Im Gespräch mit Florian Herrmann (CSU)

„Die Tat erinnert mich an den Amoklauf von Freising“

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Freising - Eine für Samstag geplante sicherheitspolitische Fahrt zu Polizeistaffeln in München sagte er sofort ab. Florian Herrmann, innenpolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, wusste, dass die Polizeibeamten nach Freitagnacht für solche Termine keine Zeit haben. Das Tagblatt sprach mit dem Freisinger Landtagsabgeordneten über den Münchner Amoklauf – der Herrmann an die Freisinger Morde von 2002 erinnert.

Freisinger Tagblatt: Wie beurteilen Sie als innenpolitischer Sprecher der CSU-Fraktion im Landtag den Polizeieinsatz vom Freitag?

Florian Herrmann: Mir fallen gar keine Superlative ein, die die Arbeit der Polizeibeamten in diesem Fall annähernd beschreiben könnten. Ich bin sehr beeindruckt von der extremen Professionalität der bayerischen, besonders auch der Münchner Polizeibeamten. Es hat sich gezeigt, dass wir in Bayern hervorragend aufgestellt sind. Die Sicherheitskräfte sind jedem Hinweis sofort nachgegangen, die Abläufe und das System haben bestens funktioniert. Die Bevölkerung in Bayern kann sich darauf verlassen, dass die Polizei ihre Arbeit bestens und hervorragend macht. 

Sie haben die Hinweise angesprochen. Wie beurteilen Sie die Tatsache, dass per Twitter, Facebook und Internet weitere Tatorte gemeldet wurden, die sich dann aber als Fehlalarme erwiesen haben? 

Jeder, der davon hört, dass eine Person mit einer Pistole um sich schießt, hat sofort die Bilder aus Paris, Brüssel und Nizza im Kopf. Da kann es schon zu Panikreaktionen kommen. Wenn fünf rennen, rennen alle. Was aber gar nicht geht, ist, Fotos und Videos aus reinem Voyeurismus heraus zu posten oder Aufnahmen von Polizeikräften und deren Arbeit zu veröffentlichen, um damit vielleicht noch dem Gegner Tipps zu geben. In solchen Fällen gilt ganz besonders: Erst Hirn einschalten! 

Der Täter handelte wohl nicht aus religiösen Motiven, sondern ist ein Amoktäter. Was bedeutet das für die Einschätzung? 

Solche Dinge zu relativieren oder ins Verhältnis zu setzen, ist schwierig. Aber freilich: Die Tatsache, dass es die Tat eines Amokläufers und kein terroristischer Anschlag war, macht die politische Bewertung einfacher. 

Amoklauf statt Terrorakt. Sind Sie erleichtert? 

Ich bin froh, aber nur in Anführungszeichen – weil das ja den Opfern nicht hilft. Dass es ein Amoklauf war und kein Terroranschlag, ist wohl das einzig Positive an der Geschichte. Die Tat erinnert mich an Winnenden, aber auch an den Amoklauf an der Freisinger Wirtschaftsschule vor 14 Jahren. Es ist dieselbe Kategorie. 

Damals war der Polizeieinsatz um einige Nummern kleiner. 

Heute denkt man bei Vorfällen wie im OEZ an Terror, an Paris, an Nizza. Die Verunsicherung ist viel größer. Und daher ist auch ein Großeinsatz wie in der Dimension von Freitagnacht gerechtfertigt. Besser eine Nummer größer, als die Sache am Ende unterschätzt zu haben. 

Ministerpräsident Horst Seehofer möchte in solchen Fällen auch die Bundeswehr einsetzen dürfen. 

Ein Bundeswehreinsatz hängt von der Lage ab. Wenn es gleichzeitig an verschiedenen Stellen zu Terrorakten kommt, dann sollte es in solchen extremen Lagen möglich sein, die Bundeswehr hinzuziehen zu dürfen. Aber zuständig für die Bekämpfung von Terrorlagen – und dafür ausgebildet – ist die Polizei.

Dienstag, 19. Februar 2002 – ein Schreckenstag

Er war in militärischer Tarnkleidung unterwegs, an jenem Dienstag, 19. Februar 2002, der als Schreckenstag in die Geschichte des Landkreises Freising einging: Adam Labus (22) tötete drei Menschen (und sich selbst) und verletzte einen schwer. Es war ein blutiger Rachefeldzug – gegen seine Firma in Eching, die ihm gekündigt hatte, und gegen seine frühere Schule. Labus war zunächst am frühen Morgen mit einem Taxi zu der Firma gefahren, wo er mit einer Tokarew TT-33 und einer Gaspistole den 38-jährigen Betriebsleiter tötete und einen 40 Jahre alten Vorarbeiter anschoss, der kurz darauf seinen Verletzungen erlag. Danach fuhr er mit dem selben Taxi zur Freisinger Wirtschaftsschule, tötete den Schulleiter, verletzte einen Religionslehrer schwer und tötete schließlich sich selbst. Labus hatte sich zuvor in psychiatrischer Behandlung befunden. Der Verdacht eines rechtsradikalen Hintergrunds bestätigte sich nicht.

Unterstützung für München kam aus dem ganzen Landkreis.

Rubriklistenbild: © fkn

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