Das Bild zeigt die Macherinnen Franziska Doll, Anja Baumgärtner und Luisa Pelzer in der Großküche an der Hochschule Weihenstephan.
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Die Macherinnen: Franziska Doll, Anja Baumgärtner und Luisa Pelzer (v. l.) in der Großküche an der Hochschule Weihenstephan. Ihre Sonnengläschen gibt es in zwei verschiedenen Sorten: Tomate-Basilikum und Knoblauch.

„Recycling“, das den Gaumen kitzelt

Drei junge Lebensmittel-Retterinnen gründen am Freisinger Campus das Start-Up „Sonnengläschen“

  • Leyla Yildiz
    VonLeyla Yildiz
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Anja Baumgärtner, Franziska Doll und Luisa Pelzer sind Powerfrauen. Sie haben das Start-Up „Sonnengläschen“ gegründet, mit dem sie Gemüse vor dem Müll retten.

Freising - Das Trio hat seine kleine Firma im Oktober vergangenen Jahres gegründet. Im Dezember haben sie die Produktion gestartet. Ihre Aufstriche stellen die drei Frauen in einer Großküche an der Hochschule Weihenstephan her. Dort studieren sie gemeinsam Lebensmitteltechnologie im achten Semester und stehen damit kurz vor dem Bachelor-Abschluss.

Die Idee

Während des Studiums entstand die Idee zu ihrem Start-Up. „Wir konnten ein Modul zur Gründung eines Food-Start-Ups belegen“, sagt Anja Baumgärtner. „Für uns war klar, dass wir etwas Nachhaltiges machen wollten.“ Als dann ein Knoblauch-Landwirt auf sie zukam, der einen Teil seiner Ernte nicht losbringt, weil die Knollen nicht schön genug für den Handel waren, stand das Konzept. „Weltweit werden ein Drittel aller angebauten Lebensmittel einfach weggeschmissen“, erklärt Franziska Doll. Das liege vor allem an der Wahrnehmung der Abnehmer– sprich vom Einzelhandel und letztendlich vom Kunden. Bevor das Gemüse und das Obst im Handel landen, sortiert dieser es aus. Wenn beispielsweise braune Stellen an der Schale des Knoblauchs zu finden sind oder eine Tomate nicht der üblichen Form entspricht enden sie im Ausschuss.

Dieses Gemüse landet dann in den Sonnengläschen der jungen Frauen, die momentan alles selbst produzieren. Für die Aufstriche benutzt man regionale Produkte, soweit es geht keinen zusätzlichen Zucker und keine Farbstoffe. Alles ist vegan.

Insgesamt haben die drei jungen Damen seit Dezember bereits 250 Kilogramm Tomaten und Knoblauch gerettet, die sie von zwei Landwirtschaftsbetrieben bekommen haben. „Es sind schon 450 Gläser pro Sorte entstanden“, sagt Luisa Pelzer.

Die Unterstützung

Im Verkauf über ihre Webseite verlangen die Gründerinnen drei Euro pro Glas. Im Einkauf ist freilich alles nicht so teuer. „Das Gemüse dafür kriegen wir auf jeden Fall günstiger“, sagt Doll. Unterstützung bei ihrem Start-Up bekommt das Trio nicht nur von den eigenen Familien, sondern auch von der Hochschule Weihenstephan. Sie hilft mit ihrem breit aufgestellten Netzwerk unter anderem in Sachen Rechtsfragen und Social Media. Außerdem dürfen die Gründerinnen die Großküche und die Geräte darin frei für ihre Produktion nutzen. Beispielsweise gibt es da jetzt eine Knoblauchschälmaschine, die die Hochschule extra für das Start-Up besorgt hat. Davor war Schälen mit der Hand angesagt. „Zehn Kilogramm Knoblauch schälen hat immer sehr lange gedauert“, sagt Baumgärtner und schmunzelte dabei.

Die Zukunft

Sobald die drei Freundinnen und Kommilitoninnen mit dem Studium fertig sind, wollen sie mit ihrer Firma weitermachen. Egal, wo es sie hin verschlägt, und egal, ob sie weiter in Freising bleiben oder in eine ihrer Heimatstädte wie Köln, Aschaffenburg oder Augsburg zurückkehren: Hauptsache, sie können damit so viel Gemüse wie möglich retten und damit einen Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung leisten – das ist ihr Credo.

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