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Schulen haben sich mit schärferen Corona-Regeln arrangiert: „Einziger Weg“, um in Präsenz zu bleiben können

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Von: Magdalena Höcherl

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Maske wieder auf: In Bayern muss der Mund-Nasenschutz im Unterricht nun wieder getragen werden.
Maske wieder auf: In Bayern muss der Mund-Nasenschutz im Unterricht nun wieder getragen werden. An weiterführenden Schulen müssen es medizinische Masken sein, an Grundschulen reichen textile. (Symbolbild) © Fischer/dpa

Die Schulen haben sich mit den strengeren Corona-Regeln arrangiert. Aber reicht das? Die BLLV-Chefin appelliert an alle, sich impfen zu lassen.

Landkreis – Die Corona-Zahlen steigen wieder. Doch anders als im März 2020 und Anfang 2021 will die bayerische Staatsregierung erneute Schulschließungen unbedingt verhindern, den Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten, bleibe oberste Maxime. Daher greifen aktuell Maßnahmen wie vermehrte Tests und wieder Maskenpflicht im Unterricht. An den Schulen im Landkreis heißt die Devise: Zähne zusammenbeißen.

„Die Verlängerung der Maskenpflicht war keine Überraschung“, sagt Sabine Jackermaier, Rektorin der Grund- und Mittelschule Neustift, die die steigenden Inzidenzzahlen mit Sorge beobachtet. „Masken tragen nachweislich zum Schutz bei. Wenn wir damit den Präsenzunterricht aufrechthalten können, ist das eine gute Maßnahme.“ Besondere Reaktionen habe das erneute Maske-Tragen auch bei den Schülerinnen und Schülern nicht hervorgerufen. „Interessanterweise sind die Kinder bereits so an die Masken gewöhnt, dass manche vor den Ferien teilweise sogar vergessen haben, während des Unterrichts die Masken abzunehmen“, berichtet Jackermaier.

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Auch das regelmäßige Testen – Schnelltests in der Mittelschule, Pooltests mit Lolli in der Grundschule – habe sich gut eingespielt. Der bürokratische und organisatorische Aufwand sei nach wie vor groß, gerade bei Nachtestungen, weil Kinder an Testtagen gefehlt, oder es im Labor technische Probleme gegeben hätte. Doch Jackermeier betont: Auch das Testen „erscheint uns als eine sinnvolle Maßnahme zur Aufrechterhaltung des Präsenzunterrichts“.

Ähnliches berichtet Karin Schmidt. „Dass die Schülerinnen und Schüler wieder durchweg auch an ihrem Sitzplatz Maske zu tragen haben, ist tatsächlich wieder eine große Einschränkung. Aber wir alle wissen, dass dies wohl eine entscheidende Maßnahme sein kann. Von daher tragen wir sie mit, nicht zuletzt mit und für die Kinder und Jugendlichen“, so die Rektorin der Georg-Hummel-Mittelschule in Moosburg. Auch bei den Schülern sei die „Einsicht zur Notwendigkeit“ zu spüren, gleichwohl es ab und zu eines Hinweises bedürfe.

Testen klappt gut

Ebenso akribisch laufe das Test-Prozedere ab: An der Mittelschule wird montags, mittwochs und donnerstags selbstgetestet. „Das klappt mittlerweile ganz gut, und viele Aufregungen zu diesem Thema haben sich auch gelegt“, so Schmidt. Sie betont: „Das Testen ist für mich der einzige Weg, auf jeden Fall im Präsenzunterricht bleiben zu können.“ Grundsätzlich spricht die Rektorin allen ein großes Lob aus: „Die gesamte Schulfamilie ist in die Maßnahmen ganz gut hineingewachsen.“

Schwierig gestaltet sich die Verlängerung der Maskenpflicht am Sonderpädagogischen Förderzentrum in Pulling. „Wir haben viele Kinder mit Förderschwerpunkt Sprache. Sie sind darauf angewiesen, das Mundbild und die Mimik zu sehen“, erklärt Schulleiterin Daniela Höhn. Dass mehr als die Hälfte des Gesichts nun wieder verdeckt ist, erschwere das Lehren und Lernen. „Für die Kinder ist das extrem anstrengend, die Aufmerksamkeitsspanne dementsprechend kürzer.“ Zudem würden sich einige Schüler hinter ihrer Maske „abschotten“, das Miteinander leide.

„Die Nerven liegen blank, aber wir müssen uns arrangieren“

Doch nach wie vor stehe der Sicherheitsaspekt im Fokus, betont Höhn. „Gerade auch, weil wir die Abstände nicht einhalten können, und vor allem jüngere Kinder nicht auf Distanz bleiben, gibt es wohl keine andere vernünftige Lösung als die Maske.“ Sie sieht das pragmatisch: „Die Nerven liegen bei allen Beteiligten blank. Aber wir müssen uns damit arrangieren.“

Immerhin das Testen funktioniere gut: „Es ist zwar ein enormer Zeitaufwand, aber natürlich auch ein erheblicher Sicherheitsfaktor.“ Vor allem die Lolli-Tests für Grundschulkinder habe man sehr begrüßt. „Da ist auch die Akzeptanz bei den Eltern deutlich gestiegen.“

BLLV-Chefin hält Plädoyer für Impfung

Sowohl die Maskenpflicht als auch das Testen sieht Kerstin Rehm, Personalratsvorsitzende beim Staatlichen Schulamt Freising und Kreisvorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, als „sinnvolle und unabdingbare Voraussetzungen, um den Schulbetrieb am Laufen zu halten“. Zudem plädiert sie mit Nachdruck auf die dritte Komponente, die für Schüler ab zwölf Jahren, aber auch deren Eltern, Großeltern und natürlich den Lehrkörper und weitere Mitarbeitende an den Schulen das Allerwichtigste sei: die Impfung. „Es ist zum Beispiel problematisch, wenn nicht geimpfte Eltern an einem Elternabend teilnehmen.“ Rehm, bekennender „Mensch klarer Worte“, betont: „Unser Ziel muss sein, die pandemische Entwicklung vom Tisch zu kriegen. Das geht nur durch gemeinsame Anstrengung, Vernunft und eine unbedingte Impfempfehlung.“

Am Oskar-Maria-Graf-Gymnasium in Neufahrn ist die Impfquote in der Oberstufe hoch: „Da sind über 85 Prozent geimpft“, sagt Schulleiter Stefan Bäumel. Das gelte vor allem für die Q12, der das Abitur bevorsteht. „Sie ist sehr vorsichtig, da will sich niemand ein Eigentor schießen.“ Was die Altersgruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen angeht, sei die Quote niedriger, bei diesen Schülern komme es vor allem auf die Impf-Einstellung im familiären Umfeld an, so Bäumel.

„Jeder Schüler merkt, dass die Inzidenz nach oben geht“

Stand Mittwoch, 10. November, verzeichnete das OMG bei insgesamt 924 Schülern 14 positiv PCR-Getestete, sieben weitere waren in Quarantäne. „Natürlich sind diese Zahlen ein Anstieg gegenüber dem Schuljahresbeginn, aber sie sind nicht ausufernd.“ Getestet werde montags, mittwochs und freitags, „und es ist schon so, dass jedes Mal ein positiver Test dabei ist“, sagt der Schulleiter. Um Infektionsketten frühzeitig zu unterbrechen, seien die Tests sinnvoll – genauso wie die Maskenpflicht. Bäumel berichtet: „ Jeder Schüler merkt, dass die Inzidenz nach oben geht, und dass es im Bekanntenkreis immer öfter Infektionen gibt. Daher sehen sie auch die Notwendigkeit der Schutzmaßnahmen.“

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