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Christl Sittenauer hat‘s geschafft: Vom Freisinger Camerett zum Münchner Kabarett

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Von: Andreas Beschorner

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Das Bild zeigt Christl Sittenauer
Künstlerisches Multitalent: Christl Sittenauer machte ihren Weg vom Camerett über das Impro-Theater und die Uni bis hin zur Lach- und Schießgesellschaft. © PHILIP HERZHOFF

Christl Sittenauer: Ihr Weg führte von Reichertshausen nach München - und vom Camerett zum Profi-Kabarett. Vor ihrem Auftritt im Lindenkeller blickt sie zurück.

Freising/München – In ihrem Geburtsort Reichertshausen in der Marktgemeinde Au hat sie als junges Madl auf der Bühne im Wirtshaus gestanden. „Bauernstückl“ waren das, erinnert sich Christine Sittenauer.Und jetzt? 2010 hat Sittenauer, Jahrgang 1982, das Improvisationstheater „Bühnenpolka“ gegründet, seit 2013 ist sie Mitglied beim Improvisationstheater „Fastfood“, seit 2020 gehört sie dem Ensemble der Münchner Lach- und Schießgesellschaft an. Und „Christl“, wie sie gerufen wird, hat noch ganz andere Sachen für die Bühne vor.

Die Anfänge am Camerloher

Sie besuchte, wie könnte es anders sein, das Camerloher-Gymnasium. Und sie war, wen wundert’s im Rückblick, Mitglied im Camerett. Zu dieser Zeit hat sich auch ihre Leidenschaft für das Improvisationstheater entwickelt. Und weil diese Leidenschaft sie bisher nie mehr losgelassen hat und das Feuer der Spontaneität weiter in ihr lodert, hat sie 2019 den Preis als „Beste Impro-Spielerin Deutschlands“ bekommen.

Nun ist das mit Improvisation und Theater ja so eine Sache, weil man oft finanziell nicht immer auf festen Füßen steht. Gerade das Improvisationstheater, so erzählt Sittenauer, sei in und von der Corona-Pandemie besonders hart getroffen worden. Immerhin habe sie mit ihren Ensembles beispielsweise online auf Weihnachtsfeiern von Firmen auftreten können – eine ganz besondere Erfahrung.

Das zweite Standbein als Dozentin

Doch Sittenauer hat noch ein anderes Standbein – das, was man gerne einen „gscheidn Beruf“ nennt: Nachdem sie nach dem Abi an keiner Kunsthochschule angenommen wurde, hat sie erst Architektur an der TU München, danach Mathematik, Kunst und Pädagogik an der LMU, danach wieder Architektur bis zum Bachelor studiert. Eigentlich wollte sie Lehrerin werden, ließ sich dann aber von ihrem Professor überzeugen, als Dozentin an der TU zu bleiben.

Sittenauer ist froh über diese Entscheidung: Erstens verschafft ihr diese halbe Stelle Sicherheit, zweitens „kann ich aus meiner Arbeit wahnsinnig viel Rohmaterial herausziehen“, wenn es um Figuren und Charaktere geht. Die Uni als eigener Kosmos mit viel Potenzial für Kabarett.

Die Facetten einer Künstlerin

Sittenauer ist neugierig, ihr künstlerisches Können facettenreich. Moderatorin ist sie, steht auch mal als Lockvogel bei „Verstehen Sie Spaß?“ vor der Kamera. Und dann kam eben der Aufruf über Facebook, dass man Mitglieder für das neue Ensemble der Münchner Lach- und Schießgesellschaft suche. „Ich hab einfach mal alles hingeschickt“, erzählt Sittenauer. Und: „Ich wurde zum Casting eingeladen.“ Als dann – mitten im ersten Lockdown – der Anruf kam, dass sie dabei ist, war ihre Reaktion: „Mega!“ Und weil sie sich zusammen mit ihren beiden Kollegen Sebastian Fritz und Franz Klötgen gleich daran machte, das neue Programm zu schreiben, weil es galt, Podcasts zu hören, zu lesen, überhaupt das ganze Konzept zu erarbeiten, habe sie das gut über die Monate des Lockdowns hinweggebracht und „beflügelt“.

Das Programm im Lindenkeller

Seit rund zwei Monaten ist das Trio mit seinem Programm unterwegs: „Bus- statt Bussi-Gesellschaft“ heißt es. Am 6. Oktober, ab 20 Uhr, wird das Ensemble im Freisinger Lindenkeller gastieren – Heimspiel für Christl Sittenauer, auch wenn sie schon seit über 20 Jahren in München wohnt. Recherche betreiben, das Programm schreiben – das sei schon schwierig und ganz anders als die Impro-Schiene gewesen, erzählt Sittenauer. Es müsse eben alles sitzen, man könne kaum auf die Umgebung reagieren.

Das Bild zeigt das Ensemble der Lach- und Schießgesellschaft
„Aufgestaut“ heißt das neue Programm der Lach- und Schießgesellschaft, das am Mittwoch, 6. Oktober, 20 Uhr, im Lindenkeller zu sehen ist. Mit dabei sind zusammen mit Christl Sittenauer Sebastian Fritz (l.) und Frank Klötgen. © Philipp Herzhoff

Wenn sie Improvisationstheater macht, dann liebt sie „diesen Lost-Moment“, sagt sie. Also dann, wenn einem mal gerade nichts zu einem vorgegebenen Thema einfällt. Denn freilich hätten sie und ihre Mitstreiter auf der Bühne Meinungen, würden die auch offensiv vertreten, aber in manchen Themen sei man halt einfach nicht so drin. Wenn es aber gelinge, einen lokalen und regionalen Bezug herzustellen, „dann freut das die Leute total“.

Weil Sittenauer eine Künstlerin mit Glanz in den Augen ist, wenn sie über ihren Beruf auf der Bühne redet, hat sie mit Improvisationstheater und Lach- und Schießgesellschaft noch nicht genug. Sie plant, so verrät sie, ein Solo-Kabarett-Programm, schreibt gerade daran. Mit dabei ein Musiker: Lukas Maier, auch aus dem Landkreis Freising, Mitglied bei „Bühnenpolka“ & Co.

Sittenauers Antwort auf die Frage, wer ihr Lieblingskabarettist oder ihre Lieblingskabarettistin ist, mag vielleicht überraschen: Carolin Kebekus. Wieso eine Frau, die eher als Komikerin bekannt und unterwegs ist? „Weil sie es geschafft hat, mit wichtigen und relevanten Themen die Masse zu erreichen.“

Da gibt’s noch ein Geheimnis

Und dann verrät Sittenauer noch ein Geheimnis: Manchmal schaut sie gerne „Trash-TV“ à la „Sommerhaus der Stars“ oder „Kampf der Realitystars“. Sicherlich nicht die schlechteste Wahl für eine Kabarettistin. Wer noch ein bisschen etwas über Sittenauer erfahren will, kann auf Wikipedia nachlesen. „Wenn du in Wikipedia bist, hast du es geschafft“, habe mal jemand zu ihr gesagt, erinnert sich Sittenauer. Na dann: Die Christl hat’s geschafft.

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