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Unterwegs: Mit dem „Würfel“, wie Michael Kozikowski seinen Mercedes G-Klasse liebevoll nennt, machte er sich zusammen mit Sohn Florian auf in die Welt.

Weltreise mit dem Auto

Von Freising in die weite Welt: Wie sich Vater und Sohn einen Traum erfüllen

Mit einer Weltkarte hat alles angefangen: Zehn Jahre später haben sich Florian Kozikowski und sein Vater Michael mit dem Auto auf Weltreise begeben - und erleben Spektakuläres.

Freising – Mit einer Weltkarte, die das WC schmückte, hat alles angefangen. Inspiriert von der Größe und Vielfalt des Planeten, der darauf zu sehen war, hat der damals achtjährige Florian Kozikowski seinen Vater Michael gefragt, ob sie diese Länder alle gemeinsam bereisen könnten, wenn er einmal groß sei: von Freising aus in die weite Welt.

Heute, zehn Jahre später, misst der ehemalige Träumer nicht mehr 1,35 Meter, sondern 1,80 Meter, geht also durchaus als groß durch. Und die Frage hat er nicht vergessen. Sein Vater hatte ihm das gewagte Vorhaben einer Weltreise damals versprochen – und wurde vor zwei Jahren von seinem Sohn daran erinnert. Als „naiv“ bezeichnet der Wirtschaftsprüfer dieses Versprechen heute. „Offensichtlich hat Florian ein gutes Gedächtnis“, sagt Michael Kozikowski mit einem Augenzwinkern.

Mit dem Auto Land und Leute kennenlernen

Daher begannen die ersten Vorbereitungen. Jetzt, da der 18-jährige Florian sein Abitur gemacht hat, war der Zeitpunkt günstig für eine halbjährige Auszeit. Sie entschieden sich, statt zu fliegen, lieber mit dem Auto zu fahren. „Im Gegensatz zum Flugzeug lernt man mit dem Auto Land und Leute kennen. Man gelangt auch an schwer zugängliche Orte und hält sich nicht nur an touristischen Hotspots auf.“ Die Kozikowskis legten sich einen alten Mercedes G-Klasse zu und bauten ihn um. Ausgestattet mit einem Dachzelt dient er jetzt sowohl als Fortbewegungsmittel, als auch als mobiles Hotel. „Wir haben uns bewusst für das Modell entschieden, weil es noch vergleichsweise einfach in den entlegensten Gegenden der Welt repariert werden kann“, erklärt Michael Kozikowski.

Unendliche Weiten: Das Altaigebirge (hier in der Nähe der Stadt Khovd in der Mongolei) hatte auf die Weltreisenden einen besonderen Effekt. Es sei beeindruckend gewesen, schwärmen Florian und Michael Kozikowski.

Seit über sechs Wochen sind Vater und Sohn mittlerweile unterwegs und inzwischen mit Stopps in Russland und der Mongolei in China gelandet. „Am Anfang musste es schnell gehen, weil wir bis zum 23. Juli an der chinesischen Grenze sein mussten“, erzählt Florian. Dort wartete ein chinesischer Guide auf die beiden Deutschen. Ein kleiner Wettlauf gegen die Zeit, und schon zu Beginn mussten die beiden einen Rückschlag einstecken: Eigentlich wollten sie am Sonntag nach der Abiturverabschiedung los. Doch da machte ihnen die kaputte Klimaanlage einen Strich durch die Rechnung. Das Abenteuer konnte erst 24 Stunden später beginnen.

„Man hat manchmal schon ein wenig Respekt, an völlig fremden Orten zu übernachten“

Nachdem sie die ersten Tage noch auf gewohnten europäischen Straßen verbracht hatten, entdeckten sie langsam eine neue Umgebung. „Die Landschaften wurden ungewohnter, aber die Straßen auch schlechter, je weiter man fährt“, berichtet Florian. Mit diesen Verhältnissen müssen beide umgehen, lernen, denn mit dem Fahren wechseln sie sich ab. Kein Wunder angesichts der Tatsache, dass Vater und Sohn teilweise bis zu zehn Stunden täglich unterwegs sind. Florian sieht es als gutes Fahrtraining, der seit einem halben Jahr einen Führerschein hat. „An Verkehrsübersicht habe ich mit Sicherheit gewonnen, insbesondere durch das Navigieren in fernöstlichen Großstädten.“

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Wenn es dann Nacht wird, ist gerade die Park- und Zeltplatzplatzsuche nervenaufreibend. „Man hat manchmal schon ein wenig Respekt, an völlig fremden Orten zu übernachten. Hin und wieder ziehen wir auch das Hotel gegenüber dem ungeschützten Zelt vor“, gibt Florian zu.

Über 12.000 Kilometer in einem Monat

Kleine Komplikationen gab es bei der Einreise nach Russland. Da der Grenzübergang von Weißrussland nach Russland nur für Einheimische zu passieren ist, mussten sie improvisieren. Die Einreise klappte schließlich erst über Lettland, was den Kozikowskis einen Tag und eine Menge Anstrengungen gekostet hat. Sonst sei bislang alles einigermaßen reibungslos abgelaufen. Über 12.000 Kilometer haben sie innerhalb eines Monats zurückgelegt. Seitdem Vater und Sohn Ende Juli pünktlich nach China eingereist sind, ist auch der chinesische Fremdenführer an Bord, um sie durch das Land zu führen. „Er hat bemerkenswerte Kontakte“, erzählt Florian. So habe der Guide ihnen zum Beispiel in Pingyao einen Bierbrauer vorgestellt, der an Freising und insbesondere Weihenstephan sehr interessiert war und sie kurzerhand in sein Hotel einlud. Nur eine von vielen interessanten Begegnungen, die die beiden im Land der aufgehenden Sonne schon erlebt haben.

„Als Europäer fühlt man sich außerhalb der Großstädte fast wie ein Promi. Ständig wird man von Fremden nach einem Foto gefragt“, sagt Florian. Eine gute Möglichkeit, um mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. „Man lernt dadurch neue Sichtweisen kennen. Das eigene Weltbild wird neu zusammengesetzt.“ Die beiden Freisinger erweitern also nicht nur geografisch ihren Horizont.

„Wir sehen fast jeden Tag großartige Landschaften“

Ob man sich denn noch sehen könne, wenn man Monate zusammen in einem Auto verbringt? „Natürlich treten Konflikte auf. Vor allem, wenn etwas nicht wie geplant funktioniert. Aber man wächst auf jeden Fall enger zusammen“, sind sich die beiden einig. „Wenn man mit seinen Freunden wegfährt, zerstreitet man sich deutlich leichter“, findet Florian.

Was sie bis jetzt am meisten beeindruckt hat, können die beiden gar nicht so recht ausmachen. „Wir sehen fast jeden Tag großartige Landschaften. Da möchte ich eigentlich nichts priorisieren“, meint der 18-Jährige. Das Altaigebirge in der Mongolei habe aber einen besonderen Effekt auf sie gehabt. „Das ist schon beeindruckend. Gerade, wenn man im Flachland Sibiriens lange kein Gebirge mehr gesehen hat.“

Das Auto musste erst einmal zur Reparatur

Dass bis jetzt alles gut gegangen ist, überrascht sie teilweise selbst. Einmal musste das Auto bis jetzt zur Reparatur. In der mongolischen Hauptstadt Ulan-Bator brachten sie den „Würfel“, wie der Michael Kozikowski den Wagen liebevoll nennt, zur Inspektion. Das einzige wirkliche Ärgernis sei bis jetzt die Klimaanlage des Mercedes gewesen, die nach 9000 Kilometer nun endgültig den Geist aufgegeben hat. „Sobald es warm draußen wird, kommt nur noch heiße Luft durch die Klimaanlage. In der Wüste muss man dann eben das Fenster aufmachen. Abgesehen davon, dass anschließend das Auto eine Sandwüste ist, wissen wir mittlerweile den Fahrtwind zu schätzen“, sagt Florian.

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Eine Zeit lang werden die beiden noch in China umsehen, bevor es über Tibet und die Seidenstraße wieder in die Heimat zurückgeht. An Weihnachten wollen sie auf jeden Fall wieder in Freising sein. Vermutlich werden Vater und Sohn dann noch einiges mehr zu erzählen haben. Doch das Wichtigste haben sie vielleicht schon gelernt: „Mit Planung kommt man hier nicht besonders weit. Man lernt, auf sich und seine Mitmenschen zu vertrauen“, sagt Michael Kozikowski. „Das zu dürfen, ist vielleicht die beste Erfahrung bisher.“ Sebastian Bergsteiner

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