Die Experten der Campusplanung sitzen gemeinsam an einem großen Tisch.
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Aus dem Freisinger Rathaus meldeten sich die Verantwortlichen, die an dem Projekt Freisinger Schulcampus arbeiten, per Livestream. Über 60 Bürger hatten sich zugeschaltet.

Digitales Bürgerforum

Der neue Schulcampus in Freising: Das Kniffligste ist der Verkehr

Wie soll der geplante „Freisinger Schulcampus“ einmal aussehen? Bei einem digitalen Bürgerforum wurde das Projekt vorgestellt.

Freising - Wie soll der geplante „Freisinger Schulcampus“ einmal aussehen? Bei einem digitalen Bürgerforum wurde das Projekt vorgestellt. Die Fragen von den 60 Bürgern, die sich eingeloggt hatten, blieben allerdings überraschenderweise aus.

Der Wettbewerb

Der Architekten-Ideenwettbewerb für den Campus ging erst vor einigen Tagen zu Ende: Zehn Planungen für das größte aktuelle Bauvorhaben des Landkreises konnten eine Fachjury überzeugen. Von einer offenen Anreihung der Gebäude bis zu komplexeren Stammhäusern ist bei den Ideen alles vertreten, um die dort angesiedelten Schulen als eine Gesamt-Einheit, also zu einem wahrnehmbaren Campus mit Synergie-Effekten, umzugestalten. Die Nuancen der Architekten sind facettenreich: Ob nun ein grüner Boulevard an der Wippenhauser Straße oder ein von Bäumen aufgewerteter und weiträumiger Busbahnhof mit Aufenthaltsqualität. Der Ort soll nicht nur zum Lernen, sondern eben auch zum Verweilen einladen, was beispielsweise durch das Einbeziehen des Wippenhauser Grabens als Entspannungspfad am Wasser verwirklicht werden könnte. Doch auch Lösungsansätze des Verkehrsproblems waren bei dem Ideenwettbewerb verpflichtend vorgegeben gewesen – ob nun durch eine Verbreiterung der Straße oder durch Umleitungen des Individualverkehrs. Gerade weil das Vorhaben so ein umfangreiches ist, beurteile Jury-Mitglied und Architekt Peter Scheller die Kooperation von Stadt und Kreis als ein „intelligentes Verfahren“.

Der Verkehr

Die Frage nach einer Verkehrs-Reduktion bleibt allerdings weiterhin kniffelig: Eine Idee der Architekten, einen Radweg am Wippenhauser Graben zu bauen, könnte an den dortigen teilweisen Überbauungen beispielsweise schnell scheitern. Das Verkehrs-Thema der Wippenhauser Straße sei zwar nicht neu, wie Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher betonte, aber zugleich für die Schulplanungen wohl das Elementarste. Die Verkehrsberuhigung im Bereich Campus sei laut Eschenbacher ein Hauptaugenmerk aller vorgestellten Pläne – wie man das allerdings erreichen könne, sei noch in der Schwebe.

Die Varianten

Komplett die Straße auflösen für den Verkehr, so der OB, wäre allerdings keinesfalls möglich – denn die Busse müssen ja auf jeden Fall fahren können. Vorteilhaft, so Eschenbacher, sei allerdings, dass durch die Westtangente schon einiges abgefangen werden würde. Ob es Umgehungen für den Individualverkehr oder neue zusätzliche Fahrradwege an anderen Straßen, beispielsweise am Goldberg, zur Entlastung geben wird, steht jedoch noch in den Sternen. Diesbezüglich musste auch die Stadtbaumeisterin Barbara Schelle eingestehen: „Die Verkehrsplanung macht uns am meisten Kopfzerbrechen!“ So war es auch nicht verwunderlich, dass sich die wenigen Fragen der über 60 zugeschalteten Bürger ausschließlich um die beengte Wippenhauser Straße drehten, wie etwa „Wurde die Anfahrbarkeit der Schulen vom Westen her in Betracht gezogen“ oder „Wie wirkt sich ein verkehrsberuhigter Teil auf die Verlagerung aus?“

Der neue Campus soll auch noch in Jahrzehnten überzeugen, wünscht sich Landrat Helmut Petz.

Weitere Schritte

Die zehn Gewinner nehmen jetzt am Realisierungs-Wettbewerb teil, der bis zum Sommer beendet sein wird. Vom Ideenteil, und das betonte auch Josef Mittertrainer, zuständig für die Wettbewerbsbetreuung, könne natürlich nicht alles so umgesetzt werden wie geplant. Seine Meinung: „Wir brauchen jetzt Offenheit und Robustheit!“ So trage beispielsweise das Bachbett vom Wippenhauser Graben laut Schelle oftmals gar kein Wasser – also sollte man nach ihrer Ansicht nach dieses Vorhaben auch nicht „zu romantisieren“. Davon unabhängig sei das Bauvorhaben überaus wichtiger Stadtbaustein, betonte Landrat Helmut Petz in der Live-Schalte aus dem Freisinger Rathaus – neben den hohen städtebaulichen Anforderungen sollen natürlich auch die schulischen Wünsche berücksichtigt werden. Auch Eschenbacher zeigte sich überaus begeistert: Das Spiel zwischen Wohnbebauung und Schulcampus sei seiner Meinung nach ein ziemlich spannendes. Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis als Schulaufwandsträger beurteilte Eschenbacher als sehr wichtig, um einen zukunftsfähigen Campus auf die Beine zu stellen. Und dieser, so der Wunsch des Landrats, soll auch noch nach Jahrzehnten überzeugen können.

Richard Lorenz

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