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„Das ist ein großer grüner Fleck“, sagt Bürgermeister Martin Bormann über Thalham und verweist dabei auf Luftbilder.

Langjähriger Streit

Sobald die Kettensägen losgehen . . .  - Grünpflege-Konflikt in Thalham spitzt sich zu

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Erneut sind Bürger von Thalham gegen Grünpflegearbeiten in ihrem Ort Sturm gelaufen. Ihnen gehen die Maßnahmen viel zu weit. Andere Nachbarn wiederum klatschen Beifall – sagt der Bürgermeister und sucht einen Mittelweg. Doch der führt durch vermintes Gebiet.

Thalham – Auf jeden Blitz folgt ein Donner. Genauso ist das auch in Thalham (Gemeinde Attenkirchen). Sobald in dem ursprünglichen Erholungsgebiet eine Motorsäge aufblitzt, ist eines sicher: Kurz danach wird es laut – nicht nur, weil das Werkzeug aufheult, sondern auch, weil die Empörung etlicher Ortsbewohner für einen Donnerhall sorgt. Dabei prallen ihre Interessen nicht nur auf die des Bürgermeisters, sondern auch auf gegensätzliche Wünsche aus der Nachbarschaft.

Im Februar kam es wieder zu heftigen Entladungen. Edith Marianne Hopf berichtet davon, wie drei Arbeiter mit Kettensägen entlang eines Grabens zu Werke gegangen seien. „Sie haben alle Bäume und Sträucher aufs Radikalste abgeholzt.“ Sie habe daraufhin die Polizei angerufen. „Ich wollte, dass die sofort rauskommt, um die Arbeiter zu stoppen.“ Die Beamten aber verweisen Hopf an die Untere Naturschutzbehörde. Doch es ist Freitagnachmittag, im Landratsamt ist zu diesem Zeitpunkt niemand mehr zu erreichen. Hopf vermutet daher, dass die Maßnahmen auch aus taktischen Gründen auf diesen Zeitpunkt gelegt worden seien.

Einigen Thalhamern ist die Grünpflege in ihrem Ort zu rabiat

Es ist der neue Höhepunkt eines jahrzehntelangen Konflikts, der in Thalham immer wieder ausbricht. Wie berichtet, beschwerten sich erst Ende vergangenen Jahres einige Thalhamer über das Vorgehen der Firma, die diese Arbeiten seit über zehn Jahren für die Gemeinde erledigt. Im November waren auf einer Wiese Bäume und Büsche zersägt und zerstückelt worden. „Ich bewahre ein Landschaftsbild, indem ich es behutsam pflege, aber hier wird radikal gepflegt“, sagte etwa Thilo Mittag, der selbst als Landschaftsarchitekt arbeitet. Hopf sieht auch das Tierwohl gefährdet. So seien Haselnusssträucher auf Stock gesetzt worden – erste Nahrung für bedrohte Bienenvölker. Auch auf Tiere im Winterschlaf, auf Igel und Kröten, würde bei der lärmenden Grünpflegearbeit keine Rücksicht genommen. Brutstätten seien zerstört worden, die Artenvielfalt in Thalham sei weit zurückgegangen. Hopfs Fazit: „Diese Respektlosigkeit gegenüber den Einwohnern und der Natur ist durch nichts zu übertreffen.“

Sie sind mal wieder fassungslos: Bewohner von Thalham kritisieren seit Langem, dass Grünpflegearbeiten in ihrem Ort zu rabiat ausfallen – wie entlang dieses Grabens.

Bürgermeister Martin Bormann und Klaus Tschampel von der Unteren Naturschutzbehörde sehen das anders. Der Attenkirchener Gemeindechef etwa verweist darauf, dass es eben nicht nur Thalhamer gebe, die gegen die Grünpflege-Maßnahmen Sturm laufen und verweist auf den FT-Artikel, der am 4. Dezember erschienen ist. „Danach habe ich viel mehr positive Rückmeldung bekommen als negative“, sagt er. „Viele sind froh, dass zurückgeschnitten wird. Dass sie wieder aus ihrem Fenster schauen können.“

Die einen wollen im Wald leben, die anderen freie Sicht aufs Mittelmeer

Tschampel, der selbst mehrmals in Thalham war, um sich ein Bild von der Lage zu machen, stellt klar: „Die Arbeiten entsprechen der gängigen fachlichen Praxis im Garten- und Landschaftsbau und sind nicht zu beanstanden.“ Ein Nahrungsengpass bei Bienen und anderen Insekten sei nicht gegeben. Dem Störfaktor für Igel und Kröten würde man durch das abschnittsweise Vorgehen begegnen. Und ein Artenrückgang bei den Vögeln könne infolge der Unterhaltsmaßnahmen ebenfalls nicht hergeleitet werden.

Ein Politikum bleiben die Arbeiten trotzdem. Das weiß auch Tschampel: „Da prallen einfach diametral entgegengesetzte Weltanschauungen aufeinander. Die einen wollen einen freien Blick aufs Mittelmeer und die anderen am Liebsten im dichtesten Wald wohnen.“

Der Bürgermeister versucht daher, einen Mittelweg zwischen den Fronten zu finden. Er gehe mit Hans-Helmut Holzner, Förster der Waldbesitzervereinigung Freising, mindestens zweimal pro Jahr durch Thalham. „Wir schauen uns alles an und schneiden dann an Bäumen nur weg, was notwendig ist.“ Den Reporter fragt er: „Haben Sie mal ein Luftbild von Thalham gesehen? Das ist ein großer grüner Fleck.“

Bürgermeister lässt sich lieber schimpfen, als dass sich jemand verletzt

Alles aber könne man nicht stehen lassen. Der Förster habe kürzlich mit einem Schraubenzieher testweise in den Stamm eines alten Baums gebohrt. Das Werkzeug sei einfach durchgefallen, so morsch sei der Baum gewesen. Also habe der Bürgermeister entschieden, ihn zu fällen, um das zu verhindern, was erst kürzlich in einer Sturmnacht passiert sei. „Da hat der Wind einen Baum in ein Grundstück reingeschmissen“, sagt Bormann. „Lieber lasse ich mich für eine Maßnahme schimpfen, als dass jemand verletzt wird.“

Doch wie kann der Bürgermeister das Klima in Thalham verbessern? Sich von der Fachfirma trennen, wie es Edith Maria Hopf fordert? „Das löst das Problem nicht“, sagt Bormann. „Denn egal ob die Firma Huber, Meier oder Müller heißt – sobald die Kettensäge losgeht, laufen die Sturm.“

Der SOS-Anruf beim Landratsamt wäre für die Gegner der Grünmaßnahmen ebenfalls frustrierend verlaufen. Denn wie Tschampel mitteilt, sind derartige Unterhaltsmaßnahmen nicht genehmigungspflichtig. „Ein Einschreiten der Unteren Naturschutzbehörde wäre nur bei Verstößen gegen geltende Rechtsnormen möglich.“ Bormann stellt zudem klar, dass hinter der Aktion am Freitagnachmittag ohnehin kein Hintergedanke gesteckt habe. „Ich habe das Gefühl, dass die das alles total persönlich nehmen. Die glauben wirklich, wir wollen sie zum Fleiß ärgern. Aber das stimmt einfach nicht.“

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