Das Bild zeigt die Schul-Containeranlage an der Erdinger Straße in Freising
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In der Containeranlage an der Erdinger Straße sind für mögliche SEJ-Klassen keine Unterrichtsräume verfügbar.

Diskussion um das Sozialpädagogische Einführungsjahr

Freisinger Räte sehen verkürzte Erzieherausbildung „kritisch“

Die Möglichkeit einer verkürzten Erzieherausbildung von fünf auf vier Jahren sehen sehen einige Freisinger Kreisräte skeptisch.

Die Ausgangslage

Es soll der Motivation dienen, um mehr Leute in den Beruf zu bekommen: Eine Verkürzung der Erzieherausbildung ab dem Schuljahr 2021/2022. Statt zwei Jahre die Berufsschule für Kinderpflege zu besuchen, können die Auszubildenden mit mittleren Schulabschluss eine Vorbildung im Sozialpädagogischen Einführungsjahr (SEJ) durchlaufen. Im Anschluss gehen die Anwärter noch drei Jahre an die Fachakademie für Sozialpädagogik.

Der Rahmen

Wie schon beim Schulversuch Optiprax für Schüler mit Fachhochschulabschluss sind für das SEJ Kooperationsverträge mit den Trägern von sozialpädagogischen Einrichtungen zu schließen. In diesem ersten Jahr erhalten die Interessierten eine Praktikumsvergütung. Aber: Mit dem SEJ erhalten die Schüler keinen Ausbildungsabschluss, ganz im Gegensatz zum Besuch der Berufsfachschule für Kinderpflege. Allerdings besteht die Möglichkeit, danach direkt in die Fachakademie zu wechseln. Ab dem kommenden Jahr soll das SEJ an allen Fachakademien für Sozialpädagogik eingeführt werden. Das Berufliche Schulzentrum Freising will diesbezüglich früh genug den Schritt in die richtige Richtung machen und so schnell wie möglich diese Möglichkeit anbieten.

„Ein Unding“

Für Bönig ist das eher ein Unding: „Verkürzungen in einem Beruf, der immer anspruchsvoller wird? Finde ich nicht gut!“ Hingegen als „dringlich erforderlich“ bewerte Johann Sailer (FW) dieser Verkürzung, um den Beruf attraktiver zu machen - fünf Jahre Ausbildung gäbe es seiner Meinung nach bei keinem anderen Beruf. Hier hakte allerdings Bönig nach: „Verkürzen wir dann bei Ärzten auch?“ Auch der Leiter der Berufsschule Freising Daniel Spreng sieht eine Verkürzung eher „kritisch“. Es sei allerdings erst mal ein Zusatzangebot. Der Theorie-Anteil, so Spreng, bleibe ja gleich. Gespart werde bei den Praxis-Stunden der Ausbildung. Seiner Meinung nach könnte eine Verkürzung unter Umständen eine Motivation sein, sich zu bewerben.

Ein Problem

Für Samuel Fosso (FSM) stand aber ein ganz anderes Problem des Kreises im Vordergrund: die Suche nach einer Räumlichkeit für mögliche neue Schüler. Vielleicht, sagte Fosso, erledigt sich das ganze ja von selbst, wenn gar keine Räume gefunden werden. Denn die räumliche Situation am Beruflichen Schulzentrum ist nach wie vor angespannt.

Die Bestandsaufnahme

Also wohin mit einer neuen Klasse? Aktuell ist es eng: Acht der 14 Unterrichtsräume in der Container-Anlage Erdinger Straße werden schon von der Berufsschule besetzt. Die restlichen nutzt zurzeit das Gesundheitsamt und das Contact-Tracing-Team CTT – danach sollen die Räume eigentlich für die Wirtschaftsschule priorisiert werden. Somit, und das gibt der Sachbestand-Bericht her, seien keine weiteren Unterrichtsräume in der Container-Anlage verfügbar.

Was noch erschwerend dazukommt: Die Pacht für die Container endet Ende August 2023 – eine Verlängerung sei nach dem jetzigen Erkenntnisstand nicht möglich. Das spiegelte sich dann auch im Beschluss-Antrag wieder: Das Einvernehmen des Sachaufwandträgers zur Beantragung des SEJ werde unter der Voraussetzung erteilt, dass bis zum Neubau der Berufsschule kein zusätzlicher Raumbedarf ausgelöst werde. Heißt: Die neue Klasse muss vorerst in der Berufsschule oder dann in den Containern Platz finden.

Die Raumanalyse

Für 2023/2024 wird die Verwaltung beauftragt, den bis dahin entstehenden Raumbedarf zu untersuchen. Die Berufsschule, so Florian Plejer vom Hoch- und Tiefbau, könne man schließlich räumlich nicht weiter auspressen wie eine Zitrone. Der Antrag wurde mit einer Gegenstimme auf den Weg gebracht.

RICHARD LORENZ

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