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Mein Informant, das Handy: Die meisten Jugendlichen informieren sich über soziale Netzwerke, wie sie FT-Redakteur Manuel Eser (r.) verrieten. Nur ein Viertel liest regelmäßig Zeitung – ein deutlicher Fingerzeig, wie sich die Medienwelt in den vergangenen Jahren verändert hat. 

Der Wahrheit verpflichtet

So funktioniert Journalismus: FT-Redakteur steht beim Schülermedientag Rede und Antwort

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Wie glaubwürdig sind welche Medien? Wie arbeitet eine Zeitung? Beim Schülermedientag löcherten rund 50 Schüler der FOS/BOS FT-Redakteur Manuel Eser mit ihren - durchaus kritischen - Fragen.

Freising – Wie glaubwürdig sind welche Medien? Wie arbeitet eine Zeitung? Beim bayernweiten Schülermedientag, an dem sich auch das Freisinger Tagblatt beteiligt hat, löcherten am Freitag rund 50 Schüler der FOS/BOS FT-Redakteur Manuel Eser mit ihren Fragen. Auch mit kritischem Nachbohren zeigten die Schüler, dass sie das Thema brennend interessierte.

Die Zeitungs- und Medienlandschaft habe sich in den vergangenen zehn Jahren drastisch verändert, erklärte Eser den Schülern: Früherhabe es die Printausgabe einer Zeitung gegeben. Das war’s. „Heute müssen wir als Journalisten ganz viele Kanäle bedienen“, um auch ganz unterschiedliche Gruppen anzusprechen, schilderte der FT-Redakteur. Doch es gebe einen gewaltigen Unterschied zwischen Journalismus und dem, was als Infos in den sozialen Medien kursiere: „Die große Aufgabe ist es, herauszufiltern, was wahr ist und was nicht.“

Objektivität, Glaubwürdigkeit und Transparenz

Was die Jugend von einer Zeitung erwartet, ist klar: Objektivität, Glaubwürdigkeit und Transparenz nannten sie als das, was sie von Journalisten erwarten. Dennoch: Die meisten, so ergab eine spontane Abstimmung, sind in sozialen Netzwerken aktiv, holen sich auch da Informationen. Immerhin: Rund ein Viertel nutzt auch die Zeitung regelmäßig als Quelle. Was für die Schüler gar nicht geht, und worüber sie sich beschweren würden: Wenn es um das Privatleben geht, wenn wissentlich falsche Nachrichten gedruckt würden, wenn Zitate falsch und sinnentstellend wären.

Eser erläuterte nicht nur den Pressekodex, der vorgebe, nach bestem Wissen und Gewissen die Wahrheit zu schreiben, sondern erläuterte auch, wie man die Wahrheit herausfiltern könne: Etwa dadurch, dass man immer beide Seiten befrage, dass man allen Beteiligten die Gelegenheit zur Stellungnahme gebe.

Diese Sorgfaltspflicht und ein Beispiel für eine aufwendige Recherche wurde mit den FT-Berichten zum „Braunen Untergrund von Moosburg“ dargelegt. Und auch mit welchen Angriffen Journalisten nach solchen Berichten zu tun hätten, konnte der FT-Redakteur an diesem Exempel darlegen. Freilich gebe es Grenzen der Recherchemöglichkeit: Als Redakteur verlasse man sich auf die Richtigkeit einer Polizeimeldung, so Eser zu der Schilderung einer Schülerin, die einen Autounfall hatte, der in der Zeitung nicht richtig widergegeben worden sei.

Hinweise kommen oft von Bürgern

Dass man neben Terminen, die eine Heimatzeitung wahrnehme, auch Geschichten und Hinweise von Bürgern erhalte, komme „relativ häufig“ vor, beantwortete Eser eine andere Frage. Beispiel: der Malachitskandal in der Moosach. Für so etwas sei man auf Infos angewiesen, müsse dann gewissenhafte Recherche betreiben. Und auch kuriose Geschichten gebe es, die man in der Zeitung aufgreife.

Suizide hingegen würden grundsätzlich nicht veröffentlicht, bestätigte Eser die Frage eines Schülers, der von dieser Regelung gehört hatte. Ganz wichtig: Bei politischen Themen müsse man als Berichterstatter von der eigenen Einstellung Abstand nehmen. „Das muss sein, das gehört dazu“, so Eser, der eineinhalb Stunden lang seinem interessierten Publikum Rede und Antwort stand.

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