Corona: Boris Johnson auf Intensivstation verlegt - große Sorge um britischen Premier

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Skizzierten die Situation: Herbert Bengler, Dr. Gerhard Mehltretter und Ingrid Kaiser (v. l.).

SPD Freising skizziert Situation auf dem Medizinsektor  

„Fallpauschalen waren der größte Fehler“

Personalmangel in den Krankenhäusern, fehlende Hausärzte oder Engpässe in der Medikamenten-Versorgung: Die SPD suchte jetzt nach  Lösungsansätzen für diese zentralen Themen.

Freising – Allerdings blieb es vorwiegend bei einer Bestandsaufnahme unter dem Motto „Medizin in der Krise“ – auch, wenn sich zum Schluss alle einig waren, dass endlich etwas getan werden müsse.

Neu ist das Thema nicht: Überall werden händeringend Pflegekräfte gesucht. Walburga Braun, langjährige Krankenschwester, Betriebsrätin und Kreistagskandidatin, hätte dazu fundiert Auskunft geben können, war allerdings wegen Krankheit verhindert. Ihren Part übernahm deshalb Landratskandidat Herbert Bengler (SPD), der die groben Eckdaten zum Klinikum Freising lieferte. Wie 50 Prozent aller Kliniken in Bayern schreibe auch das Freisinger Krankenhaus rote Zahlen. Es komme aufgrund von Personalmangel immer wieder zu Stationsschließungen. Um das zu kompensieren würde Freising auf Leiharbeiter zurückgreifen und das sei eine teure Notlösung.

Eine Privatisierung komme für Bengler indes gar nicht in Frage, für ihn sei das Klinikum ein Betrieb der öffentlichen Daseinsfürsorge. Und dafür, so der Landratskandidat, müsse auch Geld da sein. Ein großer Minuspunkt des Freisinger Krankenhauses stelle für Bengler aber das Fehlen einer Geriatrie dar. Rückgängig sei auch die Zahl der Apotheken, so Apothekensprecherin Ingrid Kaiser. Ein sehr großes aktuelles Problem: Die Arzneimittelknappheit. Deshalb mache sie sich „viele Sorgen“, die Situation sei „wie im Krieg“. Oft nicht lieferbar seien Psychopharmaka oder Antibiotika, es gäbe Probleme mit der Nachbestellung und den langen Lieferzeiten. Die Medikations-Wirkstoffe würden oftmals in China oder Indien hergestellt werden, auch weil es billiger sei, dort zu produzieren. Ihr großer Wunsch: Die Produktion sollte wieder nach Deutschland geholt werden, damit wäre eine reibungslose Lieferbarkeit gewährleistet. Die Krankenkassen, so Kaiser, hätten ihnen diese Suppe eingebrockt und würde ihnen weiter „in den Rücken fallen“.

Der Moosburger Internist Dr. Gerhard Mehltretter fand klare Worte: „Hauptschuldig ist dafür die Politik“. Die Pharma-Industrie sei damals „plattgemacht“ worden durch Rabatt-Verträge. Wenn man zu viel reguliert, so Mehltretter, geht der Schuss nach hinten los. Zum Thema fehlende Hausärzte wusste er zu berichten: Freising sei zwar zu 115 Prozent versorgt, Moosburg könnte noch zwei Hausärzte gebrauchen. Je weiter man sich aber von den Ballungsräumen entferne, desto schwieriger würde es werden. Zudem seien aktuell 30 Prozent der Hausärzte über 60 Jahre alt – die ganze Tragweite würde sich also erst demnächst zeigen. Ein großes Problem seien die „blutigen Entlassungen“, so eine Dame aus dem Publikum. Es werde viel zu schnell entlassen und sich nicht vernünftig um die Weiterversorgung gekümmert. Hierzu bestätigte die als Zuhörerin anwesende Dr. Regina Mehltretter: „Die Fallpauschalen waren der größte Fehler.“

Angemahnt von einer betroffenen Mutter wurde auch die Freisinger Versorgung von kranken Kindern – mit denen müsse man bislang nach Landshut oder Schwabing fahren. Eine Pädiatrie im Klinikum wäre dringend notwendig. Im Gegensatz zu Hausärzten fehlen im Landkreis zudem zwei Kinderärzte, so Mehltretter. Abschließend fasste der Internist zusammen: Medizin ist wie die Polizei oder die Feuerwehr nicht am Gewinn auszurichten. Man müsse wieder mehr Geld ausgeben, und das habe die Politik klar zu regeln.                                                                                                       Richard Lorenz

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