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Situation in Freising immer dramatischer

Zehn Wohnungen vergeben, 500 warten

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Alle Jahre wieder gibt es kurz vor Weihnachten im Stadtrat eine unschöne Bescherung: Robert Zellner legt den Wohnungsvergabebericht vor. Der wird von Jahr zu Jahr unschöner. Und dann sorgt auch noch die FMG für Ärger bei den Räten.

Freising – Rund 500 „Anspruchsberechtigte“ gebe es, also Menschen, die ein Anrecht auf eine öffentlich geförderte Wohnung hätten, berichtete Referatsleiter Robert Zellner am Dienstag im Finanzausschuss. Und wie viele solcher Wohnungen konnten in der vergangenen zwölf Monaten vergeben werden? Zehn. Nur zehn. Das, so Zellner, sei eine „historisch niedrige Zahl“. Man könne sich vorstellen, was im Sozialamt der Stadt los sei, welche Szenen sich angesichts solcher Aussichten für die Bewerber bei den Beratungen abspielen. „Eine weiterhin erhöhte Aggression der Wohnungssuchenden ist bei der Vorsprache feststellbar“, hat es Zellner schriftlich formuliert.

Und dann, so Zellner weiter, komme noch eine andere bedenkliche Entwicklung hinzu: Die Zahl der Zwangsräumungen im Stadtgebiet steige stetig, die Personen und Familien müssten dann in den städtischen Notunterkünften untergebracht werden. Auch wenn man für Einzelfälle meist „einen Plan B“ habe, so Zellner, sei man auch da an der Grenze der Kapazitäten angelangt.

„Wir kriegen ja jedes Jahr so einen trostlosen Bericht“, fasste Guido Hoyer (Linke) die Darlegungen Zellners zusammen. Mit allen anderen Stadtratskollegen war sich Hoyer einig, dass die Stadt Freising trotz aller Bemühungen nicht im Stande sei, die Probleme auf dem Wohnungsmarkt zu lösen. Da seien schon Bund und Freistaat gefragt. Für Eva Bönig (Grüne) waren all die Anstrengungen der Stadt ebenfalls nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“. Umso wichtiger sei es nach Ansicht von Heidi Kammler (SPD), den Neubau der Wohnungen an der Katharina-Mair-Straße „mit Hochdruck“ voranzutreiben und „zeitnah“ zu realisieren. Weil auch Rudolf Schwaiger (CSU) der Meinung war, dass die Stadt die Probleme in der Region durch Wohnungsbau nicht beheben könne, müsse man an andere Lösungen denken: Container-Wohnungen beispielsweise, indem man ehemalige und frei gewordene Flüchtlingsunterkünfte nützen könne. Karl-Sebastian Habermeyer (Grüne) warnte davor, allmählich „abzustumpfen“. Er sehe vor allem auch Handlungsbedarf bei den städtischen Notunterkünften, die wohl demnächst nicht mehr ausreichen werden. „Da werden wir nachbessern müssen.“

Einen anderen Aspekt brachte Hans Hölzl (FSM) in die Diskussion ein: Er sei extra nochmals durch Attaching geradelt und habe dabei festgestellt, dass 14 oder 15 Wohnungen beziehungsweise Häuser teilweise schon seit drei Jahren leer stünden, die allesamt der Flughafen München Gesellschaft gehörten. Dass gleichzeitig eine nicht unbeträchtliche Zahl derer, die öffentlich geförderten Wohnraum suchen, am Flughafen arbeite, sei unverständlich. „Die können sich alles erlauben.“ Noch deutlicher wurde Habermeyer: Solche Leerstände in Attaching seien „ein Schlag ins Gesicht“. Das sei „eine Unverschämtheit“, das dürfe man sich nicht bieten lassen. Große Firmen hätten auch eine soziale Verantwortung für ihre Mitarbeiter. OB Tobias Eschenbacher versprach, eine Stellungnahme dazu einzuholen.

Das Tagblatt hat gestern bereits bei der FMG nachgefragt. Robert Wilhelm von der Pressestelle bestätigte, dass es einige leerstehende Wohnungen gebe, die im Besitz der FMG sind. Allerdings befänden sich diese in einem „momentan nicht bewohnbaren Zustand“. Man sei gerade dabei, zu überprüfen, „welche von den Wohnungen mit einem vernünftigen Aufwand zu renovieren sind“ und werde dies dann auch tun. Denn es liege der FMG fern, möglichen Wohnraum „angesichts der angesprochenen Wohnungsnot leerstehen zu lassen“.

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