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Wie kommt eine Schnapsdrossel nach Hause?

Polizeihauptkommissar Thomas Jungmann: „Wir sorgen uns um die Leute“

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Wie kommen Alkoholsünder eigentlich nach Hause? Wir haben uns darüber mit Polizeihauptkommissar Thomas Jungmann unterhalten.

Freising – Ein unter Drogen stehender Autofahrer (24) benutzt Pylonen in einem Baustellenbereich der A 92 als Slalom-Parcours (wir berichteten); Ein anderer Verkehrsteilnehmer hat derart gezecht, dass er unmöglich hinter dem Steuer seines Wagens sitzen bleiben kann: Die Polizei zieht häufig Alkohol- und Drogensünder aus dem Verkehr. Im anschließenden Pressebericht heißt es dann oft: „Zur Unterbindung der Weiterfahrt stellten die Beamten den Pkw-Schlüssel sicher.“ Doch wie kommt der jeweilige Sünder dann eigentlich nach Hause? Wir haben Polizeihauptkommissar Thomas Jungmann (55) von der Freisinger Verkehrspolizeiinspektion um eine Antwort gebeten.

Herr Jungmann, wie ist denn der Slalomfahrer von der Autobahn nach Hause gekommen, nachdem Sie ihm den Schlüssel abgenommen hatten?

Jungmann: In diesem Fall weiß ich es ehrlich gesagt nicht. Grundsätzlich ist es aber folgendermaßen: Wohnt derjenige weiter weg, bringen wir ihn zum Zug oder zur S-Bahn, wenn er das denn möchte. Die Frage ist natürlich immer, in welchem Zustand sich die entsprechende Person befindet. Wenn es schlimm ist, können wir den Betroffenen natürlich unter keinen Umständen einfach in die Prärie entlassen. Da müssen wir schon unserer fürsorgerischen Pflicht nachkommen. Insbesondere im Winter kann das ja schnell gefährlich werden.

Wenn die Option öffentliche Verkehrsmittel aber wegfällt?

Jungmann: Es gibt viele Möglichkeiten. Er kann beispielsweise auch von einem Spezl, Verwandten oder der Ehefrau abgeholt werden.

Vor allem Letztere dürfte dann nicht gerade frohlocken...

Jungmann: (lacht) Nein, absolut nicht. Die Frauen sind meist überhaupt nicht begeistert. Uns geht es aber darum, dass die Betroffenen wohlbehalten nach Hause kommen. Wir sorgen uns um die Leute. Das wird leider nicht immer honoriert. Erst vor einiger Zeit wollten wir einen ziemlich betrunkenen Mann in Moosburg in seine Unterkunft transportieren. Der hat sich bedankt, indem er einen Polizisten niedergeschlagen hat.

Thomas Jungmann ist  Polizeihauptkommissar bei der VPI Freising

Welche Möglichkeiten gibt es darüber hinaus?

Jungmann: Die Heimfahrt mit dem Taxi zum Beispiel. Sofern der Fahrer den Betrunkenen mitnimmt. Sollte er kein Geld bei sich haben, muss er das dann mit dem Taxler auskarteln. Wenn gar nichts mehr geht, kümmern wir uns auch schon mal um ein Hotelzimmer.

Wie reagieren Sie in extremen Ausnahmefällen, wenn der Betroffene nicht mehr weiß, wo er wohnt?

Jungmann: Wir recherchieren dann und versuchen, die Adresse rauszukriegen. Wenn das misslingt, der Alkoholsünder aber friedlich ist, bekommt er eine Decke und darf sich bei uns im Vorraum hinlegen. Wenn demjenigen seine Adresse schließlich wieder einfällt, darf er gehen. Er ist ja nicht festgenommen. Die meisten sind jedenfalls ziemlich froh, wenn sie irgendwo ein Plätzchen zum Schlafen bekommen.

Sie haben es schon erwähnt. Was, wenn körperliche Gewalt ins Spiel kommt?

Jungmann: Dann wird der Betroffene in einer Haftzelle ausgenüchtert bis er wieder fit ist – und entlassen. Denn wenn uns einer angreift, ist Schluss mit lustig. Wenn jemand so betrunken ist, dass wir Angst vor gesundheitlichen Folgen haben müssen – zum Beispiel vor einem Atemstillstand – übergeben wir ihn in ärztliche Obhut.

Und was geschieht mit den Fahrzeugen, die Sie sicherstellen?

Jungmann: Die werden verkehrssicher verstaut. Das heißt, dass sie an einer für jedermann zugänglichen Stelle – beispielsweise einem Parkplatz – abgestellt werden, wo sie dann von einem Berechtigten abgeholt werden können. Das sind alles Dinge, die oft sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.

ah

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