CSU-Machtkampf

So blickt Freising auf die Staatskanzlei: Keine Angst vor Söder

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Markus Söder soll als Ministerpräsident die Talfahrt der CSU stoppen. Doch vor einem Wiedererstarken der bayerischen Regierungspartei haben die politischen Gegner keine Angst. Die Sorgen liegen woanders.

Freising – Auf 37 Prozent ist die CSU in Wählerumfragen abgestürzt. Jetzt, da sich die Partei offenbar auf Markus Söder als neuen Ministerpräsidenten und Nachfolger von Horst Seehofer geeinigt hat, soll die Kehrtwende kommen. Doch Benno Zierer, FW-Landtagsabgeordneter aus Freising, glaubt nicht an ein Wiedererstarken des Gegners. „Die Spannungen der vergangenen Wochen haben gezeigt, wie tief gespalten die CSU ist.“ Verlierer des vorgesehenen Wechsels in der Staatskanzlei ist für ihn die Region. „Für Altbayern wird er kein Gewinn sein. Söders Priorität wird Richtung Franken gehen.“ Dass ein großer Startbahnbefürworter an die Spitze des Freistaats rückt, macht ihm weniger Sorgen. „Auch wenn ich nicht in Söder hineinblicken kann – ich glaube nicht, dass seine Prioritäten der 3. Startbahn gehören.“

„Die CSU ist bereit, abgewählt zu werden“

Johannes Becher hat eine große Leidenschaft dafür, sich in Söder hineinzuversetzen. Schon öfter hat der Landtagskandidat ihn im Rahmen der Gründonnerstagung der Freisinger Grünen auf der Bühne persifliert. „Aus kabarettistischer Sicht wird Söder nun noch mal prominenter“, sagt Becher.“ Für Bayern aber ist er keine gute Entscheidung.“ Denn ein Ministerpräsident müsse neben hoher Fachkompetenz auch die charakterliche Eignung mitbringen, und da brauche man ja nur seinen Vorgänger zitieren. „Seehofer hat ihn für charakterlich ungeeignet befunden.“ Becher sieht das genauso. „Er weckt den Eindruck, dass er seine eigenen Interessen über die des Gemeinwohls stellt.“ So sei Söders Arbeit als Heimatminister davon geprägt gewesen, die Heimat zuzubetonieren.

Dass die CSU mit einem Ministerpräsidenten Söder neu erstarkt, glaubt auch er nicht. „Das peinliche Politschauspiel der letzten Wochen zeigt: Die CSU ist bereit, abgewählt zu werden.“ Becher wolle daran arbeiten, dass die Menschen den Grünen das Vertrauen schenken, – und sich für einen Beschluss einsetzen, den die bayerischen Grünen auch vor der Landtagswahl 2013 gefällt haben: „Dass wir in keine Koalition eintreten, in der eine 3. Startbahn vorgesehen ist.“

„Immerhin hat er in Oberbayern keine so große Hausmacht“

Mit einer gehörigen Portion Resignation kommentiert Franz Spitzenberger die Personalie Söder. „Es ist doch gehupft wie gesprungen, wer auf den Chefsessel kommt“ sagt der Vorsitzender der BI Attaching. Seiner Erfahrung nach würden sich alle wie „Fähnchen im Wind“ drehen, wenn es um die dritte Startbahn gehe. „Einerseits hat Söder die von Seehofer ins Gespräch gebrachte Umwandlung der FMG in eine AG kritisiert, andererseits sieht er den Ausbau als wichtig für Bayerns Wirtschaft.“ Allerdings sei es möglich, dass sich ein künftiger Ministerpräsident Söder nicht als der Hardliner zeige, der er bislang war: „Immerhin hat er in Oberbayern keine so große Hausmacht und ist weniger beliebt als bei sich zuhause in Franken. Da muss er sehen, dass er für die Zukunft Boden gut machen kann.“

Mit Interesse verfolgt Freisings OB Tobias Eschenbacher die Entwicklungen in der Staatskanzlei: „Natürlich hoffen wir, dass Söder als möglicher Ministerpräsident das Wohl der Bevölkerung über die wirtschaftlichen Interessen einer Flughafenerweiterung stellt.“ Ansonsten wünsche er sich, dass wieder Ruhe und Konstruktivität einkehrt. „Die Landtagswahl kommt noch früh genug.“

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