Nasse Lederhosen und Dirndl nahmen die Startbahngegner gestern gerne in Kauf: Dafür hatten sie bei ihrer Sitzblockade das geballte Interesse der Medien. Foto: privat

Startbahngegner stoppen den Wiesn-Umzug

Freising - Gelbe Säcke hin, Plastiktüten her - die Lederhosen der Mannsbilder und die Dirndl der Damen wurden gestern trotzdem nass: Rund 30 Startbahngegner aus Attaching, Freising und Fahrenzhausen haben gestern für knapp eine Viertelstunde den weltberühmten Trachtenumzug beim Müchner Oktoberfest mit einer Sitzblockade zum Stoppen gebracht.

Zwei große Banner hielt die Gruppe, die sich als die „neuen Brauchtumspfleger“ sieht, in die Höhe, nachdem man hinter Gruppe Nummer 27 (dem Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Freising) an der Ecke Odeonsplatz/Briennerstraße die Straße gestürmt und in Beschlag genommen hatte: „3. Startbahn zerstört unsere Heimat Attaching“ stand da beispielsweise zu lesen.

Die Polizei habe besonnen und ruhig reagiert, schilderte Attachings BI-Chef Franz Spitzenberger die Situation. Man habe sogar statt der kurzfristig mit den Einsatzkräften „ausgehandelten“ acht Minuten Sitzblockade ein paar Minuten länger dafür sorgen dürfen, dass Fuhrwerke und Fußgruppen stehen bleiben mussten. Von der Absicht, die Kutsche mit Ministerpräsident Horst Seehofer und Münchens OB Christian Ude aufzuhalten, habe man allerdings noch in letzter Minute Abstand genommen.

Zwar hätten einige Zugteilnehmer etwas unwirsch auf die Protestaktion reagiert, aber viele Beobachter und Zuschauer hätten auch das Zeichen Daumen hoch gemacht und Lob gespendet: „Recht habt’s“, so hat es beispielsweise Christoph Riesch aus Attaching gehört.

Zugegebenermaßen habe man etwas Bauchgrimmen im Vorfeld der Sitzblockade gehabt, sagte Spitzenberger. Aber wenn es um die Zukunft der Heimat und die eigene Existenz gehe, dann „haben wir lieber eine Stunde vorher Bauchgrimmen als hinterher fünf Jahre, weil wir es nicht gemacht haben“. Und ein nasser Hintern dürfe einen da erst recht nicht aufhalten.

Hinterher freilich sei man schon erleichtert gewesen, dass die Aktion so reibungslos gelaufen sei, gab Spitzenberger zu. Und auch der Einsatzleiter der Polizei dürfte erleichtert gewesen sein: Denn auf dem Weg der Gruppe zur U-Bahn-Station habe er ausdrücklich nachgefragt, ob sie denn jetzt wirklich nach Hause fahren würden. Das taten die Startbahngegner - und zwar mit dem „positiven Gefühl“, auch den „inneren Widerstand“ überwunden zu haben.

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