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Zwei Thoma-Einakter inszenierte 1989, also im Gründungsjahr der Laienbühne, Horst Schürzinger: „Die Dachserin“ und „Die Medaille“. Unser Foto zeigt die erbosten Ökonomen Ludwig Kropp, Josef Kneißl und Franz Spitzenberger (v. l.) in der „Medaille“.

Jubiläum

„Theaterer“ mit Herz und Leidenschaft: Laienbühne Freising feiert 30-jähriges Bestehen

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Laienspieler, Laientheater, Laienbühnen gibt es viele in Bayern und auch im Landkreis Freising. Aber es gibt nur eine Laienbühne Freising. Alle Jahre wieder zieht sie Theaterliebhaber in ihren Bann, strömen die Menschen in die Vorstellungen – und zwar egal, ob das Ensemble Volkstheater, Schwänke oder Märchen bringt – und das schon seit 30 Jahren.

Freising – Man kann sich immer sicher sein: Bei der Laienbühne Freising wird das Publikum aufs Beste unterhalten, die Schauspieler geben alles, das Bühnenbild sorgt für Aaah! und Ohh! Das Publikum weiß, dass es außergewöhnliche Schauspielleistungen erlebt, und das seit mittlerweile 30 Jahren. Kulturpreisträger des Jahres 2005 ist die Gruppe, trägt aber in jedem Jahr mindestens einmal die Theaterkultur wie eine Monstranz vor sich her. Nicht umsonst versammelt sich die örtliche Prominenz bei jeder Premiere in den ersten Zuschauerreihen. Und man darf sicher sein, dass dies immer zu den schönsten Terminen im Jahreslauf der Promis gehört.

Ein bayerischer Bühnen-Klassiker: der Brandner Kaspar, den die Laienbühne 2001 aufführte - mit Wolfgang Schnetz (l.) und Horst Schürzinger.

Aus der Schule des Schneidermeisters Ludwig Schönauer, der mit der Kolpingsfamilie in Freising das Theaterleben bereicherte, ging Simon Huber hervor, der von 1965 bis 1987 die „Freisinger Laienspielgemeinschaft“ leitete. Für die herausragenden Leistungen erhielten die „Laienspielgemeinschaft“ und der Huber Simmerl bereits 1983 den Kulturpreis.

Die Geschichte der Laienbühne beginnt mit Thoma

Weil das Theaterspielen den Freisingern schon immer im Blut liegt, wurde nach der Ära Huber 1988 die „Laienbühne Freising“ aus der Taufe gehoben: Viele altgediente Spieler aus der Laienspielgemeinschaft Freising trafen sich nach dem Rückzug von Huber im Jahr 1988 privat und beschlossen, einen Verein zu gründen. Als ein neuer Name gefunden und die Gründung des Vereins am 29. Juni 1988 in der Schießstätte Freising über die Bühne gegangen war, gab‘s 1989 die erste Inszenierung von Horst Schürzinger: „Die Dachserin“ und „Die Medaille“, ein Thoma-Einakterabend. Und nach 28 Jahren fiel der Vorhang im Asamsaal – zum vorerst letzten Mal – auch mit einem Thoma-Abend. Mit den Einaktern „Gelähmte Schwingen“ und „Erster Klasse“ unter der Regie von Wolfgang Schnetz endete das beinahe drei Jahrzehnte andauernde Gastspiel im Asamsaal vorerst. Ein Kreis hatte sich geschlossen.

Doch zurück zur Erde, zurück zu den Anfängen der Freisinger Laienbühne: Alt-OB Adolf Schäfer war stets Förderer der Laienbühne Freising, die Spielleiter in 30 Jahren hießen Horst Schürzinger, Adi Gumberger, Margot Riegler, Walter Wöhrl und Wolfgang Schnetz. Ein einmaliges Gastspiel als Regisseur hatte Diethart Lehrmann mit seiner Inszenierung des „Jedermann“ in der Johanniskirche im Jahr 1991. Gründungsvorsitzender war Rudi Schwaiger, der es auch 20 Jahre lang blieb, bis ihm Adolf Gumberger für die nächsten acht Jahre nachfolgte. Seit 2016 steht mit Angela Flohr eine Frau an der Spitze der Laienspieler aus Freising.

Mehr als 140.000 sahen über 400 Vorstellungen

Nun sind Zahlen nicht unbedingt das Metier von kreativen Köpfen, doch die Laienbühne Freising hat Statistik geführt. Und die ist nach 30 Jahren beeindruckend: Aktuell blickt die Laienbühne Freising auf 35 Inszenierungen mit weit über 140.000 Besuchern in mehr als 400 Vorstellungen zurück. Die Kosten pro Inszenierung belaufen sich im Schnitt auf 40 000 bis 50 000 Euro. Kein Wunder, gab es doch schon mehrfach Inszenierungen, in denen vor bis zu zehn verschiedenen Bühnenbildern gespielt wurde. Die Planung und Ausführung liegt in den Händen des Technischen Leiters Bernhard Nadler. Die Laienspieler Freising verfügen über einen großen Fundus an Kostümen, der jedes Jahr mit neuen Kleidern vergrößert und von Elisabeth Reisch und Barbara Ziegltrum verwaltet wird.

Viel Vergnügen gab’s in dem turbulenten Boulevardstück „Hamburger Filiale“, das Regisseurin Margot Riegler im Jahr 2012 auf der Bühne des Asamtheaters in Szene setzte. Hier stoßen gut gelaunt miteinander an: Antje Schollweck, Evi Köhler, Toni Wiesheu und Anna Sperrer (v. l.).

Schlaglichter der 30-jährigen Vereinsgeschichte gibt es viele: Mit Mit dem Stück „Die Zauberpantoffel“ von Artur Wagner wagte man sich 1991 zum ersten Mal an ein Märchen.  An den Erfolg von damals möchte man heuer mit „Peterchens Mondfahrt“ anknüpfen. Unvergessen auch „Der Holledauer Schimmel“, der zum zehnjährigen Bestehen der Gruppe aufgeführt wurde. Noch ein Highlight: 2001 „Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben“. Und dann selbstverständlich die „Magdalena“, jenes Stück von Ludwig Thoma, mit dem die Akteure 2005 und 2011 auf der Oberberghausener Waldbühne die Herzen der Zuschauer rührten.

Die eine große Angst der Laienspieler war unbegründet

Jahrelang hing über der Laienbühne Freising die bevorstehende Asamsanierung wie eine dunkle Wolke: Wohin mit dem Fundus an Kostümen und Requisiten? Würden die Freisinger eine neue Spielstätte annehmen? Was passiert, wenn man den alten Charme des Asamsaals nicht mehr wie eine schützende Hand über sich hat?

Doch die Ängste waren unbegründet: 2017 strömte das Volk in die Luitpoldhalle. Georg Lohmeiers Königlich Bayerisches Amtsgericht, wieder unter der Regie von Wolfgang Schnetz, überzeugte und bewies, dass Erfolg nicht an einen Ort gebunden ist. Es ist eben nicht so sehr die Spielstätte, es ist die Qualität der Inszenierungen, die die Laienbühne Freising zum Magneten macht. Auch nach 30 Jahren.

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