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„Wir erleben Freisinger Kunden als gut informiert un d kritisch“, meint Conny Zaczek, die Chefin des Ludwigmarkts in Freising.

Schwere Zeiten für Pioniere

Überlebenskampf auf dem Bio-Markt: Freisinger Einzelhandel setzt auf eigene Stärken

Die Supermärkte werden für Naturkostfachgeschäfte zu einer immer größeren Konkurrenz. Inzwischen machen die Lebensmittel-Riesen mehr als die Hälfte des Umsatzes an Bio-Produkten. Im Überlebenskampf setzen die Einzelhändler auf die eigene Stärken – und manch neue Idee.

Landkreis – Georg und Roswitha Kottermair haben ihren Biohof in Rudelzhausen. Sie verkaufen ihre Produkte im Hofladen und am Markt, so zum Beispiel in Mainburg oder Wolnzach. Dabei liegt ihr Schwerpunkt aber in München. „Dort haben wenige Leute einen Garten und können nicht selbst anbauen“, sagt Roswitha Kottermair (66). Dennoch seien die Verkaufszahlen am Markt etwas rückläufig. Vor allem am Mittwoch. „Früher kamen viele junge Mütter mit ihren Kleinen. Jetzt gehen diese in die Kinderkrippe und die Mütter arbeiten. Da ist keine Zeit, um vormittags am Markt einzukaufen.“

58 Prozent des Umsatzes aus Bio-Produkten erwirtschaftet inzwischen der Lebensmitteleinzelhandel. Das geht aus Zahlen hervor, die von der Internet-Platform foodwatch.org veröffentlicht wurden. Demnach machen Naturkost-Fachgeschäfte nur noch 30 Prozent des Bio-Umsatzes. Zwölf entfallen auf Wochenmärkte, Hofläden, Metzgereien und Ähnliches. Die Bio- und Hofläden im Landkreis haben da nur eine Möglichkeit: ihre eigenen Stärken hervorzuheben.

Supermärkte bieten Bio an, aber in Plastikverpackung

Die Bio-Produkte im Discounter müssen zum Beispiel in Plastikfolie verpackt werden, um sie vor den Pestiziden der konventionellen Lebensmittel zu schützen, betont Roswitha Kottermair. „Wer Bio einkaufen und Plastik vermeiden will, muss zum Markt oder den Biohofläden gehen.“ An ihrem Stand kommt die Ware in Papiertüten, obwohl sie diese beim Einkauf mehr kosten. Ihr ist es ein großes Anliegen, so viel Plastik wie nur möglich zu vermeiden. In einer Aktion zu Weihnachten hat sie vergangenes Jahr daher Mehrwegverpackungen verschenkt.

Um neue Kunden anzuwerben und auf das Angebot des Kottermair-Biohofs aufmerksam zu machen, hat sie zusammen mit der Stadt Mainburg ein Werbebanner gestaltet und auch eine Homepage angelegt. Es fruchtet: „Ein bissl mehr Kunden kommen schon.“

Bioladen punktet in drei Bereichen

Auch Gertrud Fraunhofer (55) vom Tagwerk-Laden „Kleeblatt“ in Moosburg kennt schwankende Verkaufszahlen: „Im Jahresverlauf 2017 waren die Zahlen etwas rückläufig, jetzt steigen sie wieder.“ Das Sortiment des Bioladens besteht aus regionalen und nachthaltig produzierten Verbandswaren – auch bei Fleisch und Wurst. Diese Warengruppe hat strengere Richtlinien und wird stärker kontrolliert, als die Waren mit dem EU-Bio-Logo, die meist in den Discountern zu finden sind, erklärt Fraunhofer. „Die Leute können alles fragen und bekommen professionelle Beratung, zum Beispiel zum Thema Ernährung.“

Darauf setzt auch der Ludwigsmarkt in Freising, wie Verkäuferin Susanne Gattermeyer (46) sagt: „Wir punkten vor allem durch viel Service, eine hohe Freundlichkeit und gute Beratung.“ Den Bioladen gibt es seit fünf Jahren – und er hat sich bereits eine Stammkundschaft erworben. „Ich finde es schön, wenn Leute, die jahrelang am Schaufenster vorbeigegangen sind, ihren ersten Apfel kaufen und dann Kunden bleiben“, sagt Conny Zaczek (51), die Chefin des Ladens.

Generell findet sie, dass jeder, der Bio macht, eine Bereicherung sei. Trotzdem müsse man sich fragen, wie viel Bio hinter den Discounter-Produkten stecke. „Wir erleben Freising, als gut informiert und kritisch“, meint Zaczek. Die Kunden wollen genau wissen, woher die Produkte kommen und würden beispielsweise Erdbeeren im Winter gar nicht dulden.“


Rebecca Cischek

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