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Ein kräftiges Unwetter mit Hagel ist am Pfingstmontag durch den Landkreis Freising gezogen.

Zahlreiche Unwetterschäden

Hagel-Walze verwüstet Region Freising: Autos kaputt, Zug rammt Baum - Video zeigt ganzes Ausmaß

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Demolierte Autos, Überflutung, Zugausfälle, vernichtete Ernte: Ein Unwetter hat am Pfingstmontag im Landkreis Freising viel Unheil angerichtet.

  • Ein schweres Unwetter fegte am Pfingstmontag über Teile Bayerns.
  • Im Landkreis Freising sorgten Hagel und Starkregen für Überflutungen und Schäden.
  • Die Feuerwehr war im Landkreis Freising im Dauereinsatz.
  • Eine regelrechte Hagel-Walze fegte über den Landkreis Freising.
  • Alle Informationen zur Unwetter-Lage im Landkreis Freising hier im News-Ticker.

+++ Aktualisieren +++

14.30 Uhr: Inzwischen haben uns zahlreiche Videos von Usern erreicht: Sie machen das ganze Ausmaß der Naturgewalten beim Unwetter am Pfingstmontag noch deutlicher. Uns wurden Aufnahmen aus dem gesamten Landkreis Freising geschickt - via Facebook und Instagram. Vielen Dank dafür! Nachfolgend haben wir eine Auswahl an spektakulären Szenen für Sie zusammengefasst.

Update vom 11. Juni 2019, 11.00 Uhr: Nach der turbulenten Nacht hat inzwischen die Feuerwehr Neufahrn eine erste Bilanz gezogen. Sie war im südlichen Landkreis, wo das Unwetter mit seiner zerstörerischen Hagel-Walze besonders wütete, viele Stunden im Dauereinsatz. 

Der erste Alarm wurde gegen 18.21 Uhr ausgelöst. In der Folge waren zwölf Fahrzeuge unterwegs, deren Besatzungen zu 27 Einsätzen eilten. „Insgesamt waren 91 Feuerwehrfrauen und -männer im Einsatz“, berichten die Verantwortlichen.

Feuerwehr berichtet nach Unwetter über Fürstenfeldbruck von Schäden

„Vollgelaufene Keller, teils erheblich unter Wasser stehende Tiefgaragen und umgestürzte Bäume auf Straßen und auch Häuser waren heute unser Einsatzspektrum“, schrieb Feuerwehr-Sprecher noch in der Nacht. Mit Hochleistungs-Saugern, Wasserpumpen und Motorsägen, einer Drehleiter und dem Radlader der privaten Firma rückten die Helfer den Problemen zu Leibe. 

Besondere Gefahr ging von einem entwurzelten Baum in der Albert-Einstein-Straße in Neufahrn aus, der auf eine Hausecke gefallen war, sich dort glücklicherweise verfing und nun beim weiter Umstürzen ein Nachbargebäude bedrohte. Erst nach Mitternacht war die Einsatzbereitschaft wieder hergestellt und die Ehrenamtlichen konnten erschöpft nach Hause gehen. „Viel Lob gab es von der Bevölkerung und das hat uns gefreut und, wenn man ehrlich ist, auch gut getan!“

Die Feuerwehr Neufahrn hat ihren Einsatz in zahlreichen Bildern dokumentiert - aber auch viele Leser und User haben unserer Zeitung Fotos vom Unwetter im Landkreis Freising geschickt.

Fotos: So wütete die Hagel-Walze in der Region Freising

Erstmeldung: Unwetter im Landkreis Freising - Hagel, Sturm und Regen sorgen für Chaos

Landkreis Freising - Manche waren durch Wetter-Apps auf dem Handy vorgewarnt, andere hat es eiskalt erwischt: Am frühen Abend des Pfingstmontags ist eine heftige Gewitterfront durch den Landkreis Freising gezogen und hat dabei mancherorts eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Da das Unwetter aus Richtung München kam, waren vor allem die südlichen Orte im Landkreis stark betroffen. Aber auch in der Stadt Freising und weiter bis in die Hallertau wütete das Gewitter.

Nach den Verwüstungen vom Montag soll es am Dienstag sogar eine Wiederholung des Unwetter geben. Das Wetter in Deutschland kann gefährlich werden.

Südlicher Landkreis Freising: Hagel zerbeult Autos

Nachdem das Unwetter auf seinem Weg von Süd nach Nord im Großraum München schon heftige Ausmaße angenommen hatte - unter anderem wurden Vögel vom Hagel getötet, Fahrzeuge durchlöchert und Fassaden zerfetzt -, erreichten die ersten Ausläufer gegen 18 Uhr die Gemeinden Eching, Neufahrn und Hallbergmoos. In Windeseile wurden dort Straßen vom Starkregen überflutet, Hagelkörner in einer Größe zwischen Murmeln und Golfbällen prasselten hernieder und verwandelten Gärten und Dächer kurzzeitig in bizarre Winterlandschaften. In Goldach stürzte durch die Windböen ein Strommast um.

In Eching wurden unter anderem Jalousien vom Hagel durchsiebt.

Die Wucht des Hagels war stellenweise so enorm, dass nicht nur Pflanzen regelrecht niedergemäht wurden, sondern auch Autos zerbeult wurden. Leser Alex K. hat es nach eigenen Angaben besonders schwer erwischt: „Beide Autos sind Totalschaden, keine Stelle ohne mega Delle“, schreibt er verzweifelt auf Facebook. Entsetzen herrscht auch bei vielen Gartenfreunden in der Region. Neufahrns SPD-Gemeinderätin Beate Frommhold-Buhl etwa beschreibt: „Die Pfingstrosen sehen aus, als wäre ein Elefant durchgetrampelt.“ Überall liegen Äste herum, selbst eine Stunde nach dem Unwetter stehen Straßen noch unter Wasser.

Flughafen München, S-Bahn: Umgeleitete Flieger, Zugausfälle, gestrandete Urlauber

Auch am Flughafen München, wo am Abend viele Reisende von ihrem Pfingst-Trip zurückkehren, sind die Auswirkungen des Unwetters zu spüren: Die Arbeit auf dem Vorfeld wird eingestellt, Flugzeuge ziehen derweil im niederbayerischen Luftraum Warteschleifen. Als die Passagiere dann doch irgendwann aus den gelandeten Maschinen steigen können, sitzen viele von ihnen am Airport fest: Die S-Bahnen S1 und S8 nach Freising und München musste die Bahn außer Betrieb nehmen, da umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste die Oberleitungen an mehreren Stellen beschädigt hatten. Auch Plätze in Bussen, Taxis oder Carsharing-Fahrzeuge sind nach kürzester Zeit Mangelware, der Schienenersatzverkehr kommt derweil nur schleppend in Gang.

Land unter herrschte nach dem Unwetter in Neufahrn.

Auch auf der Zugstrecke München-Landshut herrscht Chaos für die Fahrgäste. Der ALEX beispielsweise muss wegen der Gewitter-Schäden aus Norden kommend in Landshut umkehren. In Moosburg musste am Abend der Flughafenexpress evakuiert werden. Nachdem auch hier ein Baum in die Oberleitung geraten war, halfen Mitglieder der örtlichen Feuerwehr und der BRK-Bereitschaft Freising den 64 Passagieren aus dem Zug. Auch ein Notfallmanager der Bahn war vor Ort. 

Unwetter in Freising: Lerchenfeld besonders betroffen - Feuerwehren im Einsatz

Im Freisinger Stadtgebiet kommen während und nach dem Gewitter mit Hagel, Sturm und Starkregen vor allem aus Lerchenfeld viele Schadensmeldungen. Petra Baumgartner von der gleichnamigen Gärtnerei an der Kepserstraße muss nach dem vorübergezogenen Gewitter auf ein Desaster blicken: Zwar sind ihre Gewächshäuser heil geblieben, dafür stehen die Ackerflächen unter Wasser und der erntefertige Salat ist hinüber. 

Video: Extremwetter auch am Wörthsee

Die Hagelkörner haben ihn in grünen Matsch verwandelt. Auch für die Zucchini sieht es düster aus. „Das richtige Ausmaß sehen wir wohl erst morgen, wenn das Wasser weg ist“, sagt Baumgartner. „Im schlimmsten Fall sind zirka 10.000 Jungpflanzen kaputt.“

Die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr sind derweil laufend im Einsatz - sprechen aber auf Nachfrage unserer Zeitung am frühen Abend von einem überschaubaren Ausmaß der Unwetter-Auswirkungen. Die Feuerwehr ist mit rund 20 Kräften im Einsatz, weitere Ehrenamtliche halten sich auf der Wache in Bereitschaft. 

Meist geht es bei den Alarmierungen um überflutete Keller und Straßen oder das Entfernen von Bäumen und Ästen. Ein Mitglied der Feuerwehr spricht von „eher lokalen Gewitterzellen“, großflächige Schäden seien in Freising nicht bekannt. Die Polizeibeamten werden vor allem durch die Überprüfung von Alarmanlagen in Atem gehalten, wie ein Sprecher berichtet: „Durch das Unwetter sind bei mehreren Firmen die Anlagen ausgelöst worden. Das ist Standard bei solch einem Gewitter. Da spielen dann die elektronischen Kontakte verrückt.“

Hilfsbereitschaft nach Unwetter: Nachbar bietet auf Facebook Geschädigten Unterstützung an

Eine versöhnliche Anekdote findet sich an diesem turbulenten Abend des Pfingstmontags in einer örtlichen Facebook-Gruppe: In „Treffpunkt Freising“ bietet User Martin P. spontane Hilfe für seine Stadtteil-Nachbarn an. Er schreibt: „Wohnt jemand in Lerchenfeld und braucht aktuell Unterstützung nach dem Sturm im und rund ums Haus?“ Er wohne am Schwimmbad, schreibt P., und könne „schnell zur Hilfe kommen“. Das selbstlose Angebot des Freisingers sorgt bei vielen Gruppenmitgliedern für Begeisterung und Dankbarkeit. „Mega Aktion, find ich klasse“, lautet nur einer von vielen Kommentaren. 

Für den begeisterten Fotografen Nicolas Keckl aus Freising bot sich dieser spektakuläre Anblick.

Relativ glimpflich scheint der Abend für Bewohner des Ampertals, von Moosburg und der Hallertau augesgangen zu sein. Zwar wurde auch aus Gemeinden wie Mauern oder Attenkirchen noch Hagel gemeldet, die Dimension des Unwetters scheint dort jedoch deutlich geringer gewesen zu sein. Von Schäden größeren Ausmaßes in der Landwirtschaft, insbesondere bei den Hopfenpflanzern der Holledau, war bei Redaktionsschluss noch nichts bekannt.

Dramatische Bilder: So brutal wütete das Hage-Unwetter im Großraum München

Kaputte Autos und zersplitterte Fensterscheiben - in Sekunden hatte das Unwetter in München und dem Umland eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Doch wer zahlt den Schaden? 

Der Hagelsturm vom Montag war nicht nur für Menschen gefährlich, auch Tiere sind zu Schaden gekommen. Rehe, Vögel und Pferde etwa. An Land konnten sie nicht, an Bord schützte sie nur eine Plane: Segler Alex Beck harrte mit seiner Frau eine Stunde lang im Hagelsturm auf seinem Boot aus. Er kritisiert die späte Sturmwarnung am Ammersee.

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