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Von seinen Erfahrungen und Erlebnissen aus 16 Jahren Prädikantentätigkeit erzählte Rolf Lübkert FT-Mitarbeiter Andreas Beschorner

Rolf Lübkert beendet Prädikantentätigkeit  

Den Menschen „immer was mitgegeben“

13 Jahre lang war er für andere da: Rolf Lübkert. Genauer: Prädikant Rolf Lübkert. Jetzt, so sagt der 75-Jährige, sei er „müde“. Im März geht er deshalb in den evangelischen Gemeinden, in denen er ehrenamtlich tätig war, auf „Abschiedstournee“.

Freising Er ist ausgebildeter Industriekaufmann, war lange Jahre Einkäufer bei Siemens, danach selbstständiger Unternehmensberater. Doch in Freising kennt man Rolf Lübkert nicht als Mann der Wirtschaft und des Business. In Freising kennt man den geborenen Hamburger, der 1985 in das schöne Bayern nach Freising kam, als Prädikant. Als er im Alter von 59 Jahren „zusammengeklappt“ war, wie er eine schwere Herzkrankheit selbst beschreibt, hat sich Lübkert für ein Ehrenamt entscheiden: Erst wurde er Lektor, dann hat er eine zweijährige Prädikantenausbildung absolviert und wurde dann von Dekan Jochen Hauer in den Dienst berufen. Seitdem ist Lübkert in der Altenheimseelsorge tätig, hält in Neufahrn und Oberallershausen Gottesdienste, war bei Vakanzen in Taufkirchen, Dorfen und Moosburg zur Stelle. Jetzt ist Lübkert 75 und gibt zu, müde zu sein. Und deshalb beendet er nun nach 13 Jahren seine Prädikantentätigkeit.

„Ich habe keine Gedanken mehr“, gibt Lübkert zu. Und das sei schlecht, denn Ziel all seiner Predigten sei es immer gewesen, den Leuten etwas mitzugeben. Nicht umsonst hat er teilweise bis zu zehn Stunden an der Konzeption und Formulierung einer Predigt gesessen. „Müde“ ist Lübkert aber auch deshalb, weil er nicht nur Prädikant war, sondern weil er als Mitglied des Kriseninterventionsteams und als Notfallseelsorger in den vergangenen Jahren viele schwere und belastende Dinge erlebt hat. Auch wenn man lerne, die Schicksalsschläge nicht zu nahe an sich heranzulassen, schwierig und zehrend sei diese Aufgabe schon, sagt er. Vor allem für einen wie Rolf Lübkert, der seine Motivation so beschreibt: „Bei mir steht der Mensch im Mittelpunkt. Ich will, dass es ihm gut geht.“

Freilich: Seine Tätigkeit als Prädikant hat ihm auch viele schöne und gute Erlebnisse gebracht: wenn die Gottesdienstbesucher seiner Predigt lauschten, wenn sie sich nach dem Gottesdienst bei ihm bedankten, oder auch wenn ihn die Bewohner des Altenheims in Zolling jetzt partout nicht gehen lassen wollen, so dass er auch weiterhin einmal pro Monat in Zolling sein wird.

Und dann ist da noch der 22. April 2007. An diesem Tag, und da verklärt sich Lübkerts Blick ein wenig, durfte er auf Einladung eines befreundeten Pfarrers vor 1300 Menschen in der Dresdner Frauenkirche Gottesdienst halten. „Das ist schon ein erhebendes Gefühl“, erinnert sich Lübkert an jenen Tag.

Dankbar ist er. Dankbar vor allem auch seiner Frau, mit der er seit 38 Jahren verheiratet ist und die das alles „mitgemacht und mitgetragen“ hat. Denn: Prädikant ist nicht das einzige Ehrenamt, in dem sich Lübkert eingebracht hat. Vor zwei Jahren hat er zusammen mit anderen den Backhaus Freising e.V. gegründet und im Vorstand der Freisinger Mitte.

Jetzt, wenn er am 19. März in Oberallershausen und am 26. März in Freising seine Abschiedsgottesdienste gefeiert hat, verlagert sich die Mitte seines Lebens in südlichere Gefilde. Den größeren Teil des Jahres wird er zusammen mit seiner Frau ab 2018 im schönen Spanien verbringen.

Hamburg, Freising, Spanien – nicht die schlechteste Abfolge von Wohnorten.

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