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Begeisterung pur: Die Christi-Himmelfahrtskirche war bis auf den letzten Platz gefüllt – und die Zuschauer waren hin und weg von den lustigen und nachdenklichen Auftritten der Poetry-Slammer.

Poetry Slam

Wortakrobaten in der Kirche

Poetry-Slammer aus ganz Deutschland kamen am Dienstag in die Christi-Himmelfahrtskirche in Freising.  Und: Sie haben wortwörtlich über Gott und die Welt gesprochen – nachdenklich, aber auch mit viel Witz und Kritik.

Freising „Wer’s glaubt, wird selig“: Das war das Motto beim Poetry Slam, der am Dienstagabend in der Christi-Himmelfahrtskirche stattfand. Anlässlich des Reformationsjubiläums luden die evangelische Hochschulgemeinde und die Stiftung Bildungszentrum der Erzdiözese acht junge Poetry-Slammer ein.

„Martin Luther war eigentlich der erste Poetry Slammer“

Am Anfang war das Wort: Auch Martin Luther habe „das Maul aufgemacht“, erinnerte Hochschulpfarrerin Anne Lüters. Ein wortgewandter Mensch sei er gewesen, der mit seinen Äußerungen die Massen erreicht habe. „Eigentlich der erste Poetry Slammer“, so Lüters. Was habe also näher gelegen, als die Veranstaltung in das Lutherjahr zu legen. An viele kluge Redewendungen, die der Reformator hinterlassen habe, erinnerte einer der beiden Moderatoren des Abends, Lars Ruppel: Noch vor Beginn der „Dichterschlacht“ holte er rhetorisch die „Kuh vom Eis“. An diesem Abend waren es aber die Poetry-Slammer, die sich Fragen stellten: Wo genau verortet sich Glaube oder auch Nichtglaube in der schnelllebigen Zeit von heute? Wie kritisch gilt es Glaube oder Religiosität gegenwärtig zu betrachten? Braucht es Glauben im traditionellen Sinne überhaupt noch?

Den größten Beifall bekam Siegerin Fee Brembeck.

Um die Gunst des Publikums rangen Lara Emmer aus Fürth, Marco Michalzik aus Darmstadt, Yannik Sellmann und Felicia Brembeck, alias „Fee“, beide aus München, Bo Wimmer aus Marburg, Tanasgol Sabbagh aus Berlin, Clara Nielsen aus Regensburg und Alex Burkhard aus München. Kritisch bis nachhaltig, humorvoll und augenzwinkernd: Die eigens für das Thema verfassten Texte waren eine vielschichtige Standortbestimmung für Glaubens-, aber durchaus auch Nichtglaubensfragen.

Es gab kritische, humorvolle und augenzwinkernde Beiträge

Wort- und pointenreich stellte Lara Emmer Fragen an „Mr. God“: Ein großes SlamTalent, die kleine zierliche Rothaarige, die ihre Zweifel an der Existenz eines Gottes imaginär an den Himmel richtete. „Wo bist Du“, fragte auch Marco Michalzik. „Wenn Worte nicht bewegen, an der Decke kleben, wie die Spinnweben“ oder „Wo bist du, Gott, wenn Du das Licht der Welt bist und es trotzdem dunkel ist auf der Erde?“ Yannik Sellmann stellte augenzwinkernd alle Weltreligionen infrage. „Am Anfang war eine Faust“, so seine These der Schöpfungsgeschichte. Und wer außer Wladimir Klitschko sei geeigneter, ein moderner Gott zu sein. Dieser gehe nämlich nicht nach Golgota, sondern in den Ring, breche nicht das Brot, sondern das Schlüsselbein. Und: Er habe aus der Milchschnitte die neue Hostie gemacht. 

Wladimir Klitschko habe aus der Milchschnitte die neue Hostie gemacht  

Mittels Beifall durfte das Publikum die Sieger ermitteln. „Ihr könnt klatschen, trampeln, jubeln, schreien, ausflippen.“ Die beiden Moderatoren Ko Bylanzky und Lars Ruppel schworen die Poetry-Slam-Fans darauf ein, möglichst lautstark ihre Meinung zu äußern. Und das machten sie in der Tat. Vor allem dann, als mit der letzten Interpretin der ersten Runde ein alter Hase der Poetry-Slam-Szene den Altarraum betrat: Felicia Brembeck, alias „Fee“. Die ehemalige U20-Meisterin im deutschsprachigem Raum hatte die evangelische Kirchengemeinde bereits beim Empfang zur Eröffnung des Lutherjahres im Freisinger Asamsaal begeistert. Mit ihrer unvergleichlichen Bühnenpräsenz setzte sie Luther ins „Pubertiergehege“ und beschrieb ihre Höhen und Tiefen als Studentin der Theologie im Reformationsjahr.

Fee war es dann auch, die sich als Vorrunden-Siegerin qualifizierte und zum Schluss noch einmal die Klingen mit Clara Nielsen kreuzen durfte, die sich in der zweiten Runde die Herzen der Zuhörer erobert hatte – und die erkoren schließlich Fee als Finalsiegerin: Das Kirchenschiff hatte wohl in der Vergangenheit keine solche Lautstärke ertragen müssen, wie in der Stichwahl um den besten Poetry-Slammer dieses Abends.

Fazit: Eine mehr als gelungene Veranstaltung, die nicht nur bestens organisiert war, sondern auch aufstrebenden jungen Künstlern eine weitere Chance gegeben hat, sich in der Szene zu etablieren.

Maria Martin

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