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Offen für neue Ideen: (v. l.) Mischa Kunz vom Verein „Münchner Freiwillige – Wir helfen“ sowie Nathalie von Pressentin und Michael Mayr vom Landratsamt. foto: leh

Landratsamt strickt Netzwerk

Sozialer Kompass bei der Wohnungssuche in Freising

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Schon für gutgestellte Menschen ist es schwer, in Freising eine Wohnung zu ergattern. Für sozial Benachteiligte ist es nahezu unmöglich. Um das zu ändern, sucht das Landratsamt Freising kreative Lösungen.

Freising – Nathalie von Pressentin hat eine Stelle im Landratsamt Freising gefunden. Sie kann sich als „Vernünftig-Verdienerin“ bezeichnen. Um hier eine Wohnung zu finden, musste aber auch sie neue Wege beschreiten. Sie hat in den Regionen, in denen sie gerne leben würde, Flyer in den Briefkästen verteilt. „Insgesamt 800 Stück“, berichtet sie und lacht. „Ich war sehr motiviert.“ Es zahlte sich aus. Sie erhielt acht Angebote. „Heute bin ich sehr glücklich mit meiner Wohnung.“

Noch mehr Kreativität ist gefragt, um sozial benachteiligte Menschen eine Bleibe zu vermitteln. Zwar gibt es im Landkreis laut Michael Mayr, Abteilungsleiter für Kommunales und Soziales im Landratsamt, 1317 Sozialwohnungen. Dem aber stünden gegenüber: 725 Haushalte, die Wohngeld beziehen, 1430, die beim Jobcenter erfasst sind, 499, die Hartz IV beziehen, und 765 anerkannte Asylbewerber auf Wohnungssuche.

Nathalie von Pressentin, seit Februar Integrationsbeauftragte in der Behörde, hat daher die Veranstaltungsreihe „Unterstützung von Wohnungssuchenden“ ins Leben gerufen. Vom Jobcenter und Fachpersonal aus den Gemeinden über Wohlfahrtsverbände, Kirchen und Studentenwerk bis hin zu ehrenamtlichen Helferkreisen und Vereinen hatte sie Repräsentanten rund um die Themen Wohnen und Integration geladen.

Bei der Auftaktveranstaltung war der große Sitzungssaal im Landratsamt gut gefüllt. Von Pressentins Appell: ein Netzwerk zu knüpfen, um sich gegenseitig zu informieren, die Herausforderungen zu analysieren und gemeinsam Lösungen zu finden – einen sozialen Kompass bei der Wohnungssuche.

Ein Pilotprojekt läuft gut, ist aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein

Doch wie kann man Personen bei der Wohnungssuche unterstützen? Erste Initiativen dazu stellte Mayr vor. So gibt es das Pilotprojekt „Übergangsmanagement“. Es richtet sich an anerkannte Asylbewerber, die noch in den Unterkünften des Landratsamtes leben. Experten unterstützen die Betroffenen bei Anträgen, bilden eine Schnittstelle zu anderen Behörden wie dem Jobcenter und fungieren für ehrenamtliche Betreuer und potenzielle Vermieter als Ansprechpartner. „Das Angebot wird rege genutzt“, resümierte Mayr. Durchschnittlich 35 Beratungsgespräche gäbe es pro Woche. zwölf bis 14 Personen hätten so im September eine Wohnung in der Gemeinde Zolling gefunden. Ein Auszug von bis zu 35 weiteren Menschen im vierten Jahresquartal sei geplant. „Aber natürlich ist das nur ein kleiner Teil.“

Anders sieht das bei dem Konzept aus, das der in München angesiedelte Verein „Münchner Freiwillige – Wir helfen“ entwickelt hat. Wie Mischa Kunz, Kassier des Vereins und Immobilienmakler, berichtete, habe sich die Initiative während des Flüchtlingsstroms vor zwei Jahren gebildet. „Integration hat viel mit Wohnraum zu tun“, lautet das Credo von Kunz. Aber in einer Stadt wie München, in der Wohnungen Mangelware seien, hätten sozial Benachteiligte keine Chance. Denn der Vermieter würde sich bei den unzähligen Bewerbern fast immer den mit der besten Bonität heraussuchen.

Ein Verein aus München könnte für Freising die Blaupause sein

Und so tritt der Verein, der Kooperationen mit anderen Organisationen wie dem städtischen Sozialreferat, dem Wohnungsamt, dem Münchner Flüchtlingsrat und dem Verein Lichterkette geschlossen hat, als Makler auf. „Wir mieten die Wohnungen und vermieten sie an Geflüchtete und Wohnungslose unter“, berichtete Kunz. „Der Vermieter hat den Vorteil, dass die Mietzahlungen und die Kostenübernahme bei eventuellen Schäden in der Wohnung zu 100 Prozent gesichert sind, und dass wir die gesamte Abwicklung des Mietverhältnisses übernehmen.“ Zudem schult der Verein Paten für Wohnungslose.

Ob sich in Freising so ein Modell entwickeln kann, werden die folgenden Fachtagungen zeigen. Das nächste Treffen ist am 14. Oktober.

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