Ein Angeklagter vor Gericht
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Zwei Brüder müssen sich derzeit vor dem Landgericht Landshut wegen versuchtem Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, schwerem Raub und Wohnungseinbruchsdiebstahl verantworten. Der Ältere gibt vor, mit der Tat nichts zu tun zu haben.

Versuchter Mord im westlichen Landkreis - 18-Jähriger gesteht Einbruch

Schuldlos auf der Anklagebank? 18-Jähriger entlastet Bruder (22)

Sitzt da ein Unschuldiger auf der Anklagebank? Zu der Frage führen unglückliche Umstände und Ermittlungsversäumnisse. Noch allerdings muss sich der 22-Jährige gemeinsam mit seinem Bruder (18) wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht in Landshut verantworten.

Landkreis - Folgt man den Worten des 18-jährigen Rumänen, so handelte es sich bei dem Komplizen eben nicht um seinen mitangeklagten Bruder (22). Weil er knapp bei Kasse war, sei er im Februar 2020 mit einem Bekannten in das Haus seines Chefs im westlichen Landkreis eingebrochen. Der Rumäne dachte, es sei leer. Tatsächlich war der Bekannte, der sich nun in Rumänien befindet, für kurze Zeit auch im Fokus der Ermittlungen gestanden.

Mehrfach mit Taschenlampe auf das Opfer eingeschlagen

Wie berichtet, legt die Staatsanwaltschaft den beiden Brüdern versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, schwerem Raub und Wohnungseinbruchsdiebstahl zur Last. Laut Anklage waren die Rumänen in das Haus eingedrungen, um die Räume nach Geld und Wertgegenständen zu durchsuchen. Der Geschädigte schlief zunächst arglos in seinem Bett. Der 18-Jährige habe gerade im Schlafzimmer 700 Euro aus der Geldbörse entnommen gehabt, als sein Chef aufgeschreckt sei, hieß es in einer Verteidigererklärung. Er habe gesehen, wie sein Bekannter dann ein Mal mit der Taschenlampe zugeschlagen habe – angeblich habe sein Chef versucht, nach einem Elektroschocker zu greifen. Der Geschädigte erlitt ein offenes Schädelhirntrauma sowie einen Schädelbruch.

Der Mandant bereue die Tat, hieß es weiter. Das Duo habe nie die Absicht gehabt, den Mann zu töten. In Panik habe es die Beute gepackt und die Flucht ergriffen. Der Einlassung des 18-Jährigen zufolge hatten sein Bekannter und er sich das Auto seines Bruders ausgeliehen. Dabei hatte der 22-Jährige sein Handy auf der Mittelkonsole seines Fahrzeugs vergessen: Laut Funkzellenauswertung hatte er sich somit am Tatort befunden. Belastende Spuren an der Jacke seines Bruders erklärte der 18-Jährige damit, dass er sich den Parker an dem Abend ausgeliehen habe. Und dass sein Bruder in der gleichen Nacht mit ihm und seinem Bekannten nach Rumänien gefahren sei, war dem 18-Jährigen zufolge Zufall: Sein Bruder habe die Reise geplant gehabt; „wir haben sie zur Flucht genutzt“.

Am 14. April sollen dem Geschädigten endlich Täterbilder vorgelegt werden

Am schwersten belastet worden war der 22-Jährige – der vor Gericht vehement seine Unschuld beteuerte – im Ermittlungsverfahren allerdings von dem Geschädigten selbst. Er habe neben seinem Angestellten dessen Bruder erkannt, hatte dieser bei der Kripo ausgesagt. Es sei dunkel in dem Schlafzimmer gewesen und der Geschädigte habe den 22-Jährigen zuvor nur ein Mal kurz gesehen, monierte die Verteidigung. Zudem sei der Bekannte optisch vom gleichen Typ wie der Angeklagte. Unverständlich erschien den Verfahrensbeteiligten, dass die Ermittler dem Geschädigten zur Identifizierung keine Täterbilder vorlegten. Dies soll nun am 14. April geschehen.

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