Vor Gericht

Schrott-VW war doch Diebesgut

Südlicher Landkreis – Einen vorgeblich herrenlosen VW Käfer haben sich ein 26-Jähriger und sein Spezl (27) in Eching (Kreis Freising) unter den Nagel gerissen. Die aus dem südlichen Landkreis Erding stammenden Männer sind der Justiz nicht unbekannt.

Wegen besonders schweren Diebstahls angeklagt, musste vor allem der 26-Jährige mit Freiheitsentzug rechnen. Die Erleichterung war groß im Sitzungssaal des Freisinger Amtsgerichts, als Richterin Tanja Weihönig die beiden zu Geldstrafen von je rund 10 000 Euro verurteilte.

Zu Gunsten der Angeklagten sprach, dass sie sich gestellt hatten. Nach Polizeiangaben wäre die Tat vermutlich niemals aufgeklärt worden, hätten sich die jungen Männer nicht selbst angezeigt. Ein Beamter sagte aus: „Wir hatten keine Spuren. Obwohl zahlreiche Passanten zugegen waren, als die Männer den VW verluden, meldeten sich keine Zeugen.“ Vor allem die Furcht vor einer Inhaftierung hatte die beiden bewogen, sich zu stellen. „Den ganzen Tag hatte ich Muffensausen. Ich wusste nicht mehr, wo oben und unten ist“, erzählte der 26-Jährige. Denn offensichtlich hatten die beiden den VW Käfer eher als stehen gelassenen Schrott angesehen.

Der Halter, ein 60-jähriger Unternehmer aus München, hatte den Wagen am Vorabend des Diebstahls wegen eines Plattens in Eching stehen gelassen. Die Polizei kennzeichnete das Auto in den folgenden Stunden mit einem roten Punkt als unrechtmäßig auf öffentlichem Grund abgestelltes Fahrzeug.

Der Oldtimer war in schlechtem Zustand. Die Angeklagten gaben vor Gericht an, eine TÜV-Plakette aus dem Jahr 1989 von einer ordentlichen Staubschicht befreit zu haben. Mit einem Transporter chauffierten die Spezln den VW heim in eine Halle, wo er knapp zwei Wochen stehen blieb.

Dann rief der 27-Jährige seinen jüngeren Mittäter an. „Wir stehen in der Zeitung“, schrie er aufgeregt. Der VW sei als gestohlen gemeldet. Die Polizei suchte über die Zeitung nach Zeugen. Dem Gericht gestand er ein, dass seine Freundin ihm die Hölle heiß gemacht hatte. „Sie hat ihm ordentlich den Kopf gewaschen“, bestätigte sein Anwalt. Tags drauf stellten sich die Freunde den Ermittlern.

Anscheinend hatten sie die in früheren Verfahren verhängte Bewährungsstrafe als echten Warnschuss akzeptiert. Der 26-jährige Bauhelfer ist sieben Mal vorbelastet und war schon als Heranwachsender wegen gefährlicher Körperverletzung, Drogen und Diebstahls aufgefallen. Zuletzt sprach ein Gericht eine 18-monatige Bewährungsstrafe gegen ihn aus. Neun Mal hatte er sich bei einem früheren Arbeitgeber Zutritt verschafft, um die Kasse zu plündern. Sein Spezl hatte ebenfalls vier Voreinträge im Bundeszentralregister. Unter anderem wegen schweren Bandendiebstahls wurde er 2007 zu einem Jahr und sechs Monaten Bewährung verurteilt.  

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