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Restauratorin Theresia Waldburg frischt das Reliquienskelett der Märtyrerin Ascania auf. 1724 wurden sie und der Heilige Ascanius nach Neustift gebracht und feierlich in den beiden Seitenaltären der Klosterkirche beigesetzt: „Doch eine Wallfahrt nach Neustift, wie es sie früher gab, blieb aus“, weiß Günther Lehrmann.

Pfarreijubiläum St. Peter und Paul Neustift

Mit dem „Segen“ des Prinzregenten

125 Jahre bewegte Kirchengeschichte in Freising: Die Pfarrei St. Peter und Paul feiert im Juli dieses wichtige Jubiläum mit einem großen Programm und einem Festgottesdienst am Sonntag, 2. Juli. Neustift-Experte Günther Lehrmann blätterte für das FT in der Chronik der Pfarrei.

Die Pfarrkirche St. Peter und Paul, die auch außen saniert wurde, ist ein bayernweit bedeutendes Rokoko-Juwel.

Freising – Nach der Aufhebung des Klosters Neustift, die, wie bei den meisten bayerischen Klöstern, am 21. März 1803 erfolgte, wurde die bisherige Stiftskirche der Prämonstratenser eine Nebenkirche der Freisinger Stadtpfarrei St. Georg. Für die seelsorgliche Betreuung der Bewohner des kleinen Klosterdorfes Neustift (Hofmark) war aber schon immer der Pfarrer von St. Georg zuständig.

Da im Laufe des 19. Jahrhunderts die Bevölkerung in Neustift immer mehr zunahm, war es natürlich der Wunsch der Gemeinde Neustift, einen eigenen Seelsorger zu bekommen und die Ortschaft aus dem Verband der St. Georgs-Pfarrei zu lösen. Ein erster Schritt dazu war 1858 die Errichtung einer Kuratie. Dadurch erhielt das ehemalige Klosterdorf einen ausschließlich für die Gemeinde Neustift zuständigen Geistlichen und einen Ansprechpartner für alle Belange des Kirchengebäudes, das sich seit der Säkularisation im Besitz des bayerischen Staates befand.

Mit der Weihe des Altars (hinten) am 10. Juli 2016 wurde die Kirchensanierung abgeschlossen. Der Kraftakt für Kirchenpfleger Josef Geißdörfer (am Ambo), Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung war zu Ende.

1881 kauften die Neustifter für 1000 Mark die ehemalige Klosterkirche vom Staat, bauten 1891 ein eigenes Pfarrhaus und 1892 errichtete Erzbischof Antonius von Thoma die Pfarrei Neustift. Als erster Pfarrer wurde der Vöttinger Georg Heckner (1893 bis 1896) durch Prinzregent Luitpold eingesetzt.

Beim 50-jährigen Jubiläum der Pfarrei im Kriegsjahr 1942 war niemand zum Feiern zumute, noch dazu mussten vier Kirchenglocken abgeliefert werden. Das 75-jährige Jubiläum 1967 wurde durch die Primiz des Neustifters Ernst Reinwald und die Errichtung des Pfarrheims geprägt.

Die Jahre 1992 bis 2017 wurden durch zahlreiche Ereignisse geprägt, so durch den Besuch des damaligen Kardinaldekans Joseph Ratzinger zum 75. Geburtstag von Wieskurat Walter Brugger und seinen Festgottesdienst in der Neustifter Kirche.

Diese historische Aufnahme zeigt das Neustifter Klosterensemble samt Kirche im Jahre 1930. Rechts im Vordergrund: die Tuchfabrik Feller (heute Neubau Landratsamt).

Eine besondere Ehre für die alte Stiftskirche der Prämonstratenser stellte 2006 das Generalkapitel dieses Ordens dar, das unter Vorsitz von Generalabt Thomas Handgrätinger in Freising tagte und in Neustift seine Gottesdienste feierte. Zu diesem Anlass weihte der Generalabt den Norbert-Brunnen des niederbayerischen Bildhauers Dominik Dengl vor der Kirche.

Befreit von Schmutz und Ablagerungen wurde auch das Johann-Baptist-Zimmermann-Fresko im Kirchenschiff. Jetzt strahlen die Farben wieder – wie übrigens in der gesamten Kirche, die seit 2013 innenrenoviert wurde

Ein einschneidendes Ereignis war der Abschied von Pfarrer Karlheinz Doll zum 1. September 2006 von der Pfarrei Neustift, die er seit 1976 betreut hatte. In der Folgezeit leitete Diakon Karlheinz Seiler mit großem Engagement die Pfarrei bis 2012. 2008 kamen mit den Patres Mariasoosai Arulandu und Ignatius Kullu zwei junge Prämonstratenser aus der indischen Abtei Jamtara als Seelsorger nach St. Peter und Paul. Im Jahr 2012 übernahm Pater Soosai als Pfarradministrator die Leitung der Pfarrei und 2013 des Pfarrverbands Neustift, der 2014 offiziell begründet wurde. Pater Ignatius wechselte nach Zolling.

Einen Wechsel in der Kirchenverwaltung gab es 2013 als Josef Geißdörfer den langjährigen Kirchenpfleger Helmut Handgrödinger ablöste. Als klingende Erinnerung zum 125-jährigen Bestehen der Pfarrei baut der Orgelbauer Hubert Sandtner/Dillingen zur Zeit eine Chororgel, die im Altarraum ihren Platz finden wird (wir berichteten). Die Seelsorge im Jubiläumsjahr 2017 liegt in den Händen der Neustifter Prämonstratenser-Pater Mariasoosai Arulandu (Pfarradministrator) Arul Raj Sebasthivar (Kaplan) und des Klerikers Frater Deepak Dhurway, der in München Theologie studiert.

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