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Gas-Alarmstufe in Freising: Stadtwerke-Chef appelliert an alle Verbraucher - „Es ist jetzt kurz vor zwölf“

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Von: Manuel Eser

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Hand dreht am Gashahn
Bei einer Gasmangellage würde bei Freizeiteinrichtungen und industriellen Betrieben zuerst der Hahn abgedreht. Die Lage ist ernst. © Christian Ohde/Imago

Angesichts drohender Energie-Engpässe appelliert der Freisinger Stadtwerke-Chef an alle Verbraucher, Energie und Strom zu sparen. „Es ist kurz vor zwölf.“

Freising – Die Lage wird immer ernster. Nach der Frühwarnstufe Anfang März hat Wirtschaftsminister Robert Habeck jetzt die Alarmstufe ausgerufen – die zweite von drei Alarmierungsgraden, die der bundesweite Notfallplan Gas vorsieht. „Diese neue Entwicklung treibt uns schon um“, betont Dominik Schwegler, Geschäftsführer der Freisinger Stadtwerke, die Erdgaslieferant und Netzbetreiber für rund 6000 Anschlüsse sind.

Schon die Ausrufung der Frühwarnstufe habe es in der Geschichte Deutschlands noch nie gegeben. Jetzt ist die Situation noch brenzliger. „Damals war es elf Uhr, jetzt ist es kurz vor zwölf.“

Freisinger Stadtwerke bereiten sich auf den Worst Case vor

Waren die Freisinger Stadtwerke seit März bereits in Habacht-Stellung, bereiten sie sich nun auf den Worst Case vor: dass aufgrund eines möglichen Engpasses nicht mehr alle Kunden beliefert werden können. Grundsätzlich beziehen die Freisinger Stadtwerke ihr Gas über eine gemeinsame Gesellschaft, die aus einem Dutzend Stadtwerken besteht. „Diese Gesellschaft kauft das Gas bei verschiedenen Händlern ein“, berichtet Schwegler. „Allerdings sind die getroffenen Vereinbarungen teilweise hinfällig, sobald es zu einer Gasmangellage kommt.“

Dominik Schwegler, Geschäftsführer der Stadtwerke: „Es ist fünf vor zwölf.“
Dominik Schwegler, Geschäftsführer der Stadtwerke: „Es ist fünf vor zwölf.“ © LEHMANN

Denn sollte tatsächlich der Notfall, die dritte Stufe, eintreten, würde die Bundesnetzagentur (BNetzA) unter Federführung von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck als sogenannter Bundeslastverteiler das Ruder übernehmen. „Dann entscheidet die BNetzA, wie das Gas verteilt wird, und wer einsparen muss“, erläutert Schwegler. „Die Vorgaben der Bundesnetzagentur sind dann ausschlaggebend, welche Kunden wir noch beliefern dürfen, und welche Verbraucher von Abschaltszenarien betroffen sind.“

„Industrielle Betriebe hätten dann das Nachsehen“

Laut des Notfallplans, der auf EU-Richtlinien basiert, genießen private Haushalte sowie soziale Einrichtungen, zum Beispiel Krankenhäuser, Priorität. „Diese geschützten Verbraucher sollen möglichst bis zuletzt mit Gas zum Heizen versorgt werden“, erklärt Schwegler. „Industrielle Betriebe hätten dann das Nachsehen.“

Die Stadtwerke befinden sich daher in engem Austausch mit örtlichen Betrieben. „Es handelt sich um branchenübergreifende Abfragen, die wir ebenfalls streng nach den Vorgaben der BNetzA vornehmen“, sagt Schwegler. Die Fragen, mit denen sich Geschäftsleitungen derzeit konfrontiert sehen, drehen sich letztlich darum, inwieweit sie Gas substituieren, also durch andere Energiequellen ersetzen können. Die Antworten geben die Stadtwerke „nach oben weiter“, wie es Schwegler ausdrückt.

Drohender Gas-Mangel: „Jeder ist dazu aufgefordert zu sparen“

Das Ergebnis der Befragungen ist beunruhigend. Denn viele Unternehmen besitzen überhaupt nicht die technischen Voraussetzungen, um Gas zu substituieren. Die Folge: Muss die Versorgung mit Gas und damit die Produktion eingestellt werden, drohen erhebliche wirtschaftliche Schäden, betont Schwegler. „Entsprechend nervös ist die Stimmung in den Geschäftsleitungen.“

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Große Verantwortung kommt aber auch auf die Privathaushalte zu. „Jeder ist jetzt dazu aufgefordert zu sparen“, lautet der dringende Appell von Schwegler. „Das ist bei jeder Aktion, die mit Strom oder Heizen zu tun hat möglich.“ Duschen statt baden. Computer und Licht nicht die ganze Nacht oder ungenutzt eingeschaltet lassen. Sparmaßnahmen, die immer sinnvoll sind. Jetzt aber geht es darum, eine Gasmangellage und Turbulenzen für das ganze Land zu vermeiden. „Wir versorgen einen extrem großen Teil von Freising, etwa 75 Prozent. Da hilft jede gesparte Kilowattstunde. „Da hilft jede gesparte Kilowattstunde.“

Zwei Drittel des Verbrauchs entfallen auf Privathaushalte

Wie sehr es auf jeden Einzelnen ankommt, zeigt auch ein Blick auf den jährlichen Verbrauch. Von den rund 385 Millionen Kilowattstunden pro Jahr, die bei den Freisinger Stadtwerken anfallen, entfallen in etwa zwei Drittel auf Privathaushalte.

Auch die Stadtwerke selbst prüfen ihre Einsparpotenziale, zum Beispiel beim Freisinger Schwimmbad fresch. „Im Mai etwa haben wir nicht gegen die kalten Nächte eingeheizt“, berichtet Schwegler. „Das hat man an den Wassertemperaturen im Wettkampfbecken auch gemerkt.“ Das aber sei noch nichts im Vergleich zu einer Gasmangellage. Denn dann seien Freizeiteinrichtungen, egal ob es um Sport, Vergnügen oder Wellness geht, bei der Einstellung von Gaslieferungen mit die ersten, denen der Hahn abgedreht wird.

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