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Chiliflecken auf der Kleidung und die Mix-Palette für das plastikfreie Waschmittel Marke Eigenbau: Claudia Bauer hat die nächste Stufe ihres Plastikfastens gemeistert: Ihr wirkungsvolles Pulver wird im Langzeittest geprüft. Foto: CB

„PLASTIKFASTEN“ – EIN SELBSTVERSUCH (5)

Soda und Seife statt Pulver aus dem Packerl

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Als  Plastikfasterin Claudia Bauer die Waschmaschine anschmeißen wollte, stellte sie  fest, dass  ihr Waschmittel zur Neige geht. Und nun? Auf geht‘s in ihr hauseigenes „Waschpulver-Labor“. 

Freising – Wer im Herbst schlau war, der hat sich mit Kastanien eingedeckt. Die sollen sich nämlich hervorragend als Waschmittelersatz eignen, hat mir die Low-Waste-Expertin Manuela Gaßner verraten. Ich gehöre leider nicht zu den Glücklichen und stehe deshalb wieder vor einer neuen Herausforderung im Rahmen der „Challenge“: selbst gemischtes Waschpulver.

Nur vier Zutaten sind für das Basispulver(siehe Rezept) nötig. Die will ich möglichst ohne Verpackung kaufen. Ich packe also meine Gläschen zusammen und spaziere mit klirrender Tasche in eine alteingesessene Freisinger Drogerie. Wo man sonst vielleicht merkwürdige Blicke erntet, wenn man seine Gefäße auspackt, scheint es in diesem Geschäft eine Selbstverständlichkeit zu sein. „Wir verkaufen sehr vieles offen“, sagt die Inhaberin. Sie greift fix ein Gefäß nach dem anderen aus dem Regal, wiegt und füllt um während ich das breite Angebot an Pülverchen und Wässerchen in großen braunen Glasbehältern bestaune.

Ja, meint die Dame, es würden immer mehr Kunden nach offenen Zutaten fragen. Scheinbar würden die Menschen allmählich hinsichtlich Verpackungsmüll umdenken, schildert sie ihren Eindruck. Sie freut sich über diese Entwicklung, denn sie biete in ihrer Drogerie schon seit Jahren zum Beispiel eine Waschmittel-Tankstelle an. Einmal eine Flasche biologisch abbaubares Waschmittel gekauft, könne man zum Nachzapfen des Mittels kommen. Damit spare man nicht nur Müll, sondern auch Geld. „Es wird Zeit, dass alle Menschen endlich umdenken“, sagt sie und wird dabei ein wenig nachdenklich. Während wir so plaudern füllt sie mir Natron und Waschsoda in meine Gläser und wünscht mir Erfolg.

Zuhause eröffne ich wieder einmal meine kleine Chemieküche und mische mein Waschpulver. Kernseife reiben, Soda abwiegen, alles schön mixen. Es geht schnell und einfach – und riecht sehr sauber. Irgendwie stelle ich mir so den Geruch in einem Treppenhaus in den 1950er Jahren vor: unaufdringlich reinlich, aber auch ungewohnt. Wir sind wohl darauf getrimmt, dass „sauber“ auch gleichzeitig nach „Sommerwind“ und „Frühlingsfrische“ riechen muss. Ähnlich wie beim Shampoo.

Egal, ich will mich von Gewohnheiten verabschieden. Also Wäsche rein – inklusive ein bis zwei Esslöffel Waschpulver je nach Verschmutzungsgrad dazu. Ich nehme mal lieber zwei, doppelt hält ja bekanntlich besser.

Und dann geht es los: Selten war Wäschewaschen so ein Erlebnis. Kennen Sie das, wenn man vor dem Ofen sitzt und ungeduldig auf den Kuchen starrt, der gerade vor sich hinbackt? So ging es mir mit dieser Ladung Wäsche. Immer wieder hab ich durch die Scheibe gelinst, was mein Pulver so macht. Und dann piept meine Waschmaschine endlich. Fertig! Und das Ergebnis? Auf den ersten Blick bin ich begeistert. Das plastikfreie Waschpulver darf auf jeden Fall in den Langzeittest und die flüssige Varianten werde ich auch ausprobieren.

Waschpulverselbstgemacht:

O Zutaten: 100 Gramm Kernseife, 150 Gramm Soda (Waschsoda in Pulverform), 150 Gramm Natron (optional 100 Gramm Spülmaschinensalz, als zusätzlicher Wasserenthärter vor allem bei dem hartem Freisinger Wasser).

O Optional kann ätherisches Öl (etwa Zitrone oder Lavendel) beigemischt werden.

O Für weiße Wäsche: 100 bis 150 Gramm Zitronensäure.

O Und so wird’s gemacht: Alle Zutaten mischen und pro Waschgang ein bis zwei Esslöffel in die Maschine geben.
O Mehr Rezepte und Infos dazu: https://www.smarticular.net/oekologisches-waschpulver-aus-eigener-herstellung/

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