Die Schmerzgrenze ist für Kristin Orlamünder (25) aus Freising inzwischen erreicht. Die Zahnarzthelferin pendelt täglch nach Fürstenfeldbruck: „Ich muss zweimal im Monat volltanken. Bald kann ich mir das nicht mehr leisten. Ich Muss mich jetzt schon wegen des teuren Sprits in anderen Bereichen deutlich einschränken“. Foto: Lehmann

Wahnsinns-Spritpreis: Die Verzweiflung an der Zapfsäule

Freising - Seit Monaten steigt der Spritpreis in schwindelerregende Höhen. Besonders schwierig ist die Situation nicht nur für Privatleute sondern auch für Speditionen, Taxiunternehmen und andere Firmen, die auf Kraftstoff angewiesen sind. Ihnen bleibt oft nichts anderes übrig, als die höheren Preise an die Verbraucher weiterzugeben.

Wir müssen einen Verlust des Gesamtgewinns von etwa zehn bis fünfzehn Prozent hinnehmen“, klagt Nefzat Diyap, Mitarbeiter von Taxi Gitti in Freising. Die Mehrkosten durch die hohen Benzinpreise zu kompensieren sei sehr schwierig: „Uns Taxlern bleibt nur der Kunde als Einnahmequelle. Den Fahrpreis können wir jedoch nicht selbstständig erhöhen, dass muss zuerst von dem Kreisverwaltungsreferat München, dem Landratsämtern Erding und Freising sowie vom Fachverband der Taxiunternehmen abgesegnet werden.“ Doch eine solche Preiserhöhung würde hauptsächlich Menschen treffen, die ohnehin schon beeinträchtigt sind. „Die Leidtragenden wären in erster Linie ältere Menschen, die nicht mehr zu Fuß zum Arzt gehen können oder allgemein Personen, die nicht mobil sind“, befürchtet Diyap.

Albert Söhl, Kreisgeschäftsführer des BRK Kreisverbandes Freising musste dagegen schon auf die hohen Spritpreise reagieren: „Aufgrund der Mehrkosten mussten wir die Preise für unser ,Essen auf Rädern’ anheben.“ Zwar seien die Spritkosten nur ein Faktor von vielen, wie zum Beispiel der Wegfall der Zivildienstleistenden, dennoch sei es schwierig sie zu kompensieren. Auch als soziale Organisation müsse man am Ende des Tages ,auf null rauskommen’.

Ein Grundproblem für den hohen Spritpreis sieht Dirk Dlugosch, Leiter der Fahrschule Dlugosch in dem Konsumverhalten der Verbraucher: „Ich habe den Eindruck, dass im Vergleich zu früher viele unnötige Autofahrten in Kauf genommen werden. Um die Preisspirale aufzuhalten, müsste ein Umdenken in unserer Gesellschaft stattfinden.“ Als Fahrschulleiter bleibt Dirk Dlugosch jedoch oft keine Wahl: „Wenn der Tank leer ist, müssen wir tanken, egal wie hoch der Preis gerade ist.“

Auch Jaswinder Singh, Chef des Pizza-Lieferservice „Prima Pizza“ in Neufahrn spürt die gestiegenen Benzinpreise. Er möchte sie aber nicht an die Kunden weitergeben: „Sie sind ja selber dadurch belastet“, erklärt er. Der Mindestbestellwert in Neufahrn bleibe bei acht Euro, denn er rechnet damit, dass weniger Leute bestellen würden, wenn er die gestiegenen Benzin- und auch Lebensmittelpreise auf die Kunden umlegen würde. Sollten die Benzinpreise aber einmal über zwei Euro steigen, was seiner Meinung nach Ende des Jahres schon der Fall sein könnte, dann müsse man wohl doch die Preise erhöhen. Singh überlegt aber auch, in dem Fall auf gasbetriebene Autos umzustellen.

Ein weiterer Geschäftszweig, der unter den hohen Benzinpreisen leidet ist die Speditionsbranche. Thomas Berlinger, Inhaber und Geschäftsführer der Spedition Weber in Freising erklärt, dass man schon erste Konsequenzen ziehen musste: „Zwar sind die Mehrkosten im Nahbereich noch nicht so stark gestiegen, allerdings mussten wir die Preise im Fernverkehr anpassen. Ab einer Distanz von mehr als 50 Kilometern müssen wir einen erhöhten Spritzuschlag verlangen. Das sind etwa acht bis zehn Prozent mehr als noch vor zwei Jahren.“

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