1. Startseite
  2. Lokales
  3. Freising
  4. Freising

„Situation spitzt sich von Jahr zu Jahr zu“: ARGE will mehr sozialen Wohnraum in Freising

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Magdalena Höcherl

Kommentare

null
Sehen sich als „soziales Gewissen“: (v. l.) Heidi Kammler (AWO), Michael Schwaiger (Lebenshilfe), BRK-Chef Albert Söhl und Hans-Roland Weiß (Diakonie Freising). © Lehmann

Die Wohnungsnot im Kreis Freising treibt die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Wohlfahrtsverbände um. „Wir werden nicht müde, Kommunen anzusprechen und den Finger in die Wunde zu legen.“

Landkreis – Die Wohnungsnot im Kreis Freising treibt die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Wohlfahrtsverbände um. „Egal, welches Thema wir diskutieren, am Ende landen wir immer beim Wohnraum“, sagte Michael Schwaiger, Vorsitzender der Lebenshilfe, beim ARGE-Pressegespräch am Montag. Doch neben dem sozialen Wohnungsbau gibt es noch weitere Themen, die die Vertreter von AWO, Caritas, Diakonie, Lebenshilfe und dem BRK heuer vorantreiben wollen.

„Wir werden nicht müde, Kommunen anzusprechen und den Finger in die Wunde zu legen“, betonte Schwaiger. Eine bezahlbare Wohnung zu finden, sei in Freising und den größeren Kommunen ein „Riesenproblem“, ergänzte AWO-Vorsitzende Heidi Kammler. „Die Situation spitzt sich von Jahr zu Jahr zu.“ Viele Frauen und Männer würden noch im Rentenalter arbeiten, um sich einen Zuverdienst zu sichern. Berufstätige hätten zum Teil zwei oder drei Jobs, um ihre Miete bezahlen zu können. „Eine Zwei-Zimmer-Wohnung für 800 oder 900 Euro? Da stimmt das ganze System nicht mehr“, sagte Kammler, die für 2019 den Vorsitz der ARGE übernimmt. Doch nicht nur die ältere Generation, sondern auch zunehmend mehr Alleinerziehende und junge Menschen seien von Obdachlosigkeit bedroht. Dass sich alle Kommunen dieses Themas annehmen müssen, „darauf weisen wir immer wieder hin“, sagte Kammler, die die ARGE als „soziales Gewissen“ sieht.

Immer mehr Frauen von häuslicher Gewalt betroffen

Hans-Roland Weiß, Vorstand der Diakonie Freising, treibt ein weiteres Problem um: Beratungsangebote der Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt würden immer häufiger nachgefragt. Das Frauenhaus im Kreis sei fast permanent völlig ausgelastet. „Das ist ein bundesweites Problem.“ Betroffen seien immer mehr Frauen aus allen Gesellschaftsschichten – am meisten würden oft deren Kinder leiden. „Hier einzuschreiten und Hilfe zu leisten, wird in naher Zukunft ein großes Thema“, sagte Weiß. Ziel sei es, den Frauen und Kindern so schnell wie möglich wieder ein geregeltes Leben zu ermöglichen. Ein Aufenthalt im Frauenhaus sei nur eine Übergangsphase. Doch im Anschluss eine bezahlbare Wohnung zu finden, sei enorm schwierig.

Auch in Sachen Fachkräftemangel sei die Wohnungsnot problematisch, berichtete Schwaiger. „Gerade im sozialen Bereich herrscht hier ein riesiges Delta, die Arbeit ist kaum mehr zu bewerkstelligen.“ Personal von außerhalb zu finden, sei jedoch ebenso schwierig, weil Wohnungen fehlten. „In diesem Jahr liegt viel Arbeit vor uns“, unterstrich Kammler.

Lesen Sie auch: Mietspiegel wird angemahnt: Freisinger Wohnungsmarkt bleibt ein „Trauerspiel“

Trotz allem kann die ARGE, die seit 13 Jahren besteht, auf Erfolge zurückblicken: Für das Gebrauchtwarenkaufhaus Rentabel sowie das Buchcafé Etappe, die die Caritas zusammen mit dem BRK betreiben, ist das Finanzierungskonzept nun laut BRK-Kreisgeschäftsführer Albert Söhl für fünf Jahre gesichert. Früher habe man den Kreis jährlich um den dringend benötigten Zuschuss bitten müssen. „Das ist nun Gott sei Dank vorbei.“ Söhl und seine Kollegen freuten sich, dass das Landratsamt die Notwendigkeit des Angebots für Arbeitslose erkannt habe und das Projekt längerfristig unterstütze. „Es ist ein großes Anliegen der ARGE, diese Beschäftigungsprojekte unbedingt weiterzuführen.“

Vorsitzende Heidi Kammler wünscht sich eine größere Wertschätzung für die Arbeitsgemeinschaft. Sie betonte: „Wir sind keine Bittsteller. Wir leisten einen Beitrag für die Gesellschaft.“

Auch interessant: Fünfmal so teuer wie zuvor: Ärger um Dauerkarten in neuem Freisinger Bad „fresch“

Lesen Sie auch: Blinder Passagier: Junges Paar rettet Kätzchen von fahrendem Lkw - jetzt sucht „Polly“ ihre Familie

Auch interessant

Kommentare