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Auf enormes Interesse stießen die Ergebnisse der ersten Ultrafeinstaubmessungen rund um den Flughafen. Der Saal des Grünen Hofs war rappelvoll.

Ultrafeinstaub-Partikel

Bürgerverein meldet „erschreckend hohe Werte“

Sie sind so klein, dass man sie nicht wiegen, sondern nur zählen kann: Ultrafeinstaubpartikel (UFP). Der Bürgerverein Freising hat sie im Umfeld des Flughafens gezählt. Ergebnis: Der Airport sei eine „UFP-Quelle ersten Ranges“. Und das sei „erschreckend“. Die FMG kommentiert das nicht – solange es hier keine anerkannten Standards gebe.

Freising – 6000 Euro hat das Messgerät gekostet, mit dem der Bürgerverein Freising zur Vermeidung von Lärm- und Schadstoffbelastungen jetzt 15 Messfahrten unternommen hat. In einem rappelvollen Saal des Grünen Hofs hat man am Montag die ersten Ergebnisse präsentiert. Und die ließen aufhorchen: Mehr als das 20fache der Grundbelastung wurde gemessen.

Wie Wolfgang Herrmann vom Bürgerverein erläuterte, habe man bei den Messfahrten die UFP-Belastung pro Kubikzentimeter auf der „Luv-Seite“ des Flughafens, also da, „wo der Wind herkommt“, und auf der „Lee-Seite“, also da, „wo der Wind hingeht“, gemessen. Auf der Luv-Seite habe man 2500 bis 3500 UFP pro Kubikzentimeter gezählt. Und auf der Lee-Seite? In Lerchenfeld zwischen 35 000 und 40 000 Partikel, an der Stoibermühle 68 000, am Sportplatz Marzling 75 000, am Terminal 1 sogar 115 000. Zum Vergleich: Am Mittleren Ring in München zähle man rund 20 000 UFP. Diese Zahlen seien „erschreckend hoch“, sagte Herrmann. Wichtig: Andere Einflüsse wie Autoverkehr oder Hausbrand seien als Verursacher auszuschließen beziehungsweise mit einer Größenordnung von rund 3000 UFP zu vernachlässigen. Fazit: Der Flughafen sei „eine UFP-Quelle ersten Ranges“. Ähnliche Messungen an den Airports in Los Angeles oder Kopenhagen würden diese Ergebnisse bestätigen.

Der FMG sei die Problematik des Ultrafeinstaubs durchaus bekannt, sagte Herrmann. Weil solche Messungen aber „Neuland“ seien und es (noch) keine gesetzlichen Grenzwerte für UFP gebe, schwärme die FMG in ihren Broschüren lieber von „guter Luft“. Herrmann: „Da fehlen uns die Worte.“

FMG-Pressesprecher Ingo Anspach bestätigt, dass es für solche UFP weder standardisierte Messverfahren noch anerkannte Bewertungsmaßstäbe gebe. Und so lange das so sei, werde die FMG den Ultrafeinstaub auch nicht messen, sondern sich an die Vorgaben des Bundesemissionsschutzgesetzes halten. „Es kann ja nicht jeder mit irgendeiner Methode messen, wie er gerade will.“ Und deshalb werde man auch so lange die Messergebnisse Dritter nicht kommentieren.

Dass diese UFP eine viel größere Gefahr für die Gesundheit darstellten als die Feinstäube, die die FMG misst, machte die Freisinger Lungenfachärztin Adelheid Bisping-Arnold am Montag deutlich: Anders als Feinstaubpartikel, die vom Körper gefiltert und über Husten und Schleim wieder heraustransportiert werden könnten, sei das bei den etwa hundert Mal kleineren Ultrafeinstaubpartikeln nicht möglich: Die UFP könnten die Bronchien nicht filtern, sie verteilten sich über das Blut in andere Organe. Nachgewiesen sei deshalb, dass solche UFP in einem ursächlichen Zusammenhang nicht nur mit Lungenkrankheiten wie Asthma, COPD oder Lungenkrebs, sondern auch mit Gehirntumoren, Herzinfarkten, Leukämie und Alzheimer stünden. Man müsse also alles dafür tun, dass nicht noch mehr UFP ausgestoßen werden. Die dritte Startbahn, die die Flieger noch näher an die Wohnbebauung heranbringe und mehr Flugverkehr erzeuge, müsse verhindert werden.

Als Ultrafeinstaubpartikel werden Partikel bezeichnet, die einen Durchmesser von 0,1 Mikrometer und kleiner haben. Sie entstehen bei unvollständigen Verbrennungen, also überwiegend im Verkehr und können eine erhebliche Gefahr für die Gesundheit darstellen, wie auch Dr. Alexandra Schneider vom Helmholtz-Zentrum München auf Nachfrage bestätigt. „Wenn man diese Partikel einatmet, legen sie sich in der Lunge auf bestimmte Rezeptoren“. Dadurch könne sich die Herzrate verändern, was langfristig das Risiko eines Herzinfarkts oder eines Schlaganfalls erhöhe. Sie bestätigt die Aussage ihrer Kollegin Bisping-Arnold: Die UFP würden sehr leicht in die Blutbahn gelangen. „So werden sie zu jedem Organ direkt transportiert“, sagt Schneider, „auch ins Gehirn.“

Grenzwerte gebe es keine, weil das Thema nach Ansicht der WHO noch nicht ausreichend erforscht sei. „Einerseits gibt es noch nicht genügend Studien, andererseits wird die Belastung noch nicht routinemäßig gemessen. Hier drehen wir uns im Kreis“, sagt die Forscherin. Bei der Beurteilung von Messergebnissen müsse man jedoch vorsichtig sein. Denn die kleinen Partikel verklumpen sehr schnell und werden dann größer – „jeder Meter Abstand zählt“. Dass die Belastung gerade an Einflugschneisen von Flughäfen sehr hoch ist, würden jedoch Studien aus anderen Ländern belegen. Ein objektives Bild könne jedoch nur ein Gutachten liefern.

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