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S1-Sperrung im Sommer: Bahn entschädigt Pendler – MVV-Kunden gehen leer aus

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Von: Regina Mittermeier

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Nichts geht mehr im Sommer auf der Linie S 1. Für Bauarbeiten sperrt die Bahn die Strecke zwischen Feldmoching und Neufahrn. Der Konzern entschädigt einige Fahrgäste mit Gutschriften – MVV-Kunden aber gehen leer aus.

Freising – Wenn Walter Stefan aus Freising an die Sommerferien denkt, wird er wütend – und resigniert. Vom 28. Juli bis 10. September sperrt die Bahn aufgrund von Bauarbeiten die Gleise zwischen Feldmoching und Neufahrn. In dieser Zeit wird der 60-Jährige wohl über eine Stunde nach München brauchen. Aus Kulanz entschädigt der Konzern zwar die Pendler mit einer Gutschrift – aber bei weitem nicht alle. Wer wie Walter Stefan im MVV-Gebiet wohnt, muss nicht nur lange Fahrzeiten und Umwege in Kauf nehmen, sondern auch den vollen Ticketpreis bezahlen.

Laut Bahn haben MVV-Pendler keinen Anspruch auf Entschädigung

Zehn Prozent des Abopreises für einen Monat überweist die Bahn ihren Jahresabonnenten. Zumindest ein

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Walter Stefan aus Freising ärgert sich über die Ungleichbehandlung

kleiner Trost für die zahlreichen Pendler aus Regensburg, Passau oder Landshut. Walter Stefan, der in München bei einem Reiseveranstalter arbeitet, fährt von Freising zur Donnersberger Brücke. Laut Bahn hat er keinen Anspruch auf Entschädigung. „Das ist für mich völlig unverständlich“, sagt Stefan. Doch damit muss er sich wohl abfinden.

Einem Sprecher des Konzerns zufolge ist die Ungleichbehandlung die „einzig praktikable“ Lösung. Das liege am Tarifsystem des MVV. Die Preise hängen von der Strecke ab, die die Kunden zurücklegen. Für ein Monatsticket bezahlt Walter Stefan rund 175 Euro. Denn Freising liegt noch im MVV-Ring 12. Genauso könnte er mit seinem Fahrschein aber auch von Erding, Tutzing oder Altomünster nach München pendeln. Auch diese Bahnhöfe liegen im Ring 12.

Während der Sperrung der Linie S1 verkehren Schienenersatzbusse

Bekäme Walter Stefan für die Dauer der Großbaustelle entlang der Linie S1 eine Entschädigung, müsste die Bahn allen Fahrgästen, die in den zwölften Ring pendeln, eine Gutschrift überweisen, sagt der Bahn-Sprecher. „Wir wollen alle Kunden gleichbehandeln.“ Außerdem seien die Fahrgäste der Regionalzüge von der Sperrung weitaus stärker betroffen als MVV-Pendler. Letztere kämen mit den Schienenersatzverkehr-Bussen „in dichtem Takt“ relativ schnell in Richtung Flughafen und von dort weiter in die Stadt.

Walter Stefan hofft, dass der Schienenersatzverkehr funktionieren wird. Denn er kann sein Auto nicht an der Donnersberger Brücke parken. Am Freisinger Bahnhof möchte er den Bus Richtung Flughafen nehmen und an der Haltestelle Besucherpark in die S8 Richtung Herrsching umsteigen.

Soweit die Theorie. Doch aus der Oberpfalz und Niederbayern fahren täglich zahlreiche Pendler nach München. Ob genug Busse für die Massen bereitstehen? Walter Stefan ist skeptisch. Er könnte auch mit dem Fahrrad jeden Morgen 40 Minuten zum Besucherpark strampeln. „Gerade im Sommer ist das aber keine Dauerlösung.“

An der Linie S1 werden Bahnhöfe ausgebaut und Schienen ausgetauscht

Die Bauarbeiten zwischen Juli und September sind umfassend. Die Neufahrner Kurve wird ans Schienennetz angeschlossen, einige S-Bahnhöfe werden barrierefrei ausgebaut sowie Schienen und Weichen erneuert. Die Alternative zur Vollsperrung „wäre eine zweijährige Bauphase mit Ersatzfahrplänen und zahlreichen Zugausfällen gewesen, was in der Summe eine höhere Belastung bedeutet hätte“, heißt es von der Bahn.

Walter Stefan hat Verständnis für die Bauarbeiten, fordert aber ein Entgegenkommen der Bahn. Zumal er im Sommer nicht Urlaub nehmen kann. Da hat er beruflich viel um die Ohren.

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