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„Ein großer Glücksfall“ sei es gewesen, dass sich beim Rathausneubau zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Pläne des Architekten Günther Blumentritt durchgesetzt hätten. Kratzsch zeigte die historischen Dokumente.

Tag des offenen Denkmals in der Domstadt

Planerische und archäologische Paradestücke

„Macht und Pracht“: Zum „Tag des Offenen Denkmal“ am gestrigen Sonntag hatte Freising als Residenzstadt des früheren Hochstiftsviel zu bieten. Neben dem prunkvollen Rathaus, das im Jahr 1904 künstlerisch neu gestaltet wurde, öffneten auch zahlreiche historische Privathäuser ihre Türen und Pforten. Interessante Hintergründe zur Frühgeschichte von Freising gab es bei einem archäologischen Rundgang über den Domberg sowie beim archäologischen Verein Freising im Landratsamt.

Interessiert besichtigt Robert Schrödl (l.) Funde aus einem Freisinger Domkapitel-Haus im Landratsamt.

Freising – Referent Klaus Kratzsch vom Bayerischen Landesamt für Denkmalschutz etwa nahm die zahlreichen interessierten Freisinger mit zu einer spannenden Zeitreise durch das historische Freisinger Ratsgebäude. Es nieselte – und dass man sich bei solchem Wetter nur schwer von den eigenen vier Wänden lösen kann, ist eigentlich nachvollziehbar. Umso erstaunlicher war der große Zuspruch zur Rathausführung. Rund hundert interessierte Zuhörer waren gekommen.

Junge Stadtforscher waren ebenfalls in das Programm eingebunden. Sie nahmen an einer Stadtrallye teil.

„Ein großer Glücksfall“ sei es gewesen, dass sich beim Rathausneubau zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Pläne des Architekten Günther Blumentritt durchgesetzt hätten, betonte Kratzsch. 35 Architekten hätten sich damals unter der Amtszeit von Bürgermeister Stefan Bierner an der Ausschreibung beteiligt. Blumentritt sei anfänglich von der Jury nur „lobend“ erwähnt worden und hatte sich nicht als Preisträger durchsetzen können. Schlussendlich sei doch ein Beschluss der Magistratsräte zugunsten seiner Pläne gefallen. Kratzsch: „Er hat den Rathausneubau nicht als isolierten Eckbau betrachtet, sondern als Teil eines Ensembles am Marienplatz.“ Kratzsch sprach auch über die Funktionen der Erker an der Ostseite des Gebäudes. Sie stünden als Schaufront für ein gewichtiges Dahinter. Man sollte bereits von außen sehen, dass hinter den Erkern die Rats-, Sitzungssäle und das Arbeitszimmer des Bürgermeisters untergebracht waren.

Über die schönen Glasfenster im kleinen und großen Sitzungssaal erfuhren die Besucher im Anschluss: Sie wurden zum größten Teil von Honoratioren der aufstrebenden Bürgerstadt gestiftet. Die Namen der edlen Spender wurden damals mit im Glas verewigt. Bekannte Freisinger Gewerbetreibende waren darunter: die Betreiber der Tischlermühle etwa, der Seifenfabrikant Georg Illinger oder der Fotograf Jakob Werkmeister.

Im neuen Glanz erstrahlte zum Tag des Offenen Denkmals auch das Bürgerhaus mit ehemaliger Werkstatt an der Luckengasse 4. Ältere Freisinger können sich vielleicht noch an die Zeit erinnern, als in dem Gebäude aus dem späten 17. Jahrhundert die „Samenhandlung Zacherl“ untergebracht war. Der malerische Giebel mit der schönen Putzfassade konnte bei der jüngsten Ertüchtigung vollständig gesichert werden. Auf Aushängen in den Fenstern konnten die Freisinger über die Sanierungsmaßnahmen nachlesen.

Seine zwei Schauräume im Freisinger Landratsamt hatte auch der archäologische Verein Freising geöffnet. Die Freisinger ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, die Geschichte des Landkreises von der Jungsteinzeit bis heute zu durchwandern. Der Hochzeitsbecher von Murr aus der Münchshöfener Kultur oder die Rekonstruktion einer Münchshöfener Figurengruppe in Lebensgröße waren da nur Bruchteil einer hochinteressanten und spannenden Zeitreise mit vielen Exponaten.                                                                   Maria Martin

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