Man sieht ein Luftreinigungsgerät mitten in einem Klassenzimmer stehen.
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Luftreinigungsgeräte vermitteln nach Ansicht der Stadt Freising eine „Scheinsicherheit“. Auch der Landkreis bezieht die Position, die Geräte seien nicht effektiv, weil sie keine frische Luft zuführen können.

Stadt und Landkreis Freising fördern Geräte nicht, einzelne Gemeinden schon

Nur wenige Luftreiniger im Einsatz

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  • Andrea Beschorner
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Luftreinigungsgeräte und CO2-Ampeln – manche Landkreise wie Erding setzen auf diese technischen Luftverbesserer. Der Landkreis und die Stadt Freising nicht.

In Nandlstadt sind Raumlüfter im Einsatz

Bereits im Januar wurden in zehn Klassenzimmern der Grund- und Mittelschule Nandlstadt Sensoren eingebaut, die die CO2-Konzentration messen und bei einem kritischen Wert eine Warnung geben. Die anderen Klassenzimmer sind mit einer sogenannten „Raumlufttechnischen Anlage“ ausgestattet und werden dadurch automatisch ausreichend gelüftet. Ortschef Gerhard Betz hält die Geräte für „eine gute Geschichte – auch für die Zeit nach Corona“. Und auch Schulleiterin Elke Gold ist dankbar für die Anschaffung.

Moosburg: Messgeräte – aber keine Reiniger

An Moosburgs Bildungseinrichtungen herrschen unterschiedliche Verhältnisse – je nachdem, welcher Sachaufwandsträger zuständig ist. Am Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasium etwa ist es der Landkreis, weshalb der Schule eine Absage ins Haus flatterte:. „Wir sind darüber informiert worden, dass keine Luftreinigungsgeräte bewilligt wurden“, berichtet Schulleiterin Claudia Theumer. „Der Landkreis hat gesagt, dass unsere Unterrichtsräume über die großen Fenster ausreichend belüftet werden können.“

Im Sommer sei das freilich kein Problem, räumt Theumer ein. „Aber im Winter führt das zu enormem Wärmeverlust. Wenn wir da regelmäßig lüften, ist es in den Räumen sehr kalt.“ Ihr sei bewusst, dass die Anschaffung von Luftreinigern ein Kostenfaktor sei. „Aber im Winter wäre es schon eine Hilfe gewesen, um das Lüftungsintervall auszudehnen. Die Kinder haben im Unterricht gefroren, und wir konnten sie nur darum bitten, warme Kleidung zu tragen.“ Immerhin sei es nicht zu verstärkten Krankheitsfällen gekommen, berichtet die Schulleiterin.

Wann es an der Zeit sei, zu lüften, das werde in den Klassenzimmern von CO2-Messgeräten gemeldet: „Sobald es piepst, werden die Fenster geöffnet und der Alarm abgestellt.“ Das passiere etwa alle 15 Minuten – je nach Raumgröße und Klassenstärke.

In der Mittelschule schaut es besser aus

Auf der anderen Seite der Albinstraße, in der Georg-Hummel-Mittelschule, hat sich deren Sachaufwandsträger spendabler gezeigt: „Von der Stadt Moosburg wurde uns angeboten, dass sie alle Kosten für Luftreinigungsgeräte übernimmt“, erzählt Rektorin Karin Schmidt. Weil die Mittelschule erst kürzlich im Zuge einer Sanierung eine neue Belüftungsanlage erhalten habe, waren letztlich nur in drei Räumen zusätzliche Geräte von Nöten.

Auch CO2-Ampeln seien der Schule aktiv angeboten worden. „Wir haben jetzt fünf Stück, wobei die eher zu Testzwecken installiert wurden.“ Die Ampeln würden für die Schüler eine nicht unerhebliche visuelle Ablenkung darstellen. „Dass wir mit ihnen gute Erfahrungen gemacht haben, liegt vor allem daran, dass ohnehin alle 20 Minuten stoßgelüftet wird – und es wegen der guten Luftqualität gar nicht erst zu einem Signal kommt“, sagt Schmidt.

Die Kooperation mit der Stadt lobt Schmidt in den höchsten Tönen: „Wir werden absolut gut unterstütz, sowohl finanziell als auch mit unkomplizierten, schnellen Maßnahmen.“ Dass es im Herbst zu Wartezeiten bei der Lieferung von Geräten gekommen sei, sei der hohen Nachfrage geschuldet.

In Kranzberg war das Gerät zu laut

Vom Gemeinderat für gut befunden und beschlossene Sache: Das war Stand der Dinge der Luftfilteranlagen für die Grundschule in Kranzberg. Und dann hat sich Schulleiterin Heike Hartmann drei verschiedene Modelle angeschaut – und angehört. Und ist dabei zumindest für diese drei Ausführungen zu dem deutlichen Schluss gekommen: zu laut, zu störend. „Diese Geräte sind absolut sinnvoll, wenn sie sich gut in den Unterrichtsalltag integrieren lassen“, sagt Hartmann. „Sie dürfen aber nicht beim Unterrichten stören.“

An der Schule in Kranzberg sei man in der glücklichen Lage, dass jedes Klassenzimmer über Fenster verfüge, man gut querlüften könne. „Wenn das nicht der Fall wäre, müsste man freilich darüber nachdenken, ob man die Lautstärke in Kauf nehmen muss.“ Aber speziell in Kranzberg ist man nicht auf Luftfilter angewiesen.

Nichtsdestotrotz will sich Heike Hartmann zusammen mit dem Elternbeirat und Vertretern der Gemeinde jetzt noch das leiseste Gerät auf dem Markt anschauen. Erst dann wird entschieden, ob Kranzberg welche anschaffen wird oder nicht.

Bis dahin fühlen sich die Lehrkräfte von den CO2-Ampeln bestens unterstützt. „Die machen keine Geräusche. In jedem Klassenzimmer steht eine, die machen ihre Arbeit zuverlässig.“ Dank der Ampeln sei auch gewährleistet, dass man nicht „so ungefähr“ fünf Minuten lüftet, sondern das Fenster wirklich so lange öffnet, bis der Frischluftgehalt ausreichend ist, und die Ampel wieder auf Grün umspringt.

Allershausen: Hilfe durch die Ampeln

Diese Ampeln gibt es auch an der Grund- und Mittelschule in Allershausen. Und Rektor Georg Riedel ist ebenfalls sehr zufrieden damit: „Auch wenn wir gerade ja nicht viele Klassen im Haus haben“, ergänzt der Schulleiter. Dennoch: Die Lehrer seien froh, die Geräte zu haben und fühlen sich gut unterstützt im Lüften – „ein wichtiger Baustein im Sicherheitskonzept an Schulen“.

Eching: Riesenfenster sorgen für Frischluft

Als eine der neuesten Schulen im Landkreis ist die Echinger Imma-Mack-Realschule in der beneidenswerten Situation, weder CO2-Ampeln noch Luftfilter zu brauchen. „Wir haben unglaublich große Fenster und deshalb eine so gute Durchlüftung, dass wir keine Luftfilter benötigen“, berichtet Schulleiterin Gertraud Weber. CO2-Ampeln habe man zwar bereits getestet (Weber: „Und zwar in der Phase der Pandemie, als noch alle Schüler im Unterricht waren“), dabei hätte sich jedoch herausgestellt, dass deren Einsatz beziehungsweise die Resultate „unerheblich“ waren. Auch hier der Grund: die gute Durchlüftung.

Neufahrn: Einsatz in den Chemieräumen

Probleme mit offenen Fenstern scheint man auch in der Neufahrner Grundschule am Fürholzer Weg nicht zu haben, wo im Sekretariat zu erfahren war, dass Luftreiniger nicht vorgesehen seien. Sehr wohl stehe allerdings in jedem Klassenzimmer eine CO2-Ampel.

CO2-Messgeräte gehören in Corona-Zeiten auch zur Grundausstattung der Zimmer am Oskar-Maria-Graf-Gymnasium Neufahrn. Wie OMG-Leiterin Juliane Stubenrauch-Böhme sagt, wurden seitens des Landratsamtes hier zwei Luftreinigungsgeräte in Aussicht gestellt. Eingesetzt werden sollen diese in zwei Chemieräumen, die eher schlecht zu lüften sind.

Stadt Freising lehnt Luftreiniger ab

Luftreinigungsfilter sowie CO2-Messgeräte kommen aktuell an den Schulen in Trägerschaft der Stadt Freising nicht zum Einsatz. Der Grund: „Reinigungs- und Filtergeräte bedeuten keinerlei Frischluftzufuhr, erscheinen generell also allenfalls für Räume sinnvoll, die tatsächlich nicht gelüftet werden könnten. Das trifft in den Unterrichtsräumen der städtischen Einrichtungen nirgends zu“, wie Stadt-Pressesprecherin Christl Steinhart betont. Die Stadtverwaltung stehe laufend in einem engen Austausch mit den Schulleitungen. Wegen der guten Lüftungsmöglichkeiten habe aber keine Schule Interesse an Filteranlagen bekundet.

Reinigungsgeräten sei schließlich auch von Gesundheitsexperten verschiedentlich der Anschein von „Scheinsicherheit“ gegenüber tatsächlich konsequentem Lüften beschieden worden, argumentiert Steinhart. Auch nach dem geltenden „Rahmenhygieneplan“ für die Schulen habe Lüften oberste Priorität, um die Virenlast zu verringern. Eine Schule, berichtet die Rathaussprecherin, habe auf eigenen Wunsch CO2-Messgeräte erhalten. Nach einer eingehenden Testphase hätte man die aber „als nicht wirklich hilfreich in der derzeitigen Situation empfunden“.

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