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Starkbierfest im Stephanskeller

"Abt Arnold" serviert saftige Rechnung

Freising - „Mein Name ist Abt Arnold, und da bin i dahoam“. So stellte sich Fastenprediger Wolfgang Krebs bei seinem Auftritt im Weihenstephaner Stephanskeller vor. Beim traditionellen Starkbierfest wurden den lokalpolitischen Größen wieder ganz schön der Kopf gewaschen.

Der Direktor der Staatsbrauerei, Josef Schrädler, begrüßte hier die Politprominenz von unten aus der Stadt und da die Ministerialen von oben aus der Stadt München. Die Liste der Begüßten war lang, das Grußwort von OB Tobias Eschenbacher kurz, genauso wie sein kraftvolles Anzapfen des ersten Banzens. Der Stephanskeller war voll, ebenso wie die Gläser mit „Vitus“, dem süffigen Weizenbock, oder „Korbinian“, der dunklen flüssigen Fastenspeise.

Bei der Vorspeisenbrotzeit hätte sich jede Küchentischplatte gebogen - nicht so die massiven Holztische im Stephanskeller. Spanferkel oder Ochsenbäckchen als Hauptgericht exotisch serviert und am Ende noch eine Mousse im Gläschen - da ließ sich ein Kabarettist namens Wolfgang Krebs schon ertragen, der manchmal der eigenen politischen Couleur schön an den Kragen ging. Im ersten Teil seines Auftritts kam Krebs noch als Abt Arnold in schwarzem Habit und mit zu kleinem Pileolus auf dem Kopf, um den lokalpolitischen Größen denselben zu waschen. Vier Tage vor der Kommunalwahl war jede Gruppierung dran - und OB Eschenbacher etwa dergestalt, dass dessen angekündigte Veränderungen in der Stadt vor allem daran lägen, dass die von Vorgänger Dieter Thalhammer angeschobenen Projekte allesamt weiter verfolgt würden.

Der von der CSU angezettelte Bürgerentscheid zur Moosach-Öffnung („Niemand hat die Feuerwehr gefragt“) war genauso Thema wie weitere Volkentscheide, wie sie von der Linken gefordert werden. Zu einem „Dialog“ kam es zwischen Linke-Stadtrat Eckhardt Kaiser und Abt Arnold, als dieser vorrechnen wollte, was es koste, wenn die Linke jedem Freisinger ein halbes Hendl und eine Mass Bier zum Volksfest und außerdem jedem eine Freikarte für kulturelle Veranstaltungen schenken wollte, wie es im Wahlprogramm stehe. Kaiser dazu: „Nicht jedem, aber jedem Sozialhilfeempfänger.“ Der Fastenprediger: „Aber ich hab‘ euer Programm gelesen.“

Wolfgang Krebs ließ nichts, was im vergangenen Jahr in der Stadt Freising eine Rolle gespielt hat, aus. Die Eishalle, die Westtangente - und die Isarschleife: Hier setzte sich der Kabarettist vor allem mit der geplanten Satzung auseinander und erntete reichlich Schenkelklopfer bei den Gästen.

Im zweiten Teil wurde Krebs dann seinem vorauseilenden Ruf, Seehofer und Stoiber trefflichst zu parodieren, voll und ganz gerecht. Er begrüßte als Horst Seehofer „vorne sitzend die Prominenz und hinten die Intelligenz“. „Wie soll ich heute schon wissen, was ich morgen denke und übermorgen sage“, meinte er und ließ auch seine engen Mitarbeiter schon mal nicht so gut aussehen. „Pure Blasphemie“ sei es, wenn man Franz Josef Strauß mit Bindestrich schreibe, „das ist so, wie wenn ich auf eine Hostie Nutella draufschmiere“. Und sein Wahlspruch - übernommen vom Großvater: „Wenn dir eine Taube auf den Kopf scheißt, sei froh, dass Kühe nicht fliegen können.“ Das Ganze garniert mit seinem glucksenden Lachen - einfach grandios.

Bilder vom Starkbierfest im Stephanskeller

Bilder vom Starkbierfest im Stephanskeller

Dann durfte noch Edmund Stoiber ran („Ich bin immer noch die Lady Gaga der bayerischen Politik“) und riss die Zuhörer zu wahren Begeisterungsstürmen hin. Zum Abgeordnetenskandal um angestellte Ehefrauen ließ Krebs sein Alter Ego sagen: „Wir haben die Frauen deshalb angestellt, dass sie uns vor den Sekretärinnen schützen“. Sauer war Stoiber, dass Barack Obama Angela Merkels Handy abhören ließ „und meines nicht“. Und das Verteidigungsministerum, so der Altministerpräsident, dürfe man nicht von der Leyen, äh, von Laien führen lassen. Wahlergebnisse habe er sehr gute eingefahren, so Stoiber: „Als ich 60,7 Prozent gewonnen habe, hat mich der Putin angerufen und gefragt: Du auch?“ (me)

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