danach verwendeten Abflammgeräte werden aus Arbeitsschutzgründen nicht mehr verwendet. Deswegen sei man gerade dabei, ein Gerät anzuschaffen, das dem Unkrautbefall mit 98 Grad heißem Wasser auf den grünen Pelz rückt: „Bis das angeschafft ist, wird bis Herbst eine Fremdfirma im Rahmen der Haushaltsmittel die Kieswege pflegen.“ Am 1. August war bereits ein Einsatz, ein weiterer Termin schließt sich im September an.

Was die Müllentsorgung angeht, die von außen moniert wird, da beschreibt Valentin Zirngibl die Situation. Der Geschäftsführer des Bestattungsunternehmens Wimmer und hoheitlich tätiger Bestatter hat laut Vertrag mit der Stadt die Müllentsorgung zu besorgen: „Die insgesamt 21 Sammelbehälter, die über das Gelände verteilt sind, werden von uns regelmäßig zweimal die Woche geleert.“ In der Allerheiligenwoche sogar zweimal täglich.

Werden regelmäßig geleert: Die insgesamt 21 über das gesamte Friedhofsgelände verteilten Sammelbehälter.

Zirngibl gibt zu, dass es in der Vergangenheit „ein Problem“ mit den Müllboxen gab: „Die Gärtnereien, die am Friedhof von Privatleuten mit der Grabpflege betraut sind, haben immer wieder ihren Müll in die für die Grabeigentümer reservierten Gitterboxen gepackt. Teilweise waren das sperrige Blumen-Paletten. Da waren die Körbe gleich voll.“ Dieses Problem sei aber inzwischen aus der Welt geschafft. Jetzt wird ganz ordnungsgemäß am zentralen Sammelplatz in Höhe der B 301 abgeladen. Und ganz genau an dieser Sammelstelle gibt es einen Missstand, der einigen unvernünftige Zeitgenossen geschuldet ist – und der teilweise im wahrsten Sinne des Wortes „zum Himmel stinkt“: „Einige entsorgen tatsächlich ihren Hausmüll schwarz an der Sammelstelle.“ Und der entwickelt dann – wenn’s die entsprechende Mischung ist – an sonnigen Tagen eine garstige Duftwolke. Zirngibl: „Ich kann so was nicht verstehen. Sogar Windeln haben wir dort schon gefunden.“

Doch damit soll künftig aufgeräumt werden. Die Stadt wolle in den nächsten Jahren einen Wirtschaftshof installieren, der mit einem Zaun abgesichert ist. Dann sei endlich Schluss mit den garstigen Funden wilder Entsorger. Zirngibl lobt in diesem Zusammenhang die Verantwortlichen: „Die Stadt kümmert sich wirklich vorbildlich um den Friedhof.“ Nur manchmal müsse man halt auch ein bisserl Geduld aufbringen: „Das ist ein Naturfriedhof und der ist gut in Schuss. Wie g’schleckt wird der nie ausschauen.“

ws

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Chapeau!
Seit zehn Jahren pflegen die Französisch-Klassen des Camerloher-Gymnasiums die deutsch-französische Freundschaft mit bunten Abenden. Jetzt ließen die Schüler die …
Chapeau!
Megabaustelle Freising - Feldmoching im Sommer: Bahn gibt Details zu Arbeiten bekannt
Die Bahn nennt es eine zukunftsweisende „Bauoffensive“, doch den Passagieren im Landkreis graut es: Die Strecke zwischen Freising-Feldmoching wird in den Sommerferien zu …
Megabaustelle Freising - Feldmoching im Sommer: Bahn gibt Details zu Arbeiten bekannt
Zauberhafte Sinfonie aus Tanz, Show und Sinatra
Schwung, Stil, Überraschungen und ein OB im Sinatra-Fieber: Diese Säulen trugen den inzwischen dritten Luitpoldball der Freisinger Mitte (FSM) und zog die rund 450 …
Zauberhafte Sinfonie aus Tanz, Show und Sinatra
Über allem schwebt die Grundstücksfrage
Die Kläranlage steht in diesem Jahr ganz oben auf der Agenda der Gemeinde Haag. Das Freisinger Tagblatt hat sich mit Bürgermeister Anton Geier über alle  Projekte und …
Über allem schwebt die Grundstücksfrage

Kommentare