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Vor der Europawahl: Politiker stellen sich den Fragen der Freisinger Jugendlichen

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Stellten sich den Fragen der Jugendlichen: (v. l.) Benedikt Flexeder (CSU), Reinhold Reck (ÖDP), Referentin Lea Sedlmayr, Robert Weller (FW), Helmer Krane (FDP) und Christoph Birghan (AfD). © Lehmann

Vor der Europawahl fühlen Freisinger Jugendliche Politikern verschiedener Parteien bei der Fish-Bowl-Diskussion im Jugendzentrum Vis á Vis auf den Zahn.

Freising – Politik geht auch die Jugend an: Das will der Kreisjugendring Freising verdeutlichen. Nach der Gesprächsrunde mit Katharina Schulze und Alfred Grob folgte am Donnerstag eine weitere Veranstaltung: Eine Fish-Bowl-Diskussion – die Sitzordnung gleicht einem Goldfischglas, um das die Teilnehmer im Kreis herum sitzen – im Jugendzentrum Vis á Vis. Sechs Politiker beantworteten die Fragen ihrer jüngsten potenziellen Wähler.

Vertreten waren die FDP von Helmer Krane, AfD von Christoph Birghan, die SPD von Korbinian Rüger, CSU von Benedikt Flexeder, die ÖDP von Reinhold Reck und die Freien Wähler von Robert Weller. Bevor es mit der eigentlichen Diskussionsrunde losging, stand zunächst das zentrale Thema im Fokus: Europa. Referentin Lea Sedlmayr vom bayerischen Jugendring eröffnete den Abend und gab einen kurzen Überblick über EU-Rat, EU-Kommission und EU-Parlament und deren Aufgaben.

Dann ging die Diskussion los: Die Regeln erklärte Lennart Baggert vom Kreisjugendring, der auch die Moderation übernahm. Vier Punkte waren vorgesehen: Außen- und Sicherheitspolitik, Wirtschafts- und Finanzpolitik, Verbraucherschutz und Klimapolitik und Zukunftsvisionen. Wer eine Frage hatte, durfte sich zu den Politikern setzen und sie stellen – immer an zwei Parteien. War einer der Politiker mit dem, was seine Parteikollegen äußern, nicht einverstanden, kam der sogenannte „Bullshit-Buzzer“ zum Einsatz. Wer diesen betätigte, durfte zur vorangegangenen Aussage Stellung nehmen.

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Zunächst legte jeder Politiker kurz seinen Standpunkt dar. Die erste Frage aus dem Publikum ließ nicht lange auf sich warten: Von CSU und SPD wollten die Zuhörer wissen, ob sie den Abbruch der Seenotrettung unterstützen oder ob sie für die Rettung stehen. Beide Parteienvertreter sprachen sich klar für die Seenotrettung aus. Flexeder jedoch wollte noch früher ansetzen: „Die beste Rettung ist, wenn die Leute in ihrem Land so gut leben können, dass sie gar nicht erst aufs Mittelmeer gehen.“

Grenzschutz wird heiß diskutiert

Zu größeren Uneinigkeiten führte die Frage, wie Birghan und Rüger Grenzschutz umsetzen wollen. Die SPD befürworte einen europäisch geregelten Außengrenzschutz. Innerhalb der EU dürfe es jedoch keine Grenzkontrollen geben: „So ein Affentanz wie an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich darf nicht sein“, betonte Rüger. Auch die Vertreter der anderen Parteien sprachen sich gegen überzogenen Binnengrenzschutz aus.

Die AfD sieht das ganz anders: Laut Birghan bedürfe es eines Außengrenzschutzes, den die Länder selbst übernehmen sollen. Denn: „Seine eigene Heimat schützt man immer noch am besten.“ Auch Grenzschutz innerhalb Europas sollte laut dem AfD-Politiker überdacht werden: Wenn potenzielle Attentäter gar nicht die Möglichkeit hätten, Waffen nach Europa zu schmuggeln, könne man Anschläge vermeiden.

Jugendliche nutzen ihre Chance

Doch hätte Binnengrenzschutz keinen negativen Einfluss auf die Wirtschaft? Das wollte Nico Heitz von der Grünen Jugend wissen. Mit seiner Antwort erntete Birghan gleich zweimal einen Schlag auf den „Bullshit-Buzzer“: Er behauptete, dass die Kontrollen kaum wirtschaftliche Nachteile mit sich bringen würden. Zum Beispiel sei die Schweiz ja kein Schengenland sei und hätte trotz guter Grenzkontrollen keinen wirtschaftlichen Nachteil. Darauf folgten Anmerkungen von CSU – „Die Schweiz ist Schengenland“ – und SPD: „Laut offiziellen Prognosen würde Bayerns Wirtschaft um die Hälfte einbrechen. Das haben sicherlich auch Sie schon gelesen.“

So zog sich die hitzige Diskussion durch den Abend. Die Jugendlichen nutzten ihre Chance und löcherten die Politiker. Klimaschutz, finanzielle Unterstützung zwischen einzelnen EU-Ländern, Digitalisierung: Kein Thema kam zu kurz. Bleibt zu hoffen, dass sich Politiker auch vor zukünftigen Wahlen die Zeit nehmen, an die Wähler der Zukunft heranzutreten. Pascale Fuchs

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