Harald Schrott, Pächter des Hofbrauhaus-Kellers reagiert auf Anfeindungen.

Keine politischen Veranstaltungen mehr

Wegen AfD: Freisinger Wirte wehren sich gegen Angriffe

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Freising - Der Hofbrauhaus-Keller ist eine bevorzugte Adresse vieler Parteien in Freising. Das wird sich künftig ändern – müssen. Denn ab 2017 lässt Pächter Harald Schrott keine politischen Veranstaltungen mehr in seinen Räumen zu.

Mit dieser E-Mail hat Susanne Günther eine Lawine losgetreten. Die Grünen- Stadträtin hatte sich wegen einer am Mittwoch im Freisinger Hofbrauhauskeller angesetzten AfD-Veranstaltung an den Pächter Harald Schrott gewandt. „Mit Entsetzen“ habe sie davon gelesen. Denn an dem Abend werde auch der AfD-Abgeordnete Andreas Kalbitz eingeladen sein. Sie verweist darauf, dass der seit langem vielfältige Kontakte zur rechtsextremen Szene pflege. Günthers Appell an den Pächter des Hofbrauhauses: „Ich bitte Sie eindringlich, sich Ihrer Verantwortung als Hausherr bewusst zu sein. Ihre Gaststätte wird in einem Atemzug mit rechtsradikalen, menschenverachtenden und rassistischen, homophoben und sexistischen Populisten genannt. Das fällt auch auf Sie als Gastgeber zurück.“

Die E-Mail der Stadträtin, die dem FT vorliegt, war nicht die einzige Reaktion auf die AfD-Veranstaltung. In seinem Antwortschreiben an Günther berichtet Schrott von wiederholten persönlichen Anfeindungen, „geschäftsschädigenden Kommentaren in den sozialen Netzwerken“ und dem „politischen Druck“, der auf ihn ausgeübt werde.

Der Pächter des Hofbraukellers hat die Nase voll

Der Pächter hat daher eine Entscheidung getroffen. „Nach Durchführung bereits bestehender Buchungen für das Jahr 2016 werden ab dem Jahr 2017 politische Veranstaltungen sämtlicher Parteien im Hofbrauhaus-Keller grundsätzlich abgelehnt.“ Dies beziehe sich ausdrücklich auf Veranstaltungen wie politische Tagungen, politische Vorträge und Wahlkampfveranstaltungen. Stammtische und regelmäßige Treffen von Parteien könnten unter Voraussetzung rechtlicher Unbedenklichkeit wie gewohnt durchgeführt werden. „Alle demokratisch legitimierten Parteien und Gruppierungen waren in der Vergangenheit im Hofbrauhaus-Keller stets willkommen“, betont Schrott. Er wolle sich aber nicht mehr dafür rechtfertigen, einer demokratisch gewählten Partei nicht die Räumlichkeiten zu verwehren.

Das bekräftigte der Pächter nochmals gegenüber dem FT: „Ich habe die Nase voll von politischen Veranstaltungen.“ Sie würden sich wirtschaftlich in der Regel nicht rentieren und brächten hauptsächlich Ärger ein. „Es ist nicht meine Aufgabe, Reservierungen zu durchleuchten oder nach Gästen zu googeln. Wenn es darum geht, finde ich bei jeder Partei ein schwarzes Schaf, wo ich mich fragen muss: Kann ich den vertreten?“

Die erste Solidaritätsbekundung gibt es schon

Genauso sieht es Günter Wittmann. Der Chef des Gasthofs zum Löwen kam am Mittwoch extra in die FT-Redaktion, um seine Solidarität mit Schrott zu bekunden. Er ist selbst ein gebranntes Kind, auch bei ihm hat die AfD schon Veranstaltungen abgehalten. „Seitdem darf ich mir einiges anhören“, berichtet er. „Diese Anfeindungen bin ich leid.“ Deshalb wird auch Wittmann ab kommendem Jahr außer Mitgliederversammlungen keine politischen Veranstaltungen mehr zulassen. „Ich lebe zwar vom Verkaufen und nicht vom Draußenlassen. Aber in diesem Fall geht es nicht anders.“ Er hofft, dass sich noch mehr Gastronomen anschließen.

Günter Wittmann (l.)  vom Gasthof zum Löwen erklärt gegenüber FT-Redakteur Manuel Eser seine Solidarität mit Harald Schrott.

Anna Elisabeth Hofmeier, Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands, äußert dafür Verständnis. „Die Wirte sind einem ungeheuren Druck ausgesetzt, sobald bekannt wird, dass sie die AfD beherbergen“, berichtet sie. Dabei hätte diese Partei wie jede andere auch das Recht, sich irgendwo zu treffen. „Für den Wirt, der das macht, kann das aber geschäftsschädigend sein, weil er in eine Ecke gedrängt wird und nichts dagegen machen kann.“ Allerdings habe sie den Eindruck, dass dies vor allem ein Freisinger Problem sei. „Auf dem Land ist das eigentlich kein Thema“, sagt Hofmeier, die in Hetzenhausen einen Landgasthof führt.

Schrott hat seine Entscheidung bereits Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher persönlich mitgeteilt. Der OB, der früher selbst als Gastronom aktiv war, zeigte gegenüber dem FT Verständnis für dessen Haltung. Es sei grenzwertig, von Wirten zu verlangen, Veranstaltungen politisch zu bewerten. „Da tun sich Politiker natürlich leichter.“ Er wünscht sich mehr inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Programm der AfD. „Das kommt mir zu kurz.“

Und es wird noch absurder

Wie grotesk die Situation in Freising inzwischen ist, zeigt ein weiteres Beispiel. Am Dienstag versammelte sich die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und der Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VNN-BdA) im Hofbrauhaus-Keller. Tags darauf hatte Schrott eine böse E-Mail im Posteingang. Beim VNN-BdA handle es sich um eine linksextreme Vereinigung, hieß es darin. Sollte das Hofbrauhaus diesen Leuten weiter eine Plattform bieten, werde man die Gaststätte nicht mehr besuchen. Absender der E-Mail ist laut Schrott die Familie Seefried. Wilhelm Seefried ist Vorstandsmitglied der AfD.

Kommentar:

Immer wieder setzen politische Parteien und Interessengruppen in Freising Wirte unter Druck, der AfD die Türen zu versperren. Es ist der falsche Weg. Erstens ist es ein ungewolltes Zeichen von Hilflosigkeit, wenn man eine immerhin legale Partei auf diese Art bekämpft, statt sie inhaltlich zu stellen. Zweitens ist es unklug, weil die AfD so in eine Märtyrer-Rolle gedrängt wird, aus der sie neue Stärke bezieht. Drittens greift man mit diesen gesellschaftlichen Ausgrenzungsversuchen auf dieselben Mittel zurück wie die Rechtspopulisten. Und viertens geht es nicht an, dass politische Kämpfe auf dem Rücken von Wirten ausgetragen werden. 

Dass die das nicht mehr mitmachen wollen, ist nachvollziehbar. Dass zwei Gastronomen aus Freising daher sogar sämtliche politische Parteien ausladen und damit gegen ihre ureigenen beruflichen Instinkte und Interessen handeln, zeigt, wie weit es bereits gekommen ist.

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