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Von den designierten neuen SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans erwarten die Genossen im Kreis Freising einiges.

Eine Chance für die Partei? 

Unverbrauchte Hoffnungsträger: Das sagt die SPD Freising zum neuen Spitzenduo

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Die Sozialdemokraten im Kreis Freising haben hohe Erwartungen an das neue SPD-Spitzenduo. Auch für die Große Koalition wollen die Freisinger Genossen die Hand nicht mehr ins Feuer legen.

Freising – Erwartungsvoll blicken die führenden Sozialdemokraten im Landkreis auf die designierten neuen SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans. Für die Große Koalition wollen der SPD-Kreischef und seine beiden Spitzenkandidaten die Hand nicht mehr ins Feuer legen.

„Die Mitglieder wollten einen Ausbruch“

Für den Landratskandidaten Herbert Bengler kommt die Wahl von Esken und Walter-Borjans nicht überraschend. „Man hat an der Basis gespürt, dass die Mitglieder einen Ausbruch wollten. Die Sehnsucht nach unverbrauchten Gesichtern und neuen Ideen war stark.“ Mit dem gewählten Duo habe die SPD die Chance, Sozialpolitik wieder „greifbarer und erlebbarer“ zu machen, wie er es nennt. Zwar habe die SPD in der Großen Koalition durchaus einiges erreicht – etwa die Grundrente oder den Mindestlohn. „Unsere Führung hat es aber versäumt, unsere Erfolge den Menschen auch zu vermitteln.“

„Unbelastet von der Agenda 2010“

Andreas Mehltretterfährt am Wochenende alsDelegierter zum Parteitag.

SPD-Kreisvorsitzender Andreas Mehltretter sieht in der Wahl der beiden bundespolitischen Newcomer eine große Chance, klarzumachen, wofür die SPD stehe – in Abgrenzung zur Union. „Die beiden können glaubwürdig für eine sozialdemokratische Politik eintreten, weil sie unbelastet sind von der Agenda 2010, die uns immer noch zur Last gelegt wird.“

Peter Warlimont sieht in der Wahl von Esken und Walter-Borjans „eine Situation, die die Chance auf etwas Frisches“ birgt. „Dass zwei an der Spitze stehen, gab es noch nie“, betont der Freisinger OB-Kandidat. Dass es sich um zwei Vorsitzende handle, die vorher keine hohen Ämter innehatten, berge jedoch auch Gefahren. „Man fragt sich, ob sie in der oberen Ebene Fuß fassen können und Gewicht haben.“

Gewicht, um die GroKo zu Fall zu bringen? Bengler hält eine Fortsetzung nur für möglich, wenn sich die Union in wesentlichen Fragen bewegt. Stichwörter: Klimawandel, sozialer Wohnungsbau, Digitalisierung. „Der Koalitionsvertrag ist nicht mehr das Nonplusultra“, findet Bengler. „Die Welt hat sich in den vergangenen zwei Jahren stark verändert. Wenn der Partner darauf nicht mehr reagiert, dann muss man sich von ihm trennen.“

Bleiben oder aussteigen?

Bleiben oder aussteigen? Auf dem Parteitag am Wochenende soll darüber verhandelt werden. „Ich bin hin- und hergerissen“, sagt Warlimont. „Deutschland ist mit einer Kultur der Stabilität immer gut gefahren.“ Die SPD befinde sich indes in der Zwickmühle. „Schließt sie Kompromisse, wird ihr das sofort vorgehalten. Aber wenn man sich befreien will, heißt es, wir streiten und erfüllen den Auftrag nicht.“ Die Delegierten seien daher nicht zu beneiden.

Zu denen gehört auch Mehltretter. „Es macht keinen Sinn, Hals über Kopf auszusteigen“, meint er. Erhalten lasse sich die Regierung allerdings nur, wenn die Union zu Nachverhandlungen bereit sei. Auch er denkt dabei an die Umwelt. „Das beschlossene Klimapaket ist zwar keine Vollkatastrophe. Aber der Schritt ist nicht groß genug, um die Klimaziele einhalten zu können.“

Begriff „Linksruck“ ist unpassend

Den Begriff „Linksruck“, mit dem die Wahl der neuen Parteispitze oft bezeichnet wurde, halten die Freisinger SPD-Vertreter übrigens für unpassend. „Er klingt so, als würde man kurz vor dem Rückfall in die DDR stehen“, findet Warlimont. Mit dem Duo Esken/Walter-Borjans könne sich zwar ein etwas stärkeres linkes Profil entwickeln. Es sei jedoch „völlig normal“, dass sich eine Partei einmal etwas in die eine oder andere Richtung orientiere.

Auch Bengler hält von dieser Kategorisierung nichts. „Ist es links, wenn man Menschen, denen es nicht so gut geht, helfen möchte? Wenn man ältere Menschen oder Kinder, die unter der Armutsgrenze leben, unterstützen will? Ich dachte, das wäre in der Mitte der Gesellschaft verankert.“

Lesen Sie auch:Kreis-SPD nimmt Klinikum Freising und Wohnungsnot ins Visier

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