Justitia
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Über ein Jahr muss der Parkhausscheck hinter Gitter.

Urteil vor dem Landgericht Landshut

Männer nach Freisinger Volksfest mit Waffe bedroht: Parkhaus-Schreck muss über ein Jahr hinter Gitter

Mit einem Gefängnisaufenthalt endet nach Urteil der ersten Strafkammer des Landgerichts der Ausraster eines 51-Jährigen in einem Freisinger Parkhaus.

Freising - Ein Volltrunkener (51) hatte 2019 unter Vorhalt einer ungeladenen Schreckschusspistole zwei Volksfestbesucher gezwungen, in sein Auto einzusteigen. Dort schikanierte er die beiden 21-Jährigen so lange, bis er aus dem Fahrzeug fiel. Die Strafkammer sah nach der Beweisaufnahme vorsätzliches Fahren ohne Fahrerlaubnis, fahrlässigen Vollrausch und unerlaubtes Führen einer Schusswaffe als erwiesen an und verurteilte den 51-Jährigen zu einem Jahr und zehn Monaten. Eine Aussetzung zur Bewährung komme für die Kammer nicht infrage, sagte Vorsitzender Richter Markus Kring in der Urteilsbegründung.

Der Vollrausch

Man dürfe die Handlungen, die ein Angeklagter im Vollrausch begeht, bei der Strafzumessung nicht anrechnen. Dies gelte aber nicht für die Folgen einer Rauschtat: Die Männer hatten Todesangst, so Kring. Bei den Schilderungen der Ereignisse in dem Parkhaus mussten sie vor Gericht immer noch gegen die Tränen ankämpfen. Was die rechtliche Würdigung betrifft, so war sie den Ausführungen von Verteidiger Harry Völker gefolgt, der eine Freiheitsstrafe für seinen Mandanten allerdings gerne zur Bewährung ausgesetzt gesehen hätte. Staatsanwalt Johannes Hauber war zusätzlich von versuchter Nötigung, Freiheitsberaubung und Bedrohung ausgegangen und hatte dafür eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten gefordert.

Der Angeklagte hatte am ersten Verhandlungstag eingeräumt, ohne Führerschein, betrunken und mit Schreckschusspistole im Fahrzeug unterwegs gewesen zu sein. Was den Vorfall im Parkhaus in der Nacht auf den 9. September betrifft, so hätte er Erinnerungslücken geltend gemacht. Er habe auf dem Volksfest bei Bekannten, die ein Fahrgeschäft betrieben, an der Kasse ausgeholfen. Er wisse nur noch, so der Angeklagte, dass man nach Arbeitsende in einem Festzelt zusammengesessen sei und ziemlich viel getrunken habe. Am nächsten Morgen sei er mit „Filmriss“ im Hotelzimmer aufgewacht.

„Glaubhaft und nachvollziehbar“

Was die Vorfälle im Parkhaus betraf, folgten die Verfahrensbeteiligten unisono den Schilderungen der Geschädigten. Diese waren laut Kring „absolut glaubhaft und nachvollziehbar“. Demnach habe zunächst einer von ihnen den Angeklagten am Parkautomaten etroffen. Von dessen Aggressivität eingeschüchtert, hatte der damals 19-Jährige angeboten, die Parkkosten zu übernehmen. Doch der Angeklagte holte aus seinem Pkw die Schreckschusspistole und bedrohte den Schüler. Der zweite Geschädigte kam dazu, erkannte die Waffe und bezahlte den Parkschein für den 51-Jährigen.

„Das strotzt nur so vor Sinnlosigkeit“

Damit aber noch nicht genug: Der Angeklagte zwang die beiden, sich in sein Fahrzeug zu setzen. Dort entschuldigte er sich, dass die Situation so blöd gelaufen sei, richtete zugleich aber die Waffe abwechselnd auf die Geschädigten. Zudem erzählte er, er sei von der Mafia. Schließlich drückte er den Hahn der Waffe nach unten und steckte sie einem der Männer in den Mund. Der Einschätzung des Sachverständigen folgend war die Kammer vom Vorliegen eines Vollrausches ausgegangen. Laut Anklage hatte der Aachener eine „maximal mögliche Blutalkoholkonzentration von 5,19 Promille“ zur Tatzeit. Kring wies darauf hin, dass der BAK-Wert nur ein Hilfsmittel ist. Aber es gebe weitere Indizien für einen Vollrausch: Der Angeklagte hatte zudem ein Medikament eingenommen. Laut Zeugen und Videoüberwachung habe es deutliche Ausfallserscheinungen gegeben. Vor allem aber sei es die Tat selbst, die für einen Vollrausch spreche: „Das strotzt nur so vor Sinnlosigkeit.“

Schranke durchbrochen

Comedyreif habe der Ausraster des Angeklagten im Parkhaus geendet. Der 51-Jährige wusste offensichtlich nicht mehr, dass er sich dank eines Geschädigten im Besitz eines Ausfahrtickets befand: Nachdem die jungen Männer die Flucht ergriffen und er sich wieder in sein Auto gehievt hatte, fuhr er beim Verlassen einfach die Schranke über den Haufen.  

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