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Rekordverdächtige Zahlen: Bürger Energie Genossenschaft weiter im Aufwind

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Von: Wolfgang Schnetz

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Das Bild zeigt das Mehrgenerationenhaus in Freising-Lerchenfeld
Auch auf dem Komplex des Mehrgenerationen-Wohnens an der Katharina-Mair-Straße in Lerchenfeld wird eine Bürgersolar-Anlage installiert. © Lehmann

Die Bürger Energie Genossenschaft (BEG) Freisinger Land zieht für 2021 eine Bilanz. Das Fazit der Verantwortlichen: „Wir haben viel erreicht.“

Landkreis – Positive Jahresbilanz für 2021 zog jetzt die Bürger Energie Genossenschaft Freisinger Land (BEG). Das meldeten die beiden Vorstandsmitglieder Andreas Henze und Werner Hillebrand-Hansen: Besondere Höhepunkte 2021 waren im vergangenen Jahr der Bau eines Ladenetzes für E-Autos im Landkreis, knapp 200 neue Mitglieder und der überdurchschnittliche Leistungsertrag des Windrads in Kammerberg.

Rekordzahl

Die rekordverdächtige Zahl von 186 neuen Mitglieder verzeichnete die BEG im abgelaufenen Jahr, melden Henze und Hillebrand-Hansen, „sodass die Mitgliederzahl zum Jahreswechsel auf 909 anstieg“. Die beiden Vorstände: „Neben vielen Bürgern und einigen Firmen sind auch die sechs Gemeinden Fahrenzhausen, Hohenkammer, Kirchdorf, Langenbach, Mauern und Zolling zu uns gestoßen. Damit sind jetzt schon 21 von 24 Gemeinden sowie der Landkreis Freising selber bei der Genossenschaft Mitglied.“ Diese sehr positive Entwicklung zeige, „dass die lokale Energiewende für viele Bürger und Kommunen immer wichtiger wird und sie dafür auch selbst Verantwortung übernehmen.“

Bürger-Ladenetz

Im abgelaufenen Jahr hat die BEG zudem begonnen, das Bürger-Ladenetz für E-Autos aufzubauen. Henze und Hillebrand-Hansen: „Im Mai wurde der Betrieb einer bestehenden Ladestation in Allershausen und von zwei Ladestationen in Paunzhausen von den beiden Gemeinden übernommen. Die Ladestationen werden sehr gut angenommen. In den ersten sieben Betriebsmonaten fanden bereits 737 Ladevorgänge statt. Mit den über 11 000 kWh Strom konnten rund 55 000 Kilometer zurückgelegt und 8,3 Tonnen CO2 eingespart werden. Aktuell sind acht Ladepunkte an den Standorten Langenbach, Fahrenzhausen, Allershausen und Volkmannsdorferau in Bau. Für 2022 sind 18 weitere Standorte mit 38 Ladepunkten geplant. Das Bürger-Ladenetz werde dann „den ganzen Landkreis Freising abdecken und beschleunigt damit maßgeblich die lokale Verkehrswende hin zur Elektromobilität.“ Das Bürger-Ladenetz wird mit Bürger-Strom mit Wind und Sonne aus dem Landkreis versorgt und „ermöglicht damit die Verbindung aus lokaler Erzeugung und lokalem Verbrauch“.

Man sieht einen BEG-Ladepunkte für E-Autos.
Ladepunkte für E-Autos bietet die BEG an. Derzeit sind es drei Stationen, weitere acht sind im Bau. © BEG

Solardachanlagen

Zudem wurden laut Jahresbericht der BEG-Aktiven „vier weitere Bürger-Solaranlagen mit insgesamt 965 Kilowatt-Peak (kWp) Leistung errichtet: Am Hühnerhof Hörgersdorf, an der Tennishalle Eching, am städtischen Mehrgenerationen-Wohnen in Freising-Lerchenfeld und am Mehrgenerationenhaus Kranzberg. „Alle Projekte werden heuer in Betrieb gehen“, erklären die beiden. Die Leistung der Bürger-Solardächer habe sich mit den vier neuen Anlagen aus dem Jahr 2021 „mehr als verdoppelt“. Die Investitionen für die Anlagen wurden durch Bürgerbeteiligungen in Form von Nachrangdarlehen ge-stemmt. Insgesamt haben sich 213 Mitglieder, mit 583 000 Euro an den Finanzierungen beteiligt. Die restlichen Finanzmittel wurden aus Eigenkapital der Genossenschaft aufgebracht. Mit den vier neuen Bürger-Solaranlagen betreibt die BEG insgesamt 3,2 Megawatt-Peak (MWp).

Bürger-Kraftwerk

Die BEG hat zudem das sogenannte „Bürger-Kraftwerk“ zur Information der Mitglieder, der Politik und der Öffentlichkeit zur Energiewende mit neuster Technologie programmieren lassen und stellt die Daten seit dem Frühjahr 2021 öffentlich zur Verfügung. „Damit unterstützt die BEG Entscheidungsträger und Akteure der Energiewende bei der weiteren zügigen und effizienten Umsetzung.“ Das Bürger-Kraftwerk mache „auf einfache Weise online deutlich“, dass sich Sonne und Wind im Jahres-, Wochen- und Tagesverlauf sehr gut ergänzen: „Die Sonne hat im Sommer einen großen Anteil an der Erzeugung, der Wind im Winter und in der Nacht. Günstig ist eine Verteilung der Anlagenleistung (in kW) von zwei Teilen Sonne und zu einem Teil Wind.“ Bei diesem Verhältnis erzeugen laut Experten „innerhalb eines Jahres Sonne und Wind ungefähr dieselbe Menge Strom (in kWh). Um Unterschiede beim Verbrauch und in der Erzeugung auszugleichen, ist die Lastverschiebung beim Laden von E-Autos, beim Heizen mit Wärmepumpen sowie in der Industrie derzeit die wirtschaftlichste Lösung. Zukünftig werden Speicher für den Tages- und Wochenausgleich eine zunehmend wichtige Rolle spielen“.

Bürger-Windrad

Auch 2021 erzielte das Bürger-Windrad in Kammerberg rund 6,5 Mio. kWh und damit immer noch 0,3 Mio. kWh oder fünf Prozent mehr als ursprünglich prognostiziert. Henze und Hillebrand-Hansen: „Das Bürger-Windrad zeigt, dass die Windkraft auch in Bayern und im Landkreis Freising insbesondere an guten Standorten eine wichtige Säule der Energiewende sein kann. Sie kann sehr viel Energie bei nur minimalem Platzbedarf erzeugen und ergänzt sich im Jahresverlauf ideal mit der Solarenergie. Die aktuelle Stromerzeugung des Bürger-Windrades ist jederzeit online unter www.beg-fs.de zu sehen.“

Wenig Sonne

Das Sonnenjahr 2021 war unterdurchschnittlich. Trotzdem steigerte sich die solare Jahresproduktion um 240 Prozent auf 2 661 000 kWh – vor allem durch den Bürger-Solarpark Paunzhausen. Durch die neuen Bürger-Solardächer, die dieses Jahr in Betrieb gehen, „wird sich die Jahreserzeugung auch 2022 merklich erhöhen“, so die beiden Vorstände. ft

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