Wechsel bei der Fluglärmkommission

OB Eschenbacher übernimmt Chef-Posten von Knur

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Neun Jahre war er Vorsitzender der Fluglärmkommission, davor schon 14 Jahre Stellvertreter: Herbert Knur. Seit gestern ist er wieder Stellvertreter. Neuer Chef in „bewegten Jahren“ ist Freisings OB Tobias Eschenbacher.

Flughafen – Herbert Knur drückte aufs Tempo. Nicht weil er keine Minute länger als unbedingt notwendig Vorsitzender der Fluglärmkommission sein wollte, sondern weil er bei der Sitzung gestern unnötige Wortmeldungen unterbinden wollte. Knur – laut Landrat Josef Hauner „äußerst engagiert, qualifiziert und bestens vernetzt“ – trat nicht mehr als Vorsitzender an. Sein Nachfolger, dem er weiterhin als Stellvertreter zurSeite steht, ist OB Tobias Eschenbacher.

In seiner letzten Sitzung als Vorsitzender stand neben den üblichen Berichten auch das Thema Ultrafeinstaubpartikel (UFP) auf der Tagesordnung: Forderungen der Fluglärmkommission an die zuständigen Ministerien in Bayern, ein Forschungsprojekt für dieses noch nicht erforschte Thema anzuleiern, seien mit Hinweis auf ein entsprechendes Projekt des Bundes rund um den Flughafen Frankfurt abgelehnt worden.

Tobias Eschenbacher ist neuer Vorsitzender der Fluglärmkommission.

Holger Gerwig vom Umweltbundesamt in Langen und Professor Stefan Jacobi vom Hessischen Landesamt für Naturschutz waren also geladen worden, um zu informieren. Fazit der seit einigen Jahren in Hessen laufenden Messungen: Die mittlere Belastung mit solchen UFP belaufe sich auf 16 400 pro Kubikzentimeter, was 30 Prozent mehr als an anderen Messstationen in Städten sei. Kurzfristig könne man bei Landungen sogar mehrere 100 000 UFP feststellen. Der Flughafen Frankfurt komme dabei als „potenzielle Quelle“ in Betracht. Eine Unterscheidung von Belastungen von Flugzeugen oder von Pkw auf Autobahnen sei (noch) nicht möglich. Wichtig seien weitere Messungen und – so forderte Knur – der Start der Wirkungsforschung. Denn, so hatte auch Jacobi betont: Man messe und messe. Und dann? Was mache man mit den Resultaten? Was seien die Folgen und Folgerungen? Als FMG-Prokurist Josef Schwendner mutmaßte, dass es für die UFP vielleicht einmal Jahresdurchschnittswerte als Belastungsgrenze geben werde, schrillten bei Knur die Alarmglocken: „Wenn einer bei laufendem Motor in einer Garage Kohlenmonoxid einatmet, dann ist sein Jahresmittelwert vielleicht okay. Aber er ist trotzdem in kurzer Zeit tot.“

Ansonsten ging es in den diversen Berichten vor allem um Zahlen: Wie Deutsche Flugsicherung, Luftamt Süd und FMG mitteilten, habe es in den vergangenen acht Monaten insgesamt 421 mündliche und schriftliche Beschwerden gegeben. Dass das Luftamt Süd nicht bereit sei, einen Anrufbeantworter an das Beschwerdetelefon anzuschließen, erstaunte und erboste die Mitglieder der Fluglärmkommission.

Die FMG-Vertreter prognostizierten für 2017 rund 44 Millionen Passagiere und 409 000 Flugbewegungen – und damit ein „sehr positives“ Jahr. Und dann hatten sie noch ein Hörbeispiel mitgebracht, um zu beweisen, dass die neuen Airbus 350–900 leiser seien als die Airbus 340, die sie ersetzen sollen.

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