Streik im öffentlichen Dienst: 6,5 Prozent mehr - „Wir sind es wert“

Freising/Moosburg - Rund 200 Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes machten sich am Dienstag auf den Weg nach München. Ihre lautstarke Forderung: 6,5 Prozent mehr Lohn. Denn: „Wir sind es wert“, so Carolin Hofer, Personalratsvorsitzende am Landratsamt.

Die ver.di-Fahnen wehten im Wind, die Plastik-Umhänge mit der Aufschrift „Streik“ prägten das Bild. Auch von Freising aus setzten sich Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes Richtung Landeshauptstadt in Bewegung. Sie wollen sich die „Sauerei“ nicht gefallen lassen, wie Gewerkschaftssekretär Heribert Weyrich das Angebot der Arbeitgeberseite bezeichnet hatte: 2,1 Prozent mehr Lohn ab Mai 2012 und 1,2 Prozent mehr ab März 2013 - das sei weit unter dem, was man „völlig zurecht“ fordere. Dabei seien die 6,5 Prozent mehr Lohn, die ver.di durchsetzen möchte, ohnehin schon nur ein „zähneknirschend“ akzeptierter Kompromiss mit ver.di-Deutschland. Im Großraum München müssten es eigentlich sogar mehr sein, betonte Weyrich.

Hofer hatte zuvor bei ihrer Ansprache vor dem Landratsamt die Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn so begründet: Zum einen habe man „Nachholbedarf“. In den vergangenen Jahren habe man mit Rücksicht auf die klammen Kassen der Kommunen Maß gehalten. Die Lebenshaltungskosten seien aber weiter gestiegen. Zum anderen, so Hofer selbstbewusst, „sind wir es wert“.

Das Angebot der Arbeitgeber wertete Hofer so: „Das ist, wie wenn ein Trainer seine Spieler mit nur einem Turnschuh auf den Platz schickt, weil ihm ein zweiter zu teuer ist, und sagt: ,Spielt’s fei gscheit‘. So ist kein Spiel zu gewinnen. Das kann nur in die Hose gehen“, so Hofer. Man fordere ja keine Luxuslöhne, sondern lediglich eine Anpassung an die Preisentwicklung, betonte die Personalratsvorsitzende.

Vor rund 200 Mitarbeitern des Landratsamts, der Stadt Freising, aber auch des Landkreisbauhofs und des Krankenhauses gab sich Carolin Hofer kämpferisch: „Heute ist Frühlingsanfang, die Zeit des Wachsens beginnt - auch für unsere Entgelttabelle“, kündigte sie unter dem Applaus und dem zustimmenden Pfeifkonzert der Streikenden an. Und Weyrich machte klar, dass ver.di die Schlichter auf keinen Fall anrufen werde, sollten die Verhandlungen in der nächsten Runde scheitern. Mit mehreren gecharterten Bussen wurden die Streikenden dann nach München zum Demonstrationszug samt Kundgebung gebracht.

Dass nichts mehr geht, wenn die Erzieherinnen ihre Arbeit niederlegen, das zeigte sich am Dienstag in Moosburg. Der städtische Hort wurde laut Geschäftsführer Josef Mühlberger voll bestreikt und musste geschlossen werden. Im Kindergarten „Drei Rosen“ gab es Notgruppen.

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