Vorbildlich ausgerüstet: Die Mountainbike-Kids des Radfahrvereins Neustift mit ihrem Trainer Sigi Giesl trainieren bei jedem Wetter eifrig – aber nur mit Helm. Foto: fkn

Sogar Radler-Lobby im Landkreis Freising ist gegen Schutz-Zwang

Warum der Helm nicht zur Pflicht wird

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Radfahren erlebt einen Boom. Dank der E-Bikes sind viele auch so schnell unterwegs wie nie zuvor. Einige Länder haben darauf – und auf die steigende Zahl schwerer Unfälle – mit einer Helmpflicht für Radler reagiert. In Deutschland wird das abgelehnt, und auch im Landkreis sind Radler-Lobby wie Polizei gegen die Pflicht. Obwohl der Helm als sehr sinnvoll erachtet wird.

Landkreis Wenn Michael Stanglmaier mit seinem Rennrad unterwegs ist, trägt er einen Schutzhelm: „Das würde ich auch jedem anderen Rennradler raten“, sagt der Kreissprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Auch als seine Kinder noch klein waren, habe er sie nur mit Helm zur Schule radeln lassen. Eine generelle Helmpflicht aber lehnt er – wie der ADFC – rundweg ab. Das würde das Radeln, etwa zum Einkaufen oder zum Bahnhof, in den Bereich der Risiko-Sportarten verlagern, bei denen man einen Schutz vorschreiben muss. Autofahrern wie Verkehrsplanern würde man suggerieren, dass nun kein Handlungsbedarf mehr bestehe, weil die Radler ja geschützt seien. Stanglmaier plädiert dagegen dafür, exakt dort, bei den Autofahrern und bei der Infrastruktur, anzusetzen. Drei Viertel der Radunfälle würde von Autofahrern verursacht, wobei die Pedalisten meist einfach übersehen würden, etwa beim Abbiegen, an Kreuzungen – oder wenn Autofahrer nach dem Einparken unbedacht die Tür öffnen. In den Niederlanden habe man auf die vielen Radfahrer reagiert und räume ihnen auf Straßen und Plätzen viel Platz ein. Einen Helm würde in Holland fast niemand tragen, berichtet Stanglmaier, doch die Unfallzahlen lägen weit unter denen in Deutschland. Die Einführung einer Helmpflicht habe andererseits in vielen Ländern zu einem Rückgang des Radverkehrs geführt, etwa in Australien. Damit sank zwar auch die absolute Zahl der Radlerunfälle, doch die Zahl schwerer Unfälle pro Fahrradfahrer nahm drastisch zu. Fazit: Je weniger geradelt wird, desto gefährlicher wird es. Stanglmaier fordert daher, die Autofahrer abzubremsen – mit Tempo-Limits und Tempo-30-Zonen. Doch hier beiße man bei den Kommunen oft auf Granit – etwa in Moosburg. Verkehrsplaner hätten dort beim aktuellen Radverkehrskonzept mehr 30er-Zonen gefordert, doch die Stadt sehe darin nur eine Gängelung der Autofahrer. Von mehr Tempo-Limits hält Polizeioberrat Ernst Neuner dagegen wenig. „Die Geschwindigkeit ist meist nicht ursächlich für Radlerunfälle“, weiß er, „meist liegt es einfach daran, dass Radler übersehen werden“. Von einer Helmplicht hält der Freisinger Polizeichef auch nichts. „Das müsste man dann auch überwachen“, betont Neuner, und das sei personell nicht zu stemmen. Man könne nur hoffen, dass der soziale Druck so groß werde, dass es peinlich werde, ohne Helm zu radeln. Beim Skifahren habe das perfekt geklappt, betont Neuner. Niemand sei mehr schutzlos auf der Piste unterwegs.

In der Zwischenzeit könne man nur weiter aufklären. Es gehe um ein besseres Miteinander auf Freisings Straßen. Dabei seien auch die Radfahrer gefragt. „Als Radler muss ich lernen, mögliche Fehler anderer mit einzukalkulieren“, weiß Neuner. Auch müssten die Pedaletreter dafür sorgen, dass sie wahrnehmbarer werden, etwa durch Licht und helle Kleidung. Er selbst, so Neuner, radle nur noch mit Licht.

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