Auf dem Bild knien die Freisinger Frauen und präsentieren ihren am Kirchenboden ausgelegten Fastenweg.
+
Die kreativen Frauen Gabi Kreitenweis, Bettina Mair und Cathrin Andrä (v. l.) präsentieren den Fastenweg in der Vöttinger Pfarrkirche St. Jakob.

Kreative Lösungen in den Freisinger Pfarreien

Ostern in der Domstadt auf neuen Wegen erschlossen

Wegen Corona müssen die Gläubigen auf viele Kar- und Osterbräuche verzichten – und auch wieder nicht, wie ein Streifzug durch Freisinger Pfarreien zeigt.

Freising - So ist es trotz der derzeit geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen vier Frauen aus Vötting gelungen, Familien an die Symbolik der Osterzeit zu erinnern – und zwar unabhängig von den Gottesdienstzeiten. In der Pfarrkirche St. Jakob initiierten sie einen „Fastenweg“, der von Kindern und deren Eltern den ganzen Tag über besucht und gestaltet werden konnte.

Die Palmbuschen

Für österliche Stimmung sorgten auch die fleißigen „Palmbuschenbinderinnen“ aus den Pfarrverbänden zu Beginn der Karwoche. Am Palmsamstag, mit dem die wichtigste Woche des Kirchenjahres eröffnet wird, wurden die traditionellen Buschen, die vom Einzug Jesu nach Jerusalem erzählen, in der Pfarrkirche St. Georg geweiht. Coronakonform und mit ausreichend Abstand, versteht sich. Auch wenn sich die Frauen heuer nicht zu gemeinsamen Bastelstunden in den Pfarrheimen treffen konnten: Traditioneller Osterschmuck wurde trotzdem gefertigt.

Die Heimarbeit

In „Heimarbeit“, wie Irene Montag, Vorsitzende beim Frauenbund St. Georg anmerkt. Gläubige konnten sich am Palmsonntag wie gewohnt mit bunten Palmbuschen und Osterkerzen eindecken – selbstverständlich unter Einhaltung der geltenden Coronaregeln. Geweihte Palmkätzchen hinter dem Kreuz im Herrgottswinkel der guten Stube zu befestigen, das sei ein weitverbreiteter Brauch zu Ostern. Deshalb habe man auch in Coronazeiten gebastelt, sagt Montag. Beim Frauenbund St. Georg traf sich heuer nur eine Handvoll Frauen in einem Stadel, wo der Abstand problemlos möglich war. Osterkerzen und -eier seien ausschließlich im häuslichen Umfeld gestaltet worden. Weil Gläubige derzeit nicht wie gewohnt zum Gottesdienst gehen könnten, seien weniger Spenden eingegangen. Traditionell werden die Spenden für die Palmbuschen einem sozialen Zweck zur Verfügung gestellt.

Die Solidarität

Insgesamt sei der Trend zu Hilfsbereitschaft und Solidarität allerdings erhalten geblieben, freut sich die Vorsitzende. Pfarrvikar Patrick Körbs habe die Buschen am Palmsamstag gesegnet. Dann seien diese am Taufstein im hinteren Bereich der Kirche ausgelegt worden. Kontaktlos hätten sich die Gläubigen bedienen dürfen. Für die Spenden stand ein Körbchen bereit. Dass alles so ohne Kontakt ablaufen müsse, mache ein bisschen traurig, bedauert Montag. Gerade die älteren Mitgliedsfrauen litten unter den Kontaktbeschränkungen. Die Heilige Messe gemeinsam mit allen zu feiern und der kleine „Ratsch“ im Anschluss fehle ihnen sehr. Man erwarte baldige Impfungen. „Im Juni möchten wir für unsere Mitglieder einen Meditations-Spaziergang anbieten, verrät die Vorsitzende. „Wir hoffen, dass wir nicht noch länger vertröstet werden.“ Eine stimmungsvolle Alternative zur gewohnten Einstimmung auf das Osterfest haben sich vier Vöttinger Frauen ausgedacht – und beeindruckend umgesetzt.

Die Symbolik

Mit dem „Fastenweg“ im Kirchenschiff der Pfarrkirche St. Jakob wurde der Weg Jesu von Aschermittwoch bis Palmsonntag über die Karwoche bis zu den Osterfeiertagen in „Bildern, Symbolik und Musik“ dargestellt, sagt die Vöttinger Kirchenmusikerin Gabi Kreitenweis. Gemeinsam mit Heike Kozikowski, Bettina Mair und Cathrin Andrä wollte sie vor allem den Kindern die schöne und wichtige Zeit im christlichen Jahresablauf – trotz Corona – begreifbar machen.

Die Kreativität

Weil die Gottesdienste bereits an Weihnachten nicht wie gewohnt stattfinden konnten, habe man schon damals eine ähnliche Initiative ergriffen, sagt Kreitenweis – und konsequent weitergeführt. An Mariä Lichtmess, das am 2. Februar gefeiert wird, habe man ein Tuch aus schwarzem Samt vom Altar aus über die Treppen herab in den Kirchenraum gelegt. Ganz viele Lichter seien darauf gestellt worden, erinnert sie sich. „Das war so schön.“ Am Aschermittwoch, dem Beginn der 40-tägigen Fastenzeit, gaben die vier Vöttinger Frauen einen weiteren „Weg“ vor: eben den „Fastenweg“. Die Ostergeschichte wird darauf mit vielen Glaubenssymbolen – Osterkerzen, einer Taube aus Papier, einem Regenbogen aus bunten Stoffen – bildlich dargestellt. „Wir haben den Fastenweg zu Beginn jeder Woche verändert“, erzählt Kreitenweis. „Wie es die Bibel vorgibt.“ Die Kinder durften dann beim Besuch mit den Eltern noch weitere Dinge dazulegen. Bemalte Steine etwa. Mit persönlichen Gedanken und Wünschen wurden diese beschriftet. Jedes Kommunionkind bastelte einen Fisch aus Papier, der mit dem eigenen Porträt geschmückt wurde. Alles sei so mit Pater Christian Stumpf abgesprochen, betonen die Frauen.

Der Fastenweg, der entsprechend der Liturgie auch mit Musik untermalt wurde, sei gut angenommen worden. „Das Schöne ist, dass man den ganzen Tag über in die Kirche rein kann“, freuen sich die engagierten Frauen. Dadurch werde alles entzerrt und Corona-konform. Auch eine „kleine süße Überraschung“ sei für das Osterfest vorgesehen. „Das gehört doch auch zu Ostern“, sagt Kreitenweis und lacht.

Maria Martin

Pfarrvikar Patrick Körbs weihte am Palmsamstag die Buschen und Kerzen in der Stadtpfarrkirche St. Georg. Irene Montag und Irmgard Vey vom Frauenbund haben zusammen mit Helferinnen viel Zeit in das Basteln des Osterschmucks investiert.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare