Nach sechs Jahren am Klinikum ist Schluss in Freising: Geschäftsführer Andreas Holzner.

Zusammenarbeit nach sechs Jahren beendet

Riesenknall am Klinikum Freising: Aufsichtsrat trennt sich von Geschäftsführer Holzner

  • Helmut Hobmaier
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Andreas Holzner, Geschäftsführer des Klinikums Freising, habe für viele Mitarbeiter oft nur „Spott und Verachtung“ übrig gehabt, klagt die Belegschaft an. Jetzt ist Schluss damit:  Der Aufsichtsrat hat die Zusammenarbeit beendet.

Freising – Riesenknall zum Auftakt: Am Dienstag traf sich der neue Aufsichtsrat des Klinikums Freising zu seiner konstituierenden Sitzung – und beendete als Erstes die Zusammenarbeit mit dem Geschäftsführer Andreas Holzner (47).

Offiziell teilte das Landratsamt am Mittwoch dazu mit, der Aufsichtsrat habe eine „konzeptionelle Neuausrichtung des Klinikbetriebs in kommunaler Trägerschaft zur Sicherung einer qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung der Bürger im Landkreis Freising beschlossen“. Aufgrund „unterschiedlicher Auffassungen hierzu“ solle diese durch einen „personellen Neubeginn“ in der Geschäftsführung eingeleitet werden. Daher hätten sich Geschäftsführer Holzner und der

Aufsichtsrat „über eine Beendigung der Zusammenarbeit verständigt.“ Gleichzeitig habe der Aufsichtsrat den Landrat als Vorsitzenden beauftragt, eine Task Force zu bilden, „in der Ziele und Rahmenbedingungen für eine Weiterentwicklung des Klinikums Freising erarbeitet werden sollen“.

Chefärzte kritisieren den Umgang des Geschäftsführers mit der Belegschaft

Ein Grund für das Ende des Gastspiels Holzners in Freising dürfte aber auch der Führungsstil des Betriebswirts sein, der 2014 vom Klinikum Rechts der Isar nach Freising kam. Seit Jahren gibt es am Klinikum Kritik am Umgang Holzners mit den Beschäftigten. In einem von mehreren Chefärzten unterzeichneten Schreiben wurde bereits vor knapp fünf Jahren der unangemessene Führungsstil Holzners gerügt, auf die angespannte Personalsituation hingewiesen und dringend fällige Investitionen angemahnt. Landrat Josef Hauner, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender, erklärte damals, an ihn seien keine Beschwerden herangetragen worden. Auch wolle er das Klinikum nicht in den Schlagzeilen sehen. Die Chefärzte drängten auf eine einvernehmliche, klinikinterne Klärung – doch der Versuch der leitenden Angestellten, das Klima am Klinikum zu verbessern, einen Personalaufbau sowie Investitionen in die Abteilungen auf den Weg zu bringen, scheiterte. Betriebswirt Holzner konnte dank seines Sparkurses, der wohl auch im Sinne von Rechts der Isar und der Kreisfinanzen war, eine „schwarze Null“ präsentieren und saß fest im Sattel.

Hintergrund: Der Landkreis beauftragte 2004 das Klinikum Rechts der Isar mit der „Geschäftsbesorgung“. In dem entsprechenden Vertrag enthalten ist neben einer Vergütung auch eine Bonusregelung, wie das Landratsamt bestätigt. Und die richtet sich offenbar nach dem wirtschaftlichen Erfolg des Freisinger Klinikums.

Jetzt, unter einem neuen Landrat und einem runderneuerten Aufsichtsrat, unternahm die Chefarzt-Riege wohl geschlossen einen neuen Vorstoß. In einem von allen unterzeichneten Brief an Landrat Helmut Petz und Holzners direkte Vorgesetzte, die Kaufmännische Direktorin am Klinikum Rechts der Isar, Dr. Elke Frank, sollen die Chefärzte ihre Kritik erneuert haben.

Führungsstil des Geschäftsführers „unterirdisch“

Aus der Mitte der Belegschaft ist zu hören, der Führungsstil Holzners sei geradezu „unterirdisch“ gewesen. Für viele Mitarbeiter habe er oft nur „Spott und Verachtung“ übrig gehabt. Es gebe Kritik an Holzner „auf breiter Front“. Dem Geschäftsführer werde am Klinikum „keiner eine Träne nachweinen“. Gleichzeitig gehe nichts voran. Termine bei Holzner seien kaum zu bekommen, wird beklagt. Oft müsse man monatelang auf Rückmeldung und Entscheidungen warten.

Der Geschäftsführer war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Andreas Holzner hat Urlaub genommen.

Lesen Sie auch: Warum Freising kein Corona-Hotspot wurde. 

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