DAV-Chef warnt vor Übermut

Unfallbilanz in den Bergen: Grat der Gefahr ist schnell überschritten

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Freising - Leicht gestiegen ist laut Bilanz des Deutschen Alpenvereins (DAV) die Zahl der Bergunfälle im vergangenen Jahr. Immer mehr Leute begäben sich unnötig in Gefahr, weil sie auf ihr Handy im Rucksack als mobilen Nothelfer zählen, kommentiert der DAV. Freisings Sektionschef Christian Rester bestätigt das teilweise, sieht aber auch andere Gründe.

„Um es vorweg zu sagen: Wir sind in der Vergangenheit – bis auf ein paar Bergungen – von tragischen Kletter-Unfällen unserer Mitglieder verschont geblieben.“ Und der Freisinger DAV-Vorsitzende Christian Rester muss es wissen. Denn wenn einem Freisinger Sektions-Mitglied etwas in den Bergen passiert, dann flattert die Nachricht davon auch auf seinen Schreibtisch.

Die Alpinabteilung ist die Wurzel des DAV, betont Rester: „Da kommen wir ja her.“ Und weil die Freisinger seit Jahrzehnten auf den Rat und die Erfahrung der Sektion (mehr als 4500 Mitglieder) zählen, gehen die Zahlen stetig nach oben – und das in einem Bereich, den sich andere Vereine nur wünschen können: „Wir haben jährlich etwa 200 bis 300 Neuzugänge“, erklärt Rester.

Der große Magnet sei freilich derzeit die neue Kletterhalle. „Rund 4000 Interessierte nutzen sie jährlich“, sagt Rester. „Aber wir haben viele Neuzugänge, die ihre Kletterfähigkeiten auch an richtigen Felsen und im Gebirge einsetzen wollen.“ Beides halte sich in der Statistik „so Fifty-Fifty die Waage“.

Um ihren Mitgliedern ein Maximum an Sicherheit mit auf den alpinen Weg oder den Klettersteig zu geben, setzen die Freisinger in ihren Kursen auf zwei große „A“: Aufklärung und Ausbildung: „Diese beiden Faktoren liegen mir und meiner Mannschaft ganz stark am Herzen“, sagt Christian Rester angesichts der rund 1100 Bergunfälle, die der DAV-Gesamtverband in seiner Bilanz ausweist.

Während die Experten vor allem das Handy als mobile Triebfeder sehen, die ungeübte Alpinisten in Gefahr treibt, weil die sich ja dank ihres elektronischen Nothelfers in Sicherheit wiegen, sieht das Rester differenzierter: „Das mag wohl ein Aspekt sein. Ich glaube jedoch, dass viele Alpinisten oft ganz bewusst an ihre Grenzen gehen oder sich ihren konditionellen und technischen Grenzen sowie dem Anspruch der Tour gar nicht bewusst sind.“

Da wolle sich manch einer eben austesten – und merke nicht, dass ihm die nötigen Fähigkeiten dazu fehlen: „Und das ist verwerflich.“ Dabei spiele der Gedanke an das Handy im Rucksack eher nicht die Hauptrolle. Es wurde auch diskutiert, ob Gratwanderungen geahndet werden und die Geretteten zur Kasse gebeten werden könnten: „Es ist aber nur schwer nachzuweisen, dass ein provoziertes Wagnis zu einem Bergwachteinsatz führte.“ Einen Risikofaktor habe Rester selbst oft genug beobachtet: Oftmals würden anspruchsvolle Touren zu spät gestartet: „Dann kommt man in die Nacht hinein und damit in Lebensgefahr.“

Zudem gebe es ein Phänomen, das gerade in der heutigen Zeit zu brenzligen Situationen im Gebirge führe: „Das Mithalten-Wollen mit anderen Alpinisten, die einem konditions- und technikmäßig weit überlegen sind, ist auch ein großer Risikofaktor.“ Da gebe es laut Rester einige Touren, „die man gemacht haben muss“, wie es so schön heiße, die sich aber für überambitionierte Kletterer allzu oft als Wege ins Krankenhaus herausstellten.

Rubriklistenbild: © dpa

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