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Unterwasser-Schatz: Florian Huber untersucht ein Gefäß aus der Maya-Zeit, das er in einer mexikanischen Höhle entdeckt hat. Es dürfte sich dabei um eine Opfergabe handeln.

Vortrag in Weihenstephan

Tauchender Forscher in Freising: „Du brauchst Leidensfähigkeit“

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Freising - Er taucht in Meeren, Flüssen und Seen, im Dschungel und in den Alpen. Als Unterwasser-Archäologe holt Dr. Florian Huber (41) aus Lenggries spannende Geschichten an Land. Am Dienstag hält er einen Vortrag in Freising. Im FT-Interview berichtet er, welche Entdeckungen er unter Wasser gemacht hat, welche Gefahren sein Job birgt, und auf was sich sein Publikum in Freising freuen darf.

-Herr Huber, Sie sind Archäologe, Abenteurer und Taucher. Sind Sie der Indiana Jones der Meere?

Wenn Sie das sagen! Es ist nicht so, dass jeder Tag pure Aufregung ist, aber ich bin schon so etwas wie ein wissenschaftlicher Abenteurer. Diese Mischung ist es auch, die mich an meinem Job begeistert. An einem Tag bist du in der Bibliothek, am nächsten tauchst du im Pazifik.

-Welche Eigenschaften benötigt ein Forschungstaucher?

Du brauchst eine gewisse Leidensfähigkeit, denn im Wasser ist man oft extremer Kälte ausgesetzt, aber auch brutaler Hitze, wenn man etwa im mexikanischen Dschungel auf Expedition bist. Und du solltest natürlich ein sehr guter Taucher sein – so gut, dass man nicht über das Tauchen nachdenken muss und seine Kapazitäten ganz der Arbeit widmen kann: fotografieren, filmen, analysieren.

„Wir sind Wissenschaftler und keine Adrenalin-Junkies.“

-Welche Gefahren lauern auf Sie?

Taucher bewegen sich in einem lebensfeindlichen Raum – eine Umgebung, in der Menschen nicht zu Hause sind. Da ist es wichtig, eine gute Ausbildung, eine gute Ausrüstung und ein gutes Team zu haben. Und man darf sich nicht selbst überschätzen, dann kann man die Arbeit sehr sicher gestalten. Wir sind Wissenschaftler und keine Adrenalin-Junkies.

-Wo auf der Welt ist es unter dem Meeresspiegel am Schönsten?

Schwierige Frage. Sehr spannend fand ich die gefluteten Höhlen auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán. Es war toll, durch hunderte Meter lange Höhlensysteme zu tauchen und dort etwa ein Keramikgefäß aus der Maya-Zeit oder das Skelett eines Faultiers zu entdecken. Aber es ist auch ein Erlebnis, im Walchensee zu tauchen – mit seinem magisch-grünen Wasser.

-Was treibt Sie an?

Mir ist es wichtig, spannende Geschichten aus den Tiefen des Wassers an die Oberfläche zu holen. Die Erde ist zu 70 Prozent mit Wasser bedeckt. Darin warten rund drei Millionen Schiffwracks darauf, erforscht zu werden. Unser kulturelles Erbe liegt unter der Oberfläche. Und manchmal muss die Geschichte umgeschrieben werden.

“Die haben sich selbst versenkt“

-Ein Beispiel!

Vor Helgoland haben wir ein U-Boot untersucht, das aus dem Ersten Weltkrieg stammt. Es sollte den Briten als Reparationsleistung übergeben werden. In den Aufzeichnungen ist vermerkt, dass es aufgrund eines Unwetters gesunken ist. Wir haben aber entdeckt, dass alle Luken und Schotten geöffnet waren. Das heißt: Die haben sich selbst versenkt, um das U-Boot nicht übergeben zu müssen.

-Sind Sie auch schon auf Schätze gestoßen?

In der Mars, einem schwedischen Kriegsschiff, das auf dem Grund der Ostsee liegt. Darin befinden sich 5000 Goldmünzen und 200 000 Silbermünzen. Für einen Archäologen aber kann der Lederschuh eines Soldaten ein größerer Schatz sein, weil er aussagekräftiger ist. Von ihm lässt sich etwa auf die Größe des Menschen schließen und die Mode seiner Zeit.

-Welche Schätze haben Sie für das Freisinger Publikum dabei?

Faszinierende Bilder von preisgekrönten Fotografen und tolle Videos. Ich möchte Kinder und Erwachsenen einen unterhaltsamen, leerreichen Abend bieten. Bei mir ist jeder richtig, der Spaß an spannenden Geschichten und Exotik hat.

Gut zu wissen

Der Vortrag findet am Dienstag, 14. März, um 19.30 Uhr im Großen Hörsaal der Hochschule im Löwentor-Gebäude auf dem Weihenstephaner Berg statt. Eintritt: fünf Euro.

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