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Student zu Geldstrafe verurteilt

Das Ego mit Anabolika „aufpoliert“

Weil er wohl den Frauen imponieren wollte, verlegte sich ein 30-jähriger Freisinger Student darauf, seine fehlende Haarpracht mit dicken Muskeln zu kompensieren. Für den aus einem Berliner Untergrund-Onlineshop bezogenen Jahresbedarf an Anabolika kam er jetzt vor dem Landgericht Landshut mit einer Geldstrafe von 1400 Euro davon.

Freising –  Bei der für Dopingdelikte zuständigen Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft München I waren ursprünglich Verfahren gegen acht Männer, die in die Anabolika-Deals involviert waren, anhängig. Die Prozesse wurden dann wegen Überlastung vom Landgericht München I nach Landshut abgegeben, wo inzwischen der Betreiber eines Berliner Untergrundlabors, ein ehemaliger Regierungsbeamter zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren und seine beiden Gehilfen im Bereich von drei Jahren verurteilt wurden.

Die Ermittlungen gegen die Verurteilten, seine Zwischenhändler und Abnehmer in ganz Deutschland waren jahrelang gelaufen. Angeboten wurden die Dopingmittel unter dem Label „Gencimed“ auf verschiedenen Internetseiten, wo sie in einem für die „Kunden“ bereitgestellten „Warenkorb“ geordert werden konnten. Insgesamt,das belegen die Ermittlungsergebnisse, dürfte der Umsatz bei über 200 konkretisierbaren Arzneimittelabgaben im europäischen Ausland bei über 150 000 Euro gelegen haben.

Zu den Kunden des Berliner Untergrundlabors gehörte auch der 30-jährige Student aus Freising. Er hatte im Januar 2015 über das Internet seinen „Jahresbedarf“, vor allem Ampullen mit Testosteron und Trenbolon bestellt. Bei einer Wohnungsdurchsuchung wurden dann bei ihm auch noch 100 Tabletten– wie sich später herausstelle, mehr oder minder Placebos – sowie ein Schlagring gefunden worden. Vor Gericht räumte der Student den Bezug der anabolen Steroide ein. Seit 2007, so berichtete er, habe er in Fitnessstudios etwas für den Muskelaufbau getan, aber irgendwann sei die Grenze erreicht worden.

Bei Gesprächen mit Trainingskollegen sei natürlich immer wieder von Anabolika die Rede gewesen. Da habe er sich im Internet informiert und schließlich die Bestellung aufgegeben. Der Schlagring habe übrigens mit seinem Körperkult nichts zu tun: Der stamme noch aus seiner Jugendzeit von einer Klassenfahrt nach Italien.

Richterin Antonie Beck-Weber machte dem Studenten klar, dass es nach den Erkenntnissen aus den bisherigen Anabolika-Verfahren geradezu an ein Wunder grenze, dass keiner der Abnehmer zu Tode gekommen sei. Die Betreiber der Drogenküche hätten die Rohstoffe willkürlich „zusammengemixt, ohne eine Ahnung davon zu haben.“

Die Vertreterin der Münchner Staatsanwaltschaft beantragte für das Vergehen gegen das Antidopinggesetz und den illegalen Besitz des Schlagrings eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 20 Euro (1400 Euro), nachdem sie zuvor einer Anregung von Verteidiger Uwe Paschertz, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen, nicht gefolgt war. Immerhin, so argumentierte sie, habe es sich bei den sichergestellten anabolen Steroiden um das 15-fache der so genannten nicht geringen Menge gehandelt. Strafmildernd wertete sie, dass sich der 30-Jährige lediglich mit dem eigenen Bedarf eingedeckt und keinen Handel betrieben habe.

Die Strafkammer folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Eine Geldstrafe, so Vorsitzender Richter Ralph Reiter, sei möglich gewesen, weil sich der 30-Jährige nicht als Dealer betätigt, sondern nur für den Eigenbedarf bestellt habe.                                                                                                              ötl

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