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Stadtbrandinspektor Oliver Sturde, Freiwillige Feuerwehr Freising.
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Neuer Chef: Oliver Sturde ist seit 1. August Freisinger Stadtbrandinspektor.

„Wir müssen die Ausbildung weiter fördern“

Viele Aufgaben zu meistern: Freisings neuer Stadtbrandinspektor Oliver Sturde im Interview

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Oliver Sturde ist der neue Freisinger Stadtbrandinspektor. Im Interview spricht er über die Herausforderungen, die sein Amt mit sich bringt, und erklärt, was ihm am Herzen liegt.

Freising – Erst Stellvertreter, dann Chef: Der neue Freisinger Stadtbrandinspektor heißt Oliver Sturde. Der Nachfolger von Anton Frankl wurde am 9. Juli unter besonderen Umständen – nämlich in einer Open-Air-Versammlung – von seinen aktiven Kameraden zum Stadtbrandinspektor gewählt, kurze Zeit später von den Stadträten als Kommandant bestätigt. Zitat aus dem Sachbericht: „Die fachlichen Voraussetzungen liegen vor.“ Aber nicht nur fachlich ist der 53-Jährige für das Amt gerüstet, wie im Interview mit dem Freisinger Tagblatt deutlich wird.

Herr Sturde, seit 1. August sind sie Stadtbrandinspektor und zugleich Kreisbrandmeister für die Feuerwehren in Achering, Attaching, Freising, Haindlfing, Hohenbachern, Pulling, Sünzhausen und Tüntenhausen. Macht Ihnen das Freude?

Die Amtsperiode der beiden bisherigen Kommandanten wurde wegen Corona und den damit verbundenen Einschränkungen um drei Monate verlängert. Für uns als Feuerwehr gilt es heute noch, strengere Verhaltensregeln zu beachten. Der Amtswechsel fiel deshalb auf den 1. August. Ich sehe die Übernahme des neuen Amts als eine besondere Aufgabe und Herausforderung an, die meine ganze Erfahrung fordern wird. Besonders freue ich mich auch auf die Zusammenarbeit mit unseren Ortsteilfeuerwehren, die für die Sicherheit im Stadtgebiet eine unschätzbare Bedeutung haben.

Seit 18 Jahren konnten Sie sich als Stadtbrandmeister und Vertreter von Anton Frankl auf diesen „Job“ vorbereiten. Mussten Sie noch überlegen, ob Sie zur Wahl antreten?

Ich glaube, ich durfte in den letzten Jahren genügend Situationen miterleben und habe dadurch einen Einblick in das Aufgabenfeld des Kommandanten bekommen. Nachdem mein Vorgänger nach drei erfolgreichen Amtsperioden ein weiteres Mal nicht mehr kandidierte, befasste ich mich ernsthaft mit einer möglichen Nachfolge. Mit dem Rückhalt und dem ermutigenden Zuspruch der Mitglieder war es für mich letztlich eine Ehrensache, den Mitgliedern meine Kandidatur anzubieten. Der Ausgang der Wahl vor wenigen Wochen macht mich schon stolz.

Die Feuerwehr in ihrer jetzigen Form zu erhalten und weiterzuentwickeln, hat oberste Priorität.

Oliver Sturde

In welchen Bereichen sehen Sie in den kommenden Jahren die größten Herausforderungen für das städtische Feuerwehrwesen? Wo sollte sich etwas ändern? Und wo läuft es schon sehr gut?

Hier möchte ich vier Punkte nennen, die mir wichtig sind. Erstens: Freising ist eine lebenswerte Stadt mit einer gut aufgestellten und leidenschaftlichen Feuerwehr, in der zahlreiche hoch motivierte Bürgerinnen und Bürger heute freiwillig und ehrenamtlich ihren Beitrag zur Sicherheit in dieser Stadt leisten. Diese Feuerwehr, in ihrer jetzigen, ehrenamtlichen Form zu erhalten und weiterzuentwickeln, hat für mich oberste Priorität. Dabei gilt mein besonderes Augenmerk aber immer zuerst der Sicherheit und der Förderung meines Feuerwehrpersonals. Darüber hinaus gilt es in Zukunft auch weiterhin, die Kameradschaft und den Teamgedanken, insbesondere zusammen mit dem Feuerwehrverein, zu fördern und zu erhalten. Es ist für mich ein wichtiger Teil unserer Stadtkultur in Freising. Das gilt ausdrücklich für alle Feuerwehren im Stadtgebiet.

Zweitens: Wir als Feuerwehr sind gut aufgestellt und arbeiten als Team hervorragend zusammen. Auf unsere Nachwuchsarbeit legen wir traditionell großen Wert. Sie ist unsere stete Quelle an jungen, begeisterten Feuerwehrlern. Die Nachwuchsarbeit gilt es unter allen Umständen weiter fortzusetzen und auszubauen. Denn wir brauchen die Jugendlichen, um die Leistungsfähigkeit auch künftig zu festigen. Und nicht zuletzt bekommen die Jugendlichen fast nebenbei in dieser Zeit eine Orientierung, wie wichtig das Ehrenamt ist – und dass es auch Spaß und Freude macht.

Was ist noch wichtig?

Der dritte Punkt ist die bedarfsgerechte Ausrüstung und Weiterentwicklung der Feuerwehr und damit Vorbereitung auf künftige Aufgaben. Alles, was notwendig ist, ja, aber immer mit Verstand und Augenmaß. Mit der Westtangente und dem Vöttinger Straßentunnel schlagen wir ein neues Kapitel in der Feuerwehrausbildung auf. Im Straßentunnel-Einsatz ist vieles anders, die Dimensionen mit langen Anmarschwegen und den räumlichen Strukturen sind Neuland. Hier müssen wir neue taktische Lösungsansätze trainieren.

Eine gute Ausbildung gibt Selbstvertrauen und Sicherheit.

Oliver Sturde

Viertens: Wir müssen die Ausbildung weiterhin fördern, denn schwierige Situationen erfordern eine fundierte Ausbildung und ein gutes Training. Nur durch intensive praktische und theoretische Ausbildung kann die Vielzahl der Aufgaben und Einsatzsituationen professionell gelöst werden. Mein Fazit aus über 20-jähriger Ausbildungsarbeit: Eine gute Ausbildung gibt Selbstvertrauen und Sicherheit, insbesondere in schwierigen Einsatzsituationen.

Und dann wäre da noch Corona: Die notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie machen auch vor dem Feuerwehrleben nicht halt. Die Einschränkungen im Dienstbetrieb hat sich zuvor niemand so vorstellen können. Eine Reduzierung des Ausbildungsbetriebs und das Einfrieren des Vereinslebens trifft uns alle – eine echte Bewährungsprobe für das Ehrenamt Feuerwehr. Die Leistungsfähigkeit zu erhalten, ist eine der Herausforderungen, denen ich mich weiterhin stellen werde.

Wie groß sind die Hoffnungen, dass es nun doch bald etwas wird mit der Erweiterung und dem Neubau der Lerchenfelder Wache?

Ich war als Zuhörer in der Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses und erleichtert über die Freigabe zur Fortsetzung der Planungen für die Feuerwache in Lerchenfeld. Ein zeitgemäßes Feuerwehrhaus ist dort schon lange überfällig. Der bauliche Zustand und die beengten Verhältnisse laden nicht zum Mitmachen bei der Feuerwehr ein. Ich hoffe auf eine schnelle Verwirklichung des Projekts, um die Attraktivität des Ehrenamts dort zu steigern und die Sicherheit der Bürger zu erhöhen.

Respekt, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt sind prägende Elemente.

Oliver Sturde

Werden Sie einen anderen Führungsstil als Ihr Vorgänger pflegen?

Als neuer Stadtbrandinspektor übernehme ich eine bestens funktionierende Feuerwehr. Seit jeher sind gegenseitiger Respekt, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt prägende Elemente. Ich möchte mit einer kooperativen, kommunikativen und kameradschaftlichen Zusammenarbeit auf Augenhöhe bei allen Feuerwehrangehörigen die Motivation für den Feuerwehrdienst erhalten. Natürlich erfordert der Einsatzdienst bisweilen eine straffere Form der Führung als der allgemeine Dienstbetrieb. Gerade im Ehrenamt ist hier ein besonderes Fingerspitzengefühl gefragt.

Wollten Sie schon immer Feuerwehrmann werden? Immerhin sind Sie seit 1984 Mitglied der Freisinger Wehr.

Nein, ich kam während meiner Ausbildungszeit mit einem Kollegen zusammen, der selbst einmal aktives Mitglied in Freising war. Er organisierte über seinen damals hier aktiven Sohn für mich den ersten Besuch eines Übungsabends. Seitdem hat mich das Feuerwehrleben nicht mehr losgelassen. Die dort gelebte Kameradschaft imponiert mir – damals wie heute.

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Wie lässt sich diese verantwortungsvolle und sicher auch zeitraubende Aufgabe mit Ihrem Beruf vereinen? Und was sagt die Familie dazu?

Ich habe einen verständnisvollen Arbeitgeber, der mich hierbei, soweit möglich, unterstützt. Die für die Bewältigung der Aufgaben notwendige Zeit bringe ich wie jedes unserer Mitglieder in der Freizeit auf. Meine Familie trägt meine ehrenamtliche Tätigkeit verständnisvoll mit und unterstützt mich, wo es geht. Ohne den Rückhalt meiner Familie und ihr Verständnis wäre ich heute nicht in dieser Position.

Was ist eigentlich Ihr liebstes Feuerwehrfahrzeug?

Am liebsten habe ich Feuerwehrfahrzeuge, die mit ihrer Ausstattung unser Handwerk erleichtern und technisch ausgereift sind. Sie sind zuverlässig und eine gute Basis für einen erfolgreichen Einsatz, bei dem es aber auch auf das Zusammenspiel zwischen Mensch und Technik ankommt. Womit wir wieder bei einem leidenschaftlichen und interessierten Feuerwehrler angekommen sind.

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