Warteschlange vor dem Impfzentrum in der Freisinger Realschule Gute Änger.
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Mehr als 2200 Mitarbeiter von Grundschulen und Kindertagesstätten des Landkreises Freising wurden von Freitag bis Sonntag in der Realschule Gute Änger in Freising geimpft.

Verunsicherung rund um Vakzin

„Spüren die Sorge“: Nach erfolgreicher XXL-Impfaktion in Freising stoppt Deutschland Astrazeneca

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Nachdem Tausende Beschäftigte von Schulen und Kindertagesstätten im Landkreis Freising geimpft wurden, herrscht nun ein Impfstopp. Die Verunsicherung ist enorm.

Freising – Es war die bis dato größte Impfaktion im Landkreis Freising: Rund 2200 Mitarbeiter von Grundschulen und Kindertagesstätten des Landkreises wurden von Freitag bis Sonntag in der Realschule Gute Änger in Freising geimpft. „Es ist super gelaufen“, sagte der Kreisverbandschef des Roten Kreuzes, Albert Söhl, dem FT. Eigentlich. Denn überschattet wurde die Aktion von den erneuten Diskussionen um den Astrazeneca-Impfstoff.

Am Montag kam es nun sogar noch schlimmer: Deutschland stoppt vorerst die Impfungen mit dem Vakzin.

Schon am Freitag hatten vier europäische Länder Impfungen mit Astrazeneca ausgesetzt, nachdem im Anschluss an Impfungen Thrombosefälle gemeldet worden waren. Die Folgen dieser Entwicklung waren auch in Freising spürbar, wie Söhl berichtet: Etwa 250 der rund 2500 Angemeldeten aus Kita und Grundschulen blieben dem Impftermin am Wochenende fern.

Beruhigende Botschaft vom BRK-Chef

Der Großteil aber ließ sich nicht beirren – und dürfte sich nach den Entwicklungen am Montag im falschen Film gefühlt haben. „Wir spüren die Sorge“, sagte Söhl. Erste E-Mails besorgter Bürger seien am späten Montagnachmittag eingetroffen. „Aber ich möchte alle Geimpften beruhigen: Wer bisher keine Probleme hatte, braucht keine Angst haben.“ Nebenwirkungen würden sofort auftreten oder gar nicht.

„Eine Thrombose entsteht nicht erst nach ein oder zwei Wochen“, betonte Söhl. „Zudem fragen wir vor der Impfung ab, ob jemand generell an Blutgerinnungsstörungen leidet. In diesem Fall würden wir gar nicht impfen.“ Jetzt müsse erst mal geklärt werden, ob die Reaktionen wirklich mit dem Impfstoff zusammenhängen. Jeder, der nach der Impfung gesundheitliche Probleme bekomme, solle sich aber natürlich an seinen Hausarzt wenden oder ins Krankenhaus fahren.

Nach der Impfung: Die extra eingerichtete Wartezone hatte BRK-Einsatzleiter Torsten Koch im Auge.

Die Zweitimpfung für das Kita- und Grundschulpersonal ist erst in neun Wochen geplant. „Wir können jetzt die Einschätzung des Paul-Ehrlich-Instituts abwarten“, erklärte Söhl. Auswirkungen hat die Aussetzung von Astrazeneca aber aufs Impfzentrum. Dort wurden am Montag alle Termine mit dem Vakzin, die für diese Woche geplant waren, abgesagt (siehe Kasten).

Astrazeneca-Impftermine in Freising abgesagt

Nach der Meldung des Bundesgesundheitsministeriums, Corona-Impfungen mit Astrazeneca ab sofort auszusetzen, hat das Impfzentrum des Landkreises Freising sofort alle in naher Zukunft geplanten Termine mit diesem Impfstoff abgesagt. Das teilte jetzt das Landratsamt mit. Bei der Aussetzung handle es sich laut Ministerium um eine Vorsorgemaßnahme. „Termine mit den Impfstoffen Biontech/Pfizer und Moderna werden beibehalten“, schreibt Landratsamts-Pressesprecherin Eva Zimmerhof. Mit der Aussetzung der Astrazeneca-Impfungen folgt das Bundesgesundheitsministerium der Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts, nachdem nach Impfungen Thrombosefälle gemeldet wurden.
Das Institut weist darauf hin, dass Personen, die Astrazeneca erhalten haben und sich mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlen (starke, anhaltende Kopfschmerzen, punktförmige Hautblutungen), unverzüglich zum Arzt gehen sollten. Unklar ist bislang, ob Erstgeimpfte, die Astrazeneca bekommen haben, bei ihrer zweiten Impfung nun einen anderen Impfstoff bekommen sollen. Sobald das Landratsamt Neues hierüber erfährt, wird informiert. ft

Dabei lief eigentlich alles so gut

Dass es soweit kommen würde, damit hatte Söhl nicht gerechnet, als er am Freitag gegen 15 Uhr den Startschuss zu der XXL-Impfaktion gab, an der sich zwölf Hausärzte mit ihrem Personal beteiligt hatten. „Es war gut, dass wir auch personelle Reserven hatten“, sagte der BRK-Chef. „Denn natürlich musst du den Mitarbeitern schon nach jeder Arbeitsstunde eine Pause geben – allein, damit sie die FFP2-Masken mal ablegen können.“ Zehn Impfteams, bestehend jeweils aus Arzt, Medizinischem Fachangestellten und Verwaltungskraft, waren gleichzeitig im Einsatz, die zwei verbliebenen Teams konnten in dieser Zeit durchschnaufen.

Die Impfwilligen aus Grundschule und Kitas, neben Betreuungs- und Lehrkräften auch Küchen- und Reinigungspersonal sowie Hausmeister und Hausmeisterinnen, wurden nach Ortschaften eingeladen. „Los ging es am Freitag mit Attenkirchen“, berichtet Söhl. Die letzten Geimpften, die am Sonntag die Realschule verließen, stammten aus Birkeneck in der Gemeinde Hallbergmoos.

Erst die Anmeldung: Nach der Erfassung der Daten ging es zum jeweiligen Impfplatz.

„Die Realschule Gute Änger hat sich für diese große Herausforderung als bester Ort im gesamten Landkreis herausgestellt“, betont Söhl. Nicht nur, weil das Gebäude über viele Räume verfüge und ideal geschnitten sei, sondern auch, weil eine Vielzahl an Parkplätzen zur Verfügung stehe. „Wir waren so gut im Soll, dass wir zwischendurch sogar mal einen Leerlauf hatten“, berichtet der BRK-Chef. Seine Erkenntnis: „Wir könnten die Taktung sogar noch erhöhen.“

Die EDV kostet einige Nerven

Dabei lief gar nicht alles reibungslos. „Vor allem hatten wir mit einem Problem zu kämpfen, das aus drei Buchstaben besteht: EDV“, berichtete Söhl. Weil Microsoft über Nacht einige Updates vorgenommen hatte, fielen sowohl am Samstag als auch Sonntag in den Morgenstunden jeweils mehrere Rechner aus. „Wir haben dann unsere EDV-Kräfte aus den Betten geholt. Die haben die Probleme recht schnell behoben.“

Die Corona-Maßnahmen greifen in eine Vielzahl von Rechten der Bürger ein. Im Interview erklärt Amtsrichter Manfred Kastlmeier seine Einschätzung der Lage.

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