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Geplantes Vorhaben

Transgourmet nach Lerchenfeld: Bürger sind außer sich

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Freising - „Schnapsidee!“ Das war noch eine der milderen Aussagen, die sich OB Tobias Eschenbacher bei der Bürgerversammlung in Lerchenfeld anhören durfte. Mit der geplanten Ansiedlung von Transgourmet in den Clemensängern machen sich er und die Stadt keine Freunde. „Schämen Sie sich!“

Der Oberbürgermeister wusste genau, wieso 150 Bürger am Mittwoch ins Lerchenfelder Bräuhaus gekommen waren, weshalb der Sauerstoff immer weniger und die Luft immer dicker wurde: Wegen der 275 Meter langen, 90 Meter breiten und 18 Meter hohen „Monster-Halle“ des Logistikers Transgourmet, wie die Gegner des Projekts das geplante Gebäude nennen. Kombibad, Innenstadt, Asam-Sanierung, Westtangente, B 301 Nordostumfahrung, Wohngebietsausweisungen – das alles zählte Tobias Eschenbacher auf.

Aber das alles interessierte an diesem Abend nicht wirklich. Nicht einmal die Aussage des OB, Ministerpräsident Horst Seehofer habe ihm am Dienstag nochmals persönlich bestätigt, er bleibe bei seinen doch sehr kritischen Aussagen zur dritten Startbahn, die er Ende 2015 in Attaching getätigt hatte, konnte die Anwesenden so richtig erfreuen.

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Denn auch wenn der OB auf eine spezielle Bürgerversammlung am 19. April verwies, machten die Bürger schon am Mittwoch ihrem Unmut über Transgourmet Luft. „Wir fühlen uns verraten und verkauft“, schimpfte einer unter dem Applaus der Zuhörer. Da solle offenbar „die Innenstadt aufgehübscht werden“ – und zwar zu Lasten der Menschen am Stadtrand. Vor allem der zu erwartende Lärm und der Lkw-Verkehr machen den Bürgern Sorge: Da habe man zehn Jahre gegen die Startbahn gekämpft – hoffentlich erfolgreich – und dann komme die Stadt und mache das alles kaputt. 

Den von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachten zu Lärm, Verkehr & Co. wolle man eh’ nicht glauben, die seien vielleicht bestellt, das kenne man ja vom Flughafen, so der Tenor. „Wir sind nicht der Flughafen“, sagte der OB. „Doch!“, beharrte eine Bürgerin. Dennoch, so Eschenbacher: Die Ergebnisse der Gutachten, die am 23. März öffentlich im Planungsausschuss präsentiert würden, müssten und würden eben zeigen, ob das Transgourmet-Projekt möglich sei oder wo noch Nachbesserungsbedarf bestehe.

"Schon der Gedanke ist verwerflich"

Auch die Argumentation des OB, die Verkehrszunahme auf dem Südring wäre wohl noch höher, würde man das Areal – wie im noch gültigen Bebauungsplan vorgesehen – an mehrere kleinere Gewerbetreibende veräußern, zog nicht so recht. „Aber nicht in der Nacht“, konterte eine Zuhörerin mit Verweis auf die vorgesehenen Aus- und Anlieferzeiten bis 22 und ab 4 Uhr. Was denn eigentlich die Stadt davon habe, wollte ein Bürger wissen. „Einen zweistelligen Millionenbetrag für den Grundstücksverkauf“, war die Antwort des OB, und dazu Einnahmen aus der Gewerbesteuer, die man aber schwer abschätzen könne, da sie von der jährlichen Wirtschaftskraft des Unternehmens abhingen. „Wer überlegt denn in der Stadt überhaupt?“, wollte eine Bürgerin wissen. Und eine andere ereiferte sich: „Schon der Gedanke der Stadt, Transgourmet dort anzusiedeln, ist verwerflich. Schämen Sie sich, Herr Eschenbacher!“

Jener Herr Eschenbacher, der dann aber schon einmal feststellte: „Man will halt Gewerbe im Gewerbegebiet ansiedeln.“ Und weil 23 Jahre nach Ausweisung der Clemensänger noch nicht einmal die Hälfte der Flächen veräußert worden sei, müsse man halt überlegen, ob das damals aufgestellte Vermarktungskonzept mit der Ansiedlung kleinerer Betriebe das richtige sei.

Als die Fragen im allgemeinen Getümmel und Geräuschpegel unterzugehen begannen, beendete der OB die Bürgerversammlung, blieb aber noch für Einzelgespräche an den Tischen da. „Ich versuche, der Letzte zu sein, der heute Abend geht."

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