+
Das Meer: Ein Bad in den Bällen nehmen Anna-Maria Robeto (l.) mit Sohn David und Helene Limbach mit Tochter Xenia.

Indoor-Spielplatz in der Innenstadt

Oase für Eltern, Freudenmeer für Kinder

  • schließen

„Genau das hat gefehlt.“ Viele Eltern sind begeistert vom Mo&Jo, einem Elterncafé und Indoor-Spielplatz für Kleinkinder in der Freisinger Innenstadt. Für Geschäftsführerin Petra Strasser ist es „der schönste Arbeitsplatz der Welt“. Nicht nur für sie.

Freising – Dieser Laden hat offenbar Magnetwirkung. Zumindest für unmotorisierte Fahrzeuge aller Art. Vor dem bunten Schaufenster an der Oberen Hauptstraße tummeln sich Tretroller und Laufräder, Fahrräder mit Kinderschale und Rad-Anhänger, dazu Buggys in jeder Größe und Farbe. Die Besitzer dieser Flotte sind sich im Inneren des Gebäudes. Eltern sitzen gemütlich beim Kaffee. Etwas weiter weg wuseln die ihre Kinder in einem großen Schiff aus Holz, werfen sich ins blau-weiße Bällebad, kreischen vor Vergnügen. Es ist laut, es ist entspannt. Eine Oase für Eltern, ein Freudenmeer für Kinder.

Das Schiff: Das hölzerne Gefährt ist das Prunkstück von Petra Strasser, die den Indoor-Spielplatz in der Freisinger Innenstadt eröffnet hat.

Das Mo&Jo, in dem sich diese Szenen abspielen, ist zweierlei. Es ist ein Café für Eltern und ein betreuter Spielplatz unter Dach für Kinder im Alter von null bis sieben Jahre. Eröffnet hat es Petra Strasser (39) am 8. Januar dieses Jahres in der ehemaligen „Papierwelt“. Der Name des Cafés ist abgeleitet von Strassers Kindern Moritz (7) und Joshua (2). Er passt aber noch in einer anderen Hinsicht. Denn das afrikanische Wort Mojo bezeichnet einen Glücksbringer. Eine Quelle des Glücks soll auch das Mo&Jo sein.

„Unser Ziel ist es, dass sich die Eltern hinsetzen und entspannen können, und die Kinder lachen und laut sein dürfen“, sagt Strasser über ihre Idee. Das Konzept kennt die 39-Jährige aus ihrem Heimatland, der Tschechei. Dort sei es gang und gäbe, dass in Cafés große Spielecken integriert seien, in denen Angestellte auf die Kinder aufpassen, damit die Eltern mal in Ruhe einen Kaffee trinken könnten. Für Mütter mit Säuglingen hat Strasser eine ruhige Nische zum Stillen eingerichtet. Aber auch die bekommen hier einmal eine Atempause, wie Petra Strasser berichtet: „Im Mo&Jo können alle Mamas und Papas gezielt auf uns zukommen, um mal auf ihr Kind oder Baby aufzupassen, während sie einen Kuchen essen oder auf die Toilette gehen.“

Acht Frauen und ein Mann sind bei der 39-Jährigen angestellt, zwei sind in der Regel vor Ort – eine an der Theke des Cafés, um von Profis geliefertes Gebäck und Getränke zu verkaufen, eine im Spielplatzbereich, um die Kinder zu beaufsichtigen und mit ihnen zu spielen. Bezahlt wird das Personal über die Einnahmen aus dem Café. Das ist der Bereich, mit dem Strasser ihr Geld verdient. Die Nutzung des Spielplatzes kostet zwar einen Euro pro Kind. Das Geld aber kommt dem extra gegründeten Förderverein Mo&Jo zugute und wird für die Instandhaltung und den Kauf von Spielsachen verwendet. „Diese soziale Komponente war mir wichtig“, betont Strasser. Die Spielsachen, alles Produkte, die für Kindergärten und Krippen konzipiert wurden, hat die 39-Jährige privat finanziert. Mittlerweile spendet Bücher Pustet. Neben Lesestoff gibt es eine Spielküche eine Mal-Ecke, Bausteine und vieles mehr. Am Ende der Spielwiese steht ein großes Becken mit blauen und weißen Kugeln. „Das Bällebad symbolisiert das Meer“, erklärt Strasser. Dazu passt das Prunkstück ihres Parks: ein großes Holzschiff, ein Schreiner-Unikat. „Als ich das gesehen habe, war mir klar: Das muss ich haben.“

Petra Strasser ist mit der Realisierung des Mo&Jo wahrlich zu neuen Ufern aufgebrochen. „Beruflich komme ich eigentlich aus der Ecke Marketing-Management“, berichtet sie. Ist mit dem Mo&Jo für sie nun ein Traum in Erfüllung gegangen? „Seit ich selbst Mutter bin – auf jeden Fall.“ Auch ihre beiden Söhne sind begeistert. „Sie finden, dass ich den schönsten Arbeitsplatz der Welt habe.“ Und weil sie weiß, wie das so ist als berufstätige Mutter, dürfen ihre Angestellten die Kinder ebenfalls mit zur Arbeit bringen. „Das ist für mich kein Problem, solange sie ihre Kinder nicht bevorzugen. Aber das tun sie nicht.“ Mit dem Start ihres Geschäfts ist Petra Strasser mehr als zufrieden. „Das Team hat sich gut eingespielt, und die Eltern haben uns superschnell entdeckt.“ Auch die Spielgruppen, die sich dreimal die Woche hier treffen, werden gut angenommen. Von der Bastelstunde über musikalische Früherziehung bis hin zu Bollywood-Dance ist viel geboten. Wie heißt es so schön in dem Song von Muddy Waters: „Got my mojo working.“

Helene Limbach kommt regelmäßig mit ihrer rund einjährigen Tochter Xenia ins Mo&Jo. „Genau das hat gefehlt“, meint sie. „Ich finde es hier superschön. Alles ist sauber und gepflegt. Die Kinder finden immer etwas zum Spielen.“ Auch Anna-Maria Robeto ist begeistert. Sogar den ersten Geburtstag ihres Sohnes hat sie dort verbracht. Die Angestellten würden wunderbar mit den Kindern umgehen. „Hier herrscht einfach eine extrem entspannte Atmosphäre. Für mich ist es wie eine Oase.“

Plötzlich dann zwischen all dem fröhlichen Kreischen doch ein trauriges Kindergesicht. Die Mama möchte nach Hause, der Papa wartet aufs Abendessen, der Sohn hat dafür kein Verständnis. Kurz bevor die Tür hinter dem Vierjährigen zugeht, dreht er sich noch einmal um. Mit einem Hoffnungsschimmer im Auge fragt er Petra Strasser: „Ich darf doch wiederkommen, oder?“

Gut zu wissen

Das Mo&Jo hat montags bis freitags von 9 bis 17.30 Uhr, am Samstag von 10 bis 17.30 Uhr geöffnet.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Montessorischule Moosburg: Standort hängt am seidenen Faden
Es waren Monate größter Anspannung. Doch jetzt scheint die Gründergemeinschaft der Montessorischule Moosburg aufatmen zu dürfen.
Montessorischule Moosburg: Standort hängt am seidenen Faden
Nach Unfall bei Hörgertshausen: Motorradfahrer (22) in Klinik geflogen
Nach einem Sturz bei Hörgertshausen wurde am Samstag ein Motorradfahrer (22) aus Landshut ins Krankenhaus geflogen.
Nach Unfall bei Hörgertshausen: Motorradfahrer (22) in Klinik geflogen
Absage nach 46 Jahren: Volksfest-Bann erschüttert legendäre Schaustellerin
Seit 1972 hat sie ihren Stammplatz auf dem Freisinger Volksfest. Doch heuer ist Schluss für die Schaustellerin Doris Thomä: Ihr Schießstand hat keine Gnade mehr gefunden …
Absage nach 46 Jahren: Volksfest-Bann erschüttert legendäre Schaustellerin
Musikalisches Aushängeschild
Sie haben vor Papst Benedikt XVI. gespielt und sie waren beim G7-Gipfel dabei. Seit 20 Jahren ist die Stadtkapelle Freising „das Aushängeschild“ der Stadt, wie OB Tobias …
Musikalisches Aushängeschild

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.